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Cheri

(Cheri, 2009)

Dt.Start: 27. August 2009 Premiere: 10. Februar 2009 (Berlinale, Deutschland)
FSK: ab 6 Genre: Drama
Länge: 95 min Land: UK
Darsteller: Michelle Pfeiffer (Lea de Lonval), Rupert Friend (Cheri), Kathy Bates (Madame Peloux), Felicity Jones (Edmee), Iben Hjejle (Marie Laure), Frances Tomelty (Rose), Tom Burke (Vicomte Desmond), Hubert Tellegen (Ernst)
Regie: Stephen Frears
Drehbuch: Christopher Hampton


Inhalt

Paris am Anfang des 20. Jahrhunderts: Madame Peloux gibt ihren Sohn mit dem Spitznamen Chéri der Kurtisane Léa, die aus ihm einen Mann formen soll. Doch der Junge interessiert sie und auch Chéri ist von der geistreichen und hübschen Frau fasziniert. Aus der Liaison, die eigentlich nur wenige Wochen dauern sollte, entwickelt sich eine sechs jährige Beziehung. Doch Madame Peloux hat andere Pläne für ihren Sohn und findet schließlich eine wohlhabende junge Frau, die eine gute Partie für ihren Sohn darstellen würde. Hinter dem Rücken von Chéri und Léa plant sie die Hochzeit.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Cheri hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 45%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Cheri hat eine Wertung von 45%
Über 20 Jahre ist es her, dass Starregisseur Stephen Frears, Hollywoodikone Michelle Pfeifer und Drehbuchautor Christopher Hampton für die Entstehung von Gefährliche Liebschaften zusammen arbeiteten. Für die filmische Umsetzung der weltweit erfolgreichen (halbautobiografischen) Romane der Autorin Colette aus den Jahren 1920 und 1926, Chéri und Chéris Ende kam das Trio nun wieder zusammen: Cheri entführt in die Zeit vor dem ersten Weltkrieg und zeichnet mit einem Augenzwinkern ein Lustportrait dieser Zeit. Trotz gewinnender Momente, Charme und Witz und guter schauspielersicher Leistungen, vermag aber der Film nicht wirklich rund zu unterhalten.

Bild aus Cheri Willkommen in der Belle Epoque: Rascher technischer und wirtschaftlicher Fortschritt bringen für viele materiellen Wohlstand, und auf den Boulevards der Metropolen geben sich das gehobene Bürgertum und der (Geld-)Adel der puren Lebenslust, dem Luxus und dem Laster hin. Eine bestimmte Kategorie Frauen profitiert von dieser Leichtlebigkeit: Edelkonkubinen und Luxusmätressen, deren "Metier" in dieser Periode eine gewisse Blüte erreicht. Frauen, die durch ihre Jugend, Schönheit und Sinnlichkeit von den Männern bekommen, was immer sie wollen. Es reicht einen alten, reichen Narren zu finden und ihm gehörig den Kopf zu verdrehen. Doch die Äußerlichkeiten, die für dieses Unterfangen so hilfreich sind, haben leider ein Verfallsdatum. Lea de Lonval (Michelle Pfeiffer) war solch eine Kurtisane und verdiente damit ein Vermögen. Nun hat sie sich zurückgezogen; vielleicht ist es besser aufzuhören, wenn es am Schönsten ist. Obwohl sie im Vergleich mit ihren ehemaligen Kolleginnen, immer noch wie eine Göttin aussieht.

Die Damen treffen sich gelegentlich auf ein Gläschen und plaudern halbsentimental über die alten Zeiten. Eines Tages ist bei einem der Treffen der Sohn der ehemaligen Kollegin und Rivalin Madame Peloux (Kathy Bates) zugegen. Lea kannte den jungen Mann, den alle nur "Chéri" (Rupert Friend) nennen, bereits als kleinen Jungen. Chéri bewundert die edle Schöne und flirtet mit ihr. Seine Mutter würde es gerne sehen, wenn ihr 19-jähriger Filou allmählich erwachsen würde. Sein Lebensstil ist durch und durch hedonistisch: Lusterfüllung rangiert in seinem Leben ganz weit oben. Persönliche Verantwortung übernimmt er keine, und ein Innenleben scheint der eitle Geck nicht zu besitzen.

Die gegenseitige Anziehungskraft zwischen Léa und Chéri kommt seiner Mutter gelegen: ihre ehemalige Berufsgenossin würde eine hervorragende Lehrmeisterin für ihren Sohn abgeben und nicht nur auf den sinnlichen Pfaden: Sie soll Chéri beim Erwachsenwerden behilflich sein; solange bis er reif genug für eine Ehe ist. Léa willigt ein, womit aber die schöne Kurtisane nicht gerechnet hat, ist, dass sie für Chéri echte Gefühle entwickelt und er sich immer mehr in sie vernarrt. Aus einer kurzen Zweckromanze werden sechs Jahre. Und plötzlich steht eine Hochzeit an, die Chéris Mutter arrangiert hat. Die beiden Verliebten müssen sich trennen, doch wie lange werden sie ohneeinander können?

Es mag durchaus glaubhaft sein, dass eine Frau weit in den Vierzigern, sich in die Vitalität und naive Leidenschaftlichkeit eines weniger als halb so alten verliebt. Auf der anderen Seite - wenn man nicht blind an die unsterbliche Liebe glauben möchte - sind die Motive anders gelagert: Wenn es nicht das Geld der reiferen Dame ist, dann womöglich das Gefühl sich in die Hände eines Menschen zu begeben, der erfahren, weltbewandert und kultiviert ist. Man kann eine Riesenportion Verantwortung abgeben und sich wundervoll "den Tag bereiten lassen". Bei einem völlig unreifen Menschen, der am liebsten der Lust frönt und obendrein die eigene Mutter etwas verabscheut, kommt da zusammen, was zusammen gehört. Ein klein wenig "ödipal" riecht das obendrein. Und damit ist im Wesentlichen das Wichtigste über die Kernmotive von Cheri gesagt: Zwei Menschen, die sich finden, eine etwas ältere Dame, die sich mit ihrem jungen Liebhaber wieder jung fühlen darf (vielleicht ist es ja doch die große schicksalhafte Liebe, aber hätte sie ihn auch beachtet, als sie selber 25 war und jeden Mann haben konnte?) und ein unreifer "Dorian Gray-Verschnitt", der sich (unterbewusst) wegen seiner verkorksten Beziehung zu seiner Mutter eine Geliebte wünscht, die beides für ihn sein kann.

War es Stephen Frears Ziel ein Portrait dieser dekadenten Zeit zu skizzieren, so reicht es nicht aus, das luxuriöse Leben der reich gewordenen ehemaligen Edelmätressen zu zeigen; was die Belle Epoque ausmacht, wird so nicht deutlich. Der große technologische Sprung dieser Zeit, die Blüte der Kunst und der Kultur, alles findet statt - aber nicht in Cheri. Auch wenn das nicht Ziel des Films und Thema der literarischen Vorlagen ist; in einem Portrait gehören diese Aspekte ins Bild. Und selbst wenn nur ein Sittenzeugnis der Zeit erstellt werden sollte, ist es zu wenig. Dazu reicht der lustvolle Reigen im Dunstkreis der Kurtisanen nicht aus. Wären nicht die feinen, teils bissigen Dialoge und eine besonders gut aufgelegte Kathy Bates, die als überdrehte, zynische Matrone immer wieder Akzente setzt, der Streifen würde in bunter Kostümfilmbilderpracht sanft vor sich hin dünsten.

Die Schauspieler trifft noch die allergeringste Schuld. Vielmehr trägt der erzählerische Inhalt nicht so weit, wie es nötig wäre. Zu Beginn hat Cheri noch Kraft und Charme. Mutet beinahe wie eine englische Satire an. Diese Energie reicht aber kaum eine halbe Stunde und danach plätschert der Film in sympathischer Leichtigkeit dahin, die aber wiederum nicht spritzig genug ist, über die eine oder andere Länge völlig hinwegzuhelfen. Die interessanteste Frage stellt sich eigentlich außerhalb des Films: Michele Pfeiffer spielt sich hier sicherlich ein wenig selber. Die Ikone der Traumfabrik sieht immer noch gut aus, aber die Tage, in denen sie damit allein bestechen konnte, neigen sich dem Ende entgegen. Nicht, dass Pfeiffer eine schlechte Schauspielerin wäre, aber es gibt in Hollywood nur wenig Frauen, die in gereiftem Alter noch hochkarätige Rollen bekommen. Man darf neugierig sein, ob ihr gelingen kann, was eine Meryl Streep geschafft hat.



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Dt. Start: 08. Nov 2007
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