|
Wir schreiben das Jahr 2000. Es ist Sommer. Die Luft ist trocken in kalifornischen LA. Jet Li's Frisur hält (kein Wunder). Die chinesische Kampfmaschine macht sich auf zu einem Treffen, einem Treffen mit Luc Besson, dem Macher von Leon - Der Profi und Das Fünfte Element. Die beiden verstehen sich auf Anhieb und beschießen bei einer Tasse grünen Tee: "Lass uns nen Film drehen." Per Handschlag wird der Deal besiegelt. Das einzige Problem: die Zeit. Jet Li muß am Ende des Jahres wieder zu Verfügung stehen und entsprecht straff ist der Zeitplan. In Windeseile wird ein Drehbuch aus den zusammengetragenen Ideen erstellt und mit Bridget Fonda und Tcheky Karyo werden noch ein paar brauchbare Mitglieder des Schauspielerfachs gecastet. Mit der Regie wurde Chris Nahon beauftragt, ein Greenhorn das bisher nur Videoclips und Werbesport in Szene gesetzt hatte. Somit waren alle Formalitäten erledigt und der Dreh konnte beginnen.
Das größte Problem von Kiss of the Dragon ist die äußerst seichte und teilweise ins Doofe abgleitende Story. Es gibt keinerlei unvorhersehbare Wendungen, die irgendeiner Form die Intelligenz des Publikums in Anspruch nehmen könnten. Großen Anteil an der Unglaubwürdigkeit des Films hat vor allem die Person des Bösewichts Richard. Er ist eigentlich der Polizeichef von Paris, führt sich aber auf wie der oberste Gangsterboss und scharrt eine Truppe von üblen Gesellen um sich. Wenn er nicht ab und zu mit seiner Dienstmarke wedeln würde, käme man nie auf die Idee, dass dieser Mann Polizist ist. Der ganze Film strotzt vor undurchdachten Handlungselementen, die nur darauf abzielen Hauptdarsteller Jet Li möglichst schnell von Kampf zum Kampf zu transportieren. Wie zum Beispiel beim tugendhaften Sturm des Polizeihauptquartiers, bei dem er mitten im Präsidium in eine Kampfsporthalle läuft und die anwesenden 30 Kämpfer blitzschnell abfertigt. Nachdem die Story ein Totalausfall ist, ist nur noch die Action und im speziellen die Martial-Arts Kämpfe im Stande den Film zu retten.
Jaja, die gute alte Action... Mit Wushu Meister Jet Li und dem Kampfsport-Experten Cory Yuen, der schon bei Romeo must Die mit von der Partie war, hatte man eigentlich das Beste, was momentan in Hollywood so durch die Gegend läuft. Im Gegensatz zu ihrer letzten Zusammenarbeit in Romeo must Die verwendeten sie bei dieser Produktion kaum Special Effects und setzten auf den Realismus der Kämpfe. Jet Li begnügte sich bei Kiss of the Dragon mit guten alten Kampfrequisiten wie Wischmob, Bügeleisen, Kleiderständer oder einem Paar Essstäbchen. Die bleihaltigen Actionsequenzen wurden wurde teilweise äußerst brutal inszeniert und endete meist in einem sinnlosen Kugelhagel. Mir persönlich kam es schon ein bisserl spanisch vor, dass die Polizei nach Herzenslust rumballert und einfach auch mal ein paar Zivilisten über den Haufen schießt. Aber wer weis schon, wie es in Frankreich wirklich zugeht.
Regiedebütant Chris Nahon schlug sich bei seinem ersten Film gut und ließ in seiner bodenständige Inszenierung das ein oder andere visuelle Schmankerl einfließen. Doch letztlich können seine Bilder nicht über die bodenlose Story hinwegtäuschen. Die Actionsequenzen waren äußerst brachial und knochenbrecherisch und werden bei der Zielgruppe, die den Film genaugenommen gar nicht sehen dürfte, einige "Übel" oder "Boa krass" Ausrufe auslösen. Wenn Jet Li in dem Film nicht die Hauptrolle spielen würde, dann hätten wir wahrscheinlich zur Videothek fahren müssen, um uns Kiss of the Dragon zu Gemüte zu führen. Damit ist nicht gemeint, daß der quirlige Chinese hier besonders toll spielt oder neue Martial-Arts Zuckerl präsentiert, er ist momentan einfach nur angesagt. |