Ein junger Mann verliebt sich in seine neue Nachbarin und versucht ihr näher zu kommen. An sich nichts Besonderes. Doch in diesem Fall handelt es sich nicht um einen gewöhnlichen jungen Mann. Es handelt sich um Adam, der an einer autistischen Störung namens Asperger-Syndrom leidet. Wie sehr dieser kleine Unterschied stören, aber im gleichen Moment auch so unglaublich liebenswert und besonders sein kann, zeigt die romantische Komödie von Max Mayer, die zum Lachen, aber auch zum Weinen und Nachdenken anregt.
Hört man das Wort "Autismus", so denkt man meist an Kinder, die verschlossen sind, womöglich nur vor und zurück wippen und sich dabei komplett und unerreichbar in ihrer eigenen kleinen Welt aufhalten und niemals herauskommen. Doch es gibt noch ein viel weiteres Spektrum dieser Entwicklungsstörung. Eine Form davon nennt sich Asperger-Syndrom. Dabei sind die Betroffenen in allen Aspekten normal entwickelt, können Sprechen und sind meist sogar in bestimmten Gebieten besonders begabt. Allerdings haben sie Schwierigkeiten im Umgang mit Menschen, stellen sich ungeschickt im sozialen Umfeld an und sind meist Einzelgänger.
So stellt sich auch Adam dar. Bis vor kurzem hat er gemeinsam mit seinem Vater in einer Wohnung gelebt. Nun da dieser gestorben ist, bewohnt er die Eigentumswohnung allein. Vorher noch nie auf sich alleine gestellt, bestreitet er seinen Alltag streng pragmatisch. Er isst Fertiggerichte, geht zur Arbeit, wo er an einem Sprachchip für eine Spielzeugpuppe arbeitet und deutlich über das Ziel hinausschießt, und beobachtet gerne und häufig den nächtlichen Sternenhimmel. Eines Tages begegnet ihm seine neue Nachbarin Beth. Die offene junge Frau überrumpelt den armen Adam direkt, aber so lernen sie sich zumindest kennen. Beth ist gerade erst frisch von ihrem Freund, der sie am laufenden Band betrogen hat, getrennt und ist froh über einen Kontakt im neuen Zuhause. Als sie nach einem nächtlichen Spaziergang im Park, wo Adam ihr die Waschbären gezeigt hat, die er oft beobachtet, zurück kommen, erzählt er ihr von seiner Krankheit. Zunächst verstört beschäftigt sich die junge Lehrerin und Kinderbuchautorin intensiver mit dem Asperger-Syndrom und versucht zu helfen. Doch auch sich selbst, denn wie sie feststellen muss, hat sie sich in Adam verknallt. Der Auftakt für eine Beziehung der etwas anderen Art.
Filme, in denen Menschen mit einer gewissen Behinderung eine Rolle spielen sind meist schwierig umzusetzen. Auf der einen Seite möchte man sie nicht lächerlich machen, auf der anderen Seite kann man auch nicht alles todernst betrachten. Hierbei findet Regisseur Max Mayer einen guten Mittelweg. Es gibt nicht wenige Momente, in denen man lachen muss, wenn Adam beispielsweise im Raumfahreranzug vor Beths Fenstern hängt, um sie zu putzen, oder wenn er anstatt einen einfachen Sprachchip für ein Kinderspielzeug zu entwickeln, einen Chip mit Spracherkennung baut, der verschiedenste Stimmen der Menschen in seinem Büro unterscheiden kann und sie namentlich begrüßt. Dies sind alles Dinge, die zwar im einen Moment lustig weil seltsam sind, aber im nächsten auch rührend und liebenswürdig und einen nachdenklich stimmen. Man hat kein Mitleid mit Adam, denn er schlägt sich durchs Leben so gut er kann, man ist eher ergriffen von den kindlichen und teils unbeholfenen Aktionen, die ihn so auszeichnen.
Zu dieser emotionalen Ebene trägt vor allem das Schauspiel von Hugh Dancy sehr viel bei. Er mimt den Adam mit wahrer Überzeugungskraft und Nachvollziehbarkeit. Dadurch kann er den Zuschauer mitreißen und sorgt dafür, dass man bis zum Schluss zu ihm hält und ihm nur das Beste auf seinem Weg wünscht. Doch auch sein Gegenpart Beth, gespielt von Rose Byrne, ist in jeder Sekunde nachvollziehbar und authentisch. So kann man es ihr nicht einmal verübeln, wenn sie den "armen" Adam zurückweist oder ihren Schlussstrich zieht. Eine solch angenehme und unübertriebene Inszenierung findet man gerade bei Romanzen eher selten.
Einen weiteren großen Pluspunkt des Filmes stellt das Ende dar. Es soll nicht zu viel verraten werden, daher bleibt nur zu sagen, dass man auch ohne zu viel Kitsch und Klischee einen unheimlich berührenden, ergreifenden und auch zufriedenstellenden Ausgang finden kann. Manchmal ist eben weniger mehr und gerade in derartigen Filmen bedarf es überhaupt keiner großer Übertreibungen oder unrealistischer Inszenierungen, um große Gefühle zu wecken. Taschentuch-Kino vom allerfeinsten.