Eddie Murphy ist zurück und gibt den gestressten Business-Dad. Während er versucht seinen Job gut zu machen, driftet seine kleine Tochter nur allzu gerne in Phantasiewelten ab. Mit ihrer Zauberdecke nimmt sie Kontakt zu ihren imaginären Zauberfreundinnen auf. Und eben diese Zauberdecke wird auch für ihren Vater bald essentiell wichtig werden. Kaum zu glauben, aber der freie Fall des ehemaligen Comedy-Asses geht ungebremst weiter. Zuhause ist der Zauber los ist Unterhaltung auf unterdurchschnittlichem Fernsehniveau. Als nächstes käme nur noch wirklich eine TV-Serie für Murphy in Frage.
Vom Titel auf den Inhalt geschlossen, ließe der eine muntere Familien-Fantasykomödie erwarten. Vielleicht im klassischen Disney-Stil früherer Jahrzehnte. Disney stimmt immerhin: Zuhause ist der Zauber los fand seinen Zufluchtsort bei Nikelodeon, der für fetziges Familienentertainment verantwortlichen Produktionsfirma des Giganten. Nur fetzig will diesem faden Machwerk überhaupt nicht gelingen. Nach dem Streifen fragt man sich eigentlich nur zwei Dinge: Ist Eddie Murphy nun filmisch endgültig durch, und wer soll sich diese einschläfernde, zielgruppenunspezifische, obendrein recht einfalslose und höhepunktarme Show eigentlich ansehen wollen?
Der karrierebeflissene Investmentbanker Evan Danielson (Eddie Murphy) hat eigentlich nur seinen Job im Kopf. Wohl auch ein Grund dafür, dass seine Ehe scheiterte. Vor der Verantwortung der gemeinsamen Tochter gegenüber kann er sich aber nicht drücken. Will er prinzipiell auch nicht, schließlich liebt er sein kleine Olivia (Yara Shahidi) über alles. Der Tag hat aber leider nur 24 Stunden, und Familienleben und Beruf lassen sich eben nicht immer unter einen Hut bringen. Als ihm seine Ex-Frau Trish (Nicole Parker) die Kleine für eine Woche aufs Auge drückt, ist er alles andere als darüber erbaut. Ihm bleibt dennoch keine Wahl: Business und Babysitten müssen irgendwie in Einklang gebracht werden.
Dass die kleine Olivia obendrein etwas merkwürdig ist, erweist sich zunächst nicht als besonders hilfreich. Das Mädchen hat eine Reihe imaginärer Freunde: drei Prinzessinnen und eine Königin aus einer wundersamen unsichtbaren Märchenwelt. Zur Kommunikation mit diesen benutzt sie eine Zauberdecke, Goo Gaa genannt, von der sie sich niemals trennt. Wer dies dennoch versucht, erlebt sein blaues Wunder. Was aber keiner für möglich gehalten hätte, Evan wird die Hilfe dieser Märchenwesen noch bitter nötig haben.
In seiner Firma bekommt er plötzlich reichlich Gegenwind. Seit ein neuer Kollege mit zweifelhafter indianischer Herkunft, Johnny Whitefeather (Thomas Haden Church), Finanzanalysen mit einem besonderen spirituellen Touch aus dem Portfolio zaubert, schwimmen Evan allmählich die Felle weg. Da kommt es einem Wunder gleich, dass ihm seine Tochter plötzlich - auf kryptischen Umwegen -Anlagetipps zu geben vermag. Und die erweisen sich auch noch als richtig. Quelle dieser transzendenten Ratschläge aus dem Börsenäther sind ihre imaginären Freundinnen. Kann das sein - existieren diese Figuren womöglich wirklich?
Das Motiv mit den unsichtbaren Zauberwesen und imaginären Gefährten ist nicht gerade neu. Bietet aber, gekonnt variiert, immer wieder Potenzial, um unterhaltsame Geschichten zu erzählen. Und genau damit befindet man sich auch schon im Zentrum des Problems: Der ganze Film ist wie ein ewiges Anlaufnehmen. Man hofft und wartet, gibt dem Streifen eine zweite Chance und wartet abermals, aber kein magischer Moment tritt ein. Stattdessen wird Büroklamauk auf dem Niveau (meist sogar eher darunter) der TV-Serie Chaos City abgeliefert. Die einzigen lichten Momente verdankt man ausschließlich Thomas Haden Church, in der Rolle als skurriler Börsenschamane. Passend zur globalen Wirtschaftskrise, welche die USA mit am heftigsten beutelte, wurde zumindest versucht, ein paar Spitzen in Richtung Finanzwelt abzugeben, um dem Ganzen damit ein wenig den Anstrich von Sozial- und Zeitgeistkritik zu verleihen, doch ist alles so zahm und zahnlos, dass es gleich wieder aus dem Gedächtnis schwindet. Ein "amerikanisches Finish" aus dem Instantsuppen-Kitschregal sorgt überdies zusätzlich für Verdruss.
Für einen Erwachsenen mögen diese Finanzwelt-Softironieeinlagen möglicherweise sogar noch irgendwie unterhaltsam sein - einen frischen BWL-Bachelor vorausgesetzt - doch wie das zur Erbauung von Kindern beitragen kann, will sich einfach nicht erschließen. Und als kindgerechte Familienunterhaltung versteht sich der Film schließlich. Damit ist auch schon das zweite große Dilemma umrissen: Diese Geschichte weiß einfach nicht, was sie will und auch nicht wen sie überhaupt für sich gewinnen möchte. Vielleicht geschiedene Finanzanalysten, die einen schlechten Vaterjob machen? In diesem Falle dürfte die Zielgruppe eher überschaubar sein.
Etwas Charme zaubern zwar zumindest die kleine Yara Shahidi und der schräge Pseudo-Native in diesen Reigen, damit erschöpft sich aber alles wundersame Leuchten schon. Der Rest bleibt der eigenen Imaginationskraft vorbehalten. Auf echte magische Momente kann ansonsten lange gewartet werden. Zuhause ist der Zauber los mutet wie ein Stützkorsett für den ehemaligen Topstar der Hollywood-Spielfilmcomedy Eddie Murphy an. Vom frechen coolen Quatschmaul der 80er und Teilen der 90er Jahre ist aber nicht mehr viel übrig. Ganz im Gegenteil: Murphy muss gehörig aufpassen, dass solche Filme nicht sogar zum Gnadenbrot seines Alters werden.