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Whatever Works

(Whatever Works, 2009)

Dt.Start: 03. Dezember 2009
DVD: 24. September 2010
Premiere: 22. April 2009 (Festival, USA)
FSK: ab 12 Genre: Komödie, Romanze
Länge: 92 min Land: USA
Darsteller: Larry David (Boris Yellnikoff), Evan Rachel Wood (Melodie St. Ann Celestine), Ed Begley Jr. (John), Henry Cavill (Randy James), Patricia Clarkson (Marietta), Willa Cuthrell-Tuttleman (Enid), John Gallagher Jr. (Perry), Jessica Hecht (Helena), Lyle Kanouse (Ed), Olek Krupa (Morgenstern), Carolyn McCormick (Jessica), Michael McKean (Joe), Christopher Evan Welch (Howard)
Regie: Woody Allen
Drehbuch: Woody Allen


Inhalt

Ein exzentrischer älterer Mann aus Greenwich Village namens Boris lässt sich auf eine Serie von Liaisons ein, die ihn schließlich mit Melodie, einem frechen jungen Mädchen aus dem Süden, und ihren Eltern in Kontakt bringen. Allerdings verläuft dieses Aufeinandertreffen wenig harmonisch, da jeder ein Problem mit dem anderen zu finden scheint.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Whatever Works hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 85%
Kurzkritik
von Benjamin Schieler
Wertung von 77 für Whatever Works

Was für ein Protagonist! Gestatten? Boris Yellnikoff - verhinderter Physik-Nobelpreisträger, Hypochonder, Nihilist, elitärer Snob, Egozentriker und gescheiterter Selbstmörder. Das Südstaatendummchen Melodie verknallt sich trotzdem in den Kauz, so absurd das klingen mag. Sie wächst an seiner Seite und wächst letztlich über ihn hinaus. Die Konsequenz, mit der ein desillusionierter Woody Allen (oder hatte der nie Illusionen?) seinen Standpunkt vertritt, ist bemerkenswert. "Das ist kein Wohlfühlfilm", sagt Boris gleich zu Beginn. Er starrt dabei direkt ins Gesicht des Zusehers, grinsend. Die Warnung will gehört sein. Das Dasein ist sinnlos. Das Leben eine pure Anhäufung von Zufällen. Liebe auch keine Lösung. Religion schon gar nicht. Die Bigotterie und Doppelmoral Amerikas bekommt von Allen einen gezielten Faustschlag mitten auf die Nase. Da verzeiht man es ihm auch, dass manche Gags partout nicht zünden wollen.

Kritik

von Julian Reischl
Whatever Works hat eine Wertung von 92%
Wieder mal eine Meisterleistung von Woody Allen, der auch mit 74 Jahren noch einen Film pro Jahr dreht. Diesmal blickt Allen aus der Sicht einer Intelligenzbestie auf das leidige, auch für noch so helle Köpfe nicht fassbare Thema Liebe. Die Einsichten sind zwar nicht neu, doch in diesem Fall ist der Weg das Ziel.

Bild aus Whatever Works Boris Yellnikoff hat es nicht leicht in dieser Welt. Dem ehemaligen Physikprofessor, der einst sogar für den Nobelpreis nominiert war, steht sein eigener Intellekt im Weg. Boris' Fachgebiet ist die Stringtheorie, die sich, grob gesagt, mit der Suche nach der Weltformel befasst. Es geht darum, sämtliche Zusammenhänge im Universum zu verstehen, und Boris kann das besser als kaum ein anderer.

So kann das Leben Boris auch keine Überraschungen entgegenschleudern, denn der hochgebildete, intelligente Mann ist nicht nur in der Lage, abseits der gültigen Normen zu denken, sondern er tut den ganzen Tag nichts anderes. Menschliche Logik und alltägliche Probleme sind für den Professor praktisch unsichtbar, auf jeden Fall völlig unwichtig. Und doch stehen sie ihm immer wieder im Weg, denn kaum jemand versteht wirklich, wie er zu seinen streckenweise absonderlichen Meinungen gekommen ist. Konsequenterweise zieht sich die Umwelt eher zurück, als das Verständnis zu suchen. Aber die soziale Interaktion mit normalen Menschen ist Boris ohnehin nicht besonders wichtig, das Universum ist wichtiger.

Doch auch Boris kann nicht aus seiner Haut, er ist nun mal ein Mensch, ein Mann. Er war verheiratet, hat Freunde, mit denen er sich immer wieder gerne auf einen Kaffee trifft, muss essen und trinken, etwas Geld verdient er sich als griesgrämiger Schachlehrer. Sogar einen halbherzigen Selbstmordversuch aus spontaner Überzeugung hat er hinter sich, deswegen humpelt Boris auch, dem maroden US-Gesundheitssystem sei dank.

Schnell ist klar: Boris ist kein einfacher Mensch. Nichtsdestotrotz hat auch er verdient zu lieben. Boris selbst glaubt schon lange nicht mehr daran, doch als die junge Ausreißerin Melodie sich ausgerechnet vor der Tür seines schäbigen Apartments dazu anschickt, im Freien zu übernachten, nimmt Boris sie auf. Und so beginnt ein Liebesreigen, wie Woody Allen ihn noch nie verfilmt hat.

Das Augenmerk von Woody Allens neuestem Film liegt auf der Kompatibilität der Menschen, hier jedoch unter besonderer Berücksichtigung der weniger alltäglichen Typen. In diesem Fall lässt er zwei Menschen von den entgegengesetzten Enden der Gauß-Verteilung in Sachen Bildung aufeinandertreffen: Den hochintelligenten Naturwissenschaftler gesetzten Alters und die junge, religiös indoktrinierte, weitgehend ungebildete Südstaaten-Cheerleaderin.

Obwohl man sich bereits allein an den Diskrepanzen, die sich zwischen Boris und Melodie ergeben, ergötzen könnte, füllt Woody Allen die Lebens- und Liebesgeschichten der weiteren Personen im näheren Umfeld mit nicht weniger skurrilen Erlebnissen an. Eines haben (fast) alle Personen jedoch gemein: Ihre Sichtweisen verändern sich, sie entwickeln sich weiter.

Natürlich identifiziert sich jeder Zuschauer mit Boris, denn wer möchte sich schon im Dummchen vom Land wiedererkennen? Doch die tiefen, meist kontroversen Einsichten in das Leben, die Liebe und das Universum dürften nur die allerwenigsten aus vollem Herzen teilen, und die sind höchstwahrscheinlich Single. Aber Erfahrung mit der Liebe bzw. ein Liebesleben hat jeder Mensch, auch die verbitterten Altsingles. Denn auch wenn die Liebeserfahrungen allesamt aus Ablehnung bestehen und das Liebesleben durch Abwesenheit eines Partners glänzt, gilt das ebenso als legitime Teilnahme am großen Reigen.

Das Problem intelligenter, umfassend vorgebildeter Menschen wie Boris ist, dass sie von fast nichts mehr überrascht werden können. Da jedoch die Liebe ausschließlich überraschend zuschlägt, ist es besonders schwierig für sie, bei Menschen wie Boris den rechten Moment abzupassen.

Woody Allen hat dies schon in den 70ern erkannt. Ursprünglich war die Rolle des Boris für Zero Mostel geschrieben worden, doch der verstarb 1977, woraufhin Allen das Projekt auf Eis legte. Nun befindet er sich selbst im Alter seiner Hauptfigur und hat entsprechend mehr, und umso wertvollere Lebenserfahrungen angesammelt, was der Verfilmung nur zugutekommt. Dass Woody Allen selbst hochintelligent ist und somit ein entsprechend hintergründiges Drehbuch verfasst hat, braucht wohl nicht mehr erwähnt zu werden.

Eine absolut sehenswerte Liebeskomödie auf höchstem Niveau, die gekonnt mit Klischees und Wahrnehmungen spielt, diese hinterfragt und neu anordnet.



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