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Mit A Tale of Two Sisters schuf Ji-Woon Kim wohl einen der ruhigsten und zugleich aber auch spannendsten Horrorfilme der letzten Jahre. Die Adaption eines alten koreanischen Volksmärchens ist inhaltlich stimmig, bisweilen sogar sehr überraschend, hat eine wunderbare Atmosphäre zu bieten und könnte zudem nicht besser in Szene gesetzt sein.
Obwohl die Horrorwelle aus Asien langsam zurückgeht, scheint Hollywood nicht genug von ihnen zu bekommen, denn trotz der Flops der letzten Jahre muss nun wieder ein asiatischer Horrorfilm daran glauben. Ein guter Grund einen Blick auf die Vorlage A Tale of Two Sisters zu werfen. Dieser wurde von einem der hochkarätigsten Regisseure Asiens in Szene gesetzt, denn Ji-Woon Kim hat bislang in all seinen Filmen ein großes Talent offenbaren können und auch sein demnächst in Deutschland startender The Good, The Bad, The Weird wird von Lob nur so überschüttet.
Nach einem Psychiatrieaufenthalt kommen de beiden Schwestern Su-mi und Su-yeon wieder nach Hause. Weshalb sie eine Anstalt aufsuchen mussten, weiß der Zuschauer zu diesem Zeitpunkt noch nicht, doch dass hier etwas im Busch ist, dürfte schnell klar sein. Während der Vater eher abwesend ist und die beiden Schwestern vernachlässigt, kümmert sich deren Stiefmutter Eun-joo um die beiden und lässt dabei strengste Disziplin walten. Während die ältere Schwester Su-mi immer wieder gegen die Stiefmutter rebelliert, beginnt Su-yeon vermehrt Geräusche zu hören und unerklärliche Dinge zu sehen.
Wer bei diesem Film einen typischen asiatischen Geisterschocker a la Ring erwartet, dürfte sicherlich enttäuscht werden, denn anstatt auf die gewohnten Genreelemente zu setzen, wird das Augenmerk eher auf die Geschichte des Filmes gelegt. A Tale of Two Sisters könnte ebenfalls als ein reines Familiendrama mit gelungener Charakterstudie durchgehen, doch gerade, dass man diese Geschichte in einem Horrorfilm verwoben hat, der inhaltlich stimmig und nicht gerade einfach zu durchschauen ist, macht den Film erst aus.
Inszenatorisch kann der Regisseur dabei aus den Vollen schöpfen. Jeder, der den optisch brillanten, aber dafür inhaltlich etwas simplen A Bittersweet Life gesehen hat, dürfte wissen was Regisseur Ji-Woon-Kim auf dem Kasten hat und das kann er hier vollkommen ausspielen. Mit einer überraschend ruhigen Inszenierung schuf er eine unglaubliche Atmosphäre, schockt den Zuschauer in einigen Momenten ungemein und baut damit eine nervenzerreißende Spannung auf, die durch den hervorragenden Score von Byung-woo Lee nochmals verstärkt wird.
Da es sich bei diesem Werk schon fast um ein Kammerspiel handelt, steht und fällt so ein Film oftmals auch mit der Leistung der Darsteller. Neben den beiden Jungdarstellern Su-jeung Lim und Geun-Young Moon weiß vor allem Dingen Jung-ah Yum in der Rolle der undurchsichtigen Stiefmutter zu gefallen, die hier eine bitterböse Performance abliefern darf.
A Tale of Two Sisters wird sicherlich nicht jedermanns Sache sein, denn für viele dürfte dieser Film zu ruhig und auch zu anstrengend zu folgen sein. Lässt man sich jedoch von dieser großartigen Inszenierung mitreißen, ist man schnell gefangen in einem hochspannenden Horrorfilm, der gerade für sein Genre ein überraschend gutes Drehbuch zu bieten hat. Damit liegt die Messlatte für das US-Remake Der Fluch der 2 Schwestern natürlich unglaublich hoch und es ist gerade aufgrund der asiatischen Mentalität und der unglaublich guten Inszenierung Ji-Woon Kims zu bezweifeln, dass es seinem Original gerecht werden kann. |