Ein junges Paar, verliebt und im Urlaub auf der schönen Mittelmeerinsel Sardinien: Der Beginn einer großen Liebe oder lediglich eine Episode? Gitti und Chris können irgendwie nicht gut miteinander, aber auch nicht ohne den anderen. Aus der Unfähigkeit, ihre Probleme und Kommunikationsschwierigkeiten aufzuarbeiten, verschanzen sie sich hinter Ironie und seltsamer Komik und verstecken ihre wirklichen Wünsche, Hoffnungen und ihre innere Unsicherheit. Ein Film, der detailreich und auf die Spitze getrieben, einen grotesken Beziehungsmachtkampf schildert. Anstrengend und verstörend, aber stark gespielt.
Was sich liebt, das neckt sich; aber nicht alles was sich neckt, liebt sich wirklich. Gitti und Chris (Birgit Minichmayr und Lars Eidinger) sind ein sehr ungleiches Paar, das seine ungelösten Probleme mit in den Urlaub nach Sardinien schleppt. Lars ist Architekt, hängt aber seinen persönlichen Idealismus höher als den bloßen beruflichen Ergeiz. Nur Gebäude entwerfen, um Geld zu verdienen, ist nicht sein Ding. Er möchte mehr; will seine architektonischen Visionen realisieren. Birgit ist augenscheinlich praktischer veranlagt und vor allem deutlich lebenslustiger: eine leidenschaftliche Frau mit ordentlich Feuer.
Chris zuliebe versucht sie sich aber so zu benehmen, wie sie annimmt, dass er sie haben will. Insbesondere nachdem die beiden ein anderes Paar treffen, das sich plakativ nach traditionellem Rollenmuster verhält, versucht Gitti sich ebenfalls in ein "Frauchen" zu verwandeln. Chris, der bis dato im Geschlechterkampf unterlegen schien, gewinnt nun psychologisch die Oberhand und blüht auf. Gitti, die schon vorher daran verzweifelte, dass Chris ein großes Problem mit Nähe hat, spielt sich ihm jetzt vollends in die Hände. Unausweichlich nähern sich beide einem grotesken Finale: Liebe allein reicht wohl nicht aus; vor allem, wenn man derart unterschiedlich ist. Und wie "die Anderen" sein zu wollen, hilft dann auch nicht.
Augenscheinlich könnte das erste, das man nach einer Weile denkt, sein, dass Alle Anderen einen anderen Titel verdient hätte. Eines findet in diesem skurrilen Beziehungsdrama kaum Raum: die Anderen. Zwar tauchen sie symbolisch in einem grotesk-lächerlich und "perfekt" wirkenden Paar auf, das überzeichnet bis zum Gehtnichtmehr, als ultimative Persiflage eines klassisch verteilten Rollenmusters herhält. Und merkwürdigerweise scheint sich das Protagonisten-Pärchen genau an diesen beiden auszurichten, aber verständlich warum dies passiert, wird es nicht ohne weiteres.
Dem Zuschauer kann dies Fragen aufwerfen: Kein halbwegs vernunftbegabter Mensch möchte so sein: Hans (Hans-Jochen Wagner), arroganter und selbstgefälliger Platzhirsch, der allzu gerne seine Partnerin vorführt und zurechtweist und Sana (Nicole Marischka), die zu ihrem "Herren" aufblickt, ihm stets liebevoll den Wanst tätschelt und bei jedem, noch so dümmlich-deplazierten und geschmacklosen seiner Scherze, brav lacht. Plausibel wird das Motiv vielleicht durch die Paarsituation zwischen Gitti und Chris, die im Vorhinein skizziert wurde: Ein Paar, das prinzipiell unfähig ist, miteinander normal zu reden und sich konsequent hinter Ironie und Sarkasmus versteckt. "Alle anderen" machen es da vielleicht besser? Und wenn man so ein schräges "Musterbeispiel" geliefert bekommt, orientiert man sich daran?
Anstrengend ist Alle Anderen allemal; fordernd und grotesk-komisch. Die beiden Hauptdarsteller spielen brillant ein Paar, das nicht in der Lage ist, miteinander zu kommunizieren und sich in einem nicht enden wollenden Konflikt und Machtkampf selber und gegenseitig zerfleischt; regelrecht vor lauter emotionaler Orientierungslosigkeit sich grausam "zu Tode" neckt. Richtig intim wird es zwischen den beiden selten; immer nur dann, wenn sie Sex haben. Die übrige Zeit verbringen sie überwiegend damit, sich anzunähern und wieder fortzustoßen. Sie klammert; Er kann Nähe kaum ertragen. Verzweifelt kreisen beide in diesem ewigen "Mann-Frau-Konflikt" umeinander.
Der gewissermaßen normale Beziehungstod wird hier makaber übersteigert und Kafka-esk auf die Spitze getrieben. Die Urlaubssituation, welche der Romanze förderlich sein sollte, wird zum Brennglas, unter dem sich in der obsessiven Situation alles weiter anheizt. Man kommt einfach nicht umhin sich zu fragen, warum sich zwei Menschen das antun? Alles andere wäre besser. Es scheint der Schrecken ohne Ende; eine Liebe mit Kraft, aber ohne Hoffnung. Alle Anderen ist starkes deutsches Kino, welches dem Zuschauer einiges abfordert und mit schonungslosem, tragisch-komischen Beziehungsringen aufwartet. Vor dem gemeinsamen Urlaub mit Partner oder Partnerin vielleicht nicht unbedingt empfehlenswert.