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Mit seinem Regiedebüt gelang Neill Blomkamp anspruchsvolles Blockbusterkino. Während seine Geschichte genug diskussionswürdigen Stoff für mehrere Filme hergibt, weiß sein Werk auch optisch zu überzeugen. So gefällt die bedrückende Atmosphäre des Filmes und trotz deutlich niedrigerem Budget braucht sich der Film in Sachen Effekte zu keinem Zeitpunkt vor den ganz Großen zu verstecken - inhaltlich übertrifft er sie gar um Längen.
Wie kreiert man schon vor dem Kinostart einen Hype, der dermaßen neugierig macht, dass die Massen ohne großes Vorwissen in der Startwoche die Kinosäle stürmen? Vorgemacht hat das dieses Jahr schon Hangover, dem ein aberwitziger Trailer genügte, um schon vor dem Start einen gewissen Kultstatus zu erreichen. Der Hype von District 9 ist jedoch eher mit dem von Cloverfield zu vergleichen. Beide Produktionen setzten im Vorfeld auf virales Marketing (so wurden beispielsweise in einem Fall MySpace-Profile der Filmcharaktere angelegt, während im anderen Fall in einer Nacht- und Nebelaktion diverse Großstädte in den USA mit Warnhinweisen für Außerirdische versehen, die ihnen untersagten, das jeweilige Gebiet zu betreten) und haben einen prominenten Namen als Produzenten im Hintergrund stehen; in diesem Fall den Regisseur der Herr der Ringe-Trilogie Peter Jackson. Dies hat sich ausgezahlt, da besagter Hype schon in der Startwoche in Amerika zu einem der Überraschungsblockbuster des Jahres verhalf. Die Frage lautete jedoch, ob der Film auch qualitativ überzeugen kann?
Johannesburg vor 20 Jahren: Der erste Kontakt mit Außerirdischen ist erfolgt und dabei anders verlaufen, als es die meisten Filme prophezeit haben. Aufgrund technischer Probleme strandet eine ganze Kolonie Außerirdischer (knapp 2 Millionen) auf der Erde. Während man sich zunächst noch über deren Ankunft begeisterte, hat man sich doch technologischen Fortschritt erhofft, ist die außerirdische Rasse nur noch ein Störfaktor in der heutigen Zeit. Grund dafür ist zum einen der Frust, die fortgeschrittene Technik nicht nutzen zu können (sie ist durch einen biomechanischen Schlüssel für Menschen nicht zu bedienen), zum anderen auch die unterschiedliche Herkunft der Rassen, die immer wieder für Probleme sorgt. Da der Hass auf die Besucher immer größere Dimensionen annimmt und sich die Außerirdischen in den letzten 20 Jahren deutlich vermehrt haben, bietet das kleine Landstück, in dem sie unter katastrophalen Bedingungen hausen müssen (genannt District 9) nicht mehr genügend Platz für die gesamte Bevölkerung. Daher hat sich das MNU (eine speziell für die Angelegenheiten mit Außerirdischen eingerichtete Behörde) dazu entschlossen, die komplette Rasse in ein abgelegenes Gebiet umzusiedeln. Dabei stoßen sie jedoch auf massive Gegenwehr, will der Großteil der Außerirdischen doch einfach nur in Ruhe gelassen werden oder generell nur zu ihrem Heimatplaneten zurückkehren.
Die Entstehung der Geschichte liest sich wie ein kleines Märchen. Werbe- und Kurzfilmer Neill Blomkamp schuf im Jahre 2005 den knapp sechsminütigen Kurzfilm Alive in Joburg in dem er oben genannte Ankunft der Außerirdischen beschrieb und sich den daraus resultierenden Problemen widmete. Dies ist ihm optisch so eindrucksvoll gelungen, dass ihn der von dem Kurzfilm begeisterte Regisseur Peter Jackson beauftragte, eine Spielfilmversion von Alive in Joburg zu inszenieren. District 9 ist dabei zu Beginn fast eine Art Remake des Kurzfilmes und beleuchtet nochmal kurz die Geschehnisse der Vergangenheit, um dann ein neues Kapitel aufzuschlagen. Dabei fallen vor allen Dingen die Parallelen zur Apartheitpolitik in Südafrika auf, die Blomkamp überhaupt erst zu dem Drehbuch inspirierte. Er beschönigt nichts, sondern zeigt explizit, zu welch radikalen Mitteln die Menschheit fähig ist. Generell gibt die Geschichte von District 9 mehr her als nahezu jeder Blockbuster der letzten Zeit, da es der Drehbuchschreiber verstand, nicht nur in gut und böse zu kategorisieren, sondern auch die äußeren Umstände für das jeweilige Verhalten zu berücksichtigen. Daher gefällt die, abgesehen von einigen unumgänglichen Stereotypen, durch die Bank gelungene Entwicklung der Charaktere. Geschickt gelang ihm auch das Kapitel Freundschaft, Kollegialität und Vertrauen, sowie deren Folgen in die Geschichte einzubinden, die gerade im Finale und zum Ende hin eine der größten Stärken des Drehbuchs sind. Damit überlässt er es dem Zuschauer (vorerst) noch selbst, sich eine Meinung zu den Charakteren zu bilden und kann somit für genügend Gesprächsstoff nach Sichtung des Filmes sorgen.
Dass Neill Blomkamp für sein Langfilmdebüt gerade mal 30 Millionen Dollar zur Verfügung hatte, kann der Zuschauer nach Sichtung des Filmes eigentlich kaum glauben, steckt er optisch doch nahezu jede millionenschwere Blockbusterproduktion wie Transformers locker in die Tasche. Dabei wird zu Beginn noch auf eine äußerst schlichte Inszenierung gesetzt, die fast schon einer Reportage gleicht, um den Zuschauer in die Geschichte einzuführen. So begleitet dieser zunächst ein Team, das beauftragt wurde, den Außerirdischen ihre Evakuierung mitzuteilen, und schildert so gleichzeitig die verachtungswürdige Situation im District 9. Spätestens jedoch wenn es mit dem Haupthandlungsstrang voran geht, bekommt der Zuschauer eindrucksvolle Hochglanzbilder geliefert. Des Weiteren wirkt der titelgebende Ort unglaublich real, was die Geschehnisse auf der Leinwand umso bedrückender macht. Doch auch die zum Ende hin immer actionreichere Inszenierung, die man fast schon als eine Mischung aus Terminator und Transformers bezeichnen könnte, weiß aufgrund ihrer Choreografie und ihrer tollen Effekte zu überzeugen. Ein weiterer Pluspunkt ist natürlich das Design der Außerirdischen, die, trotz ihrer teilweise frappierenden Ähnlichkeit mit Dr. Zoidberg aus Futurama, erschreckend real auf den Zuschauer wirken, was noch verstärkt wird, da diese ihre eigene Sprache haben und zum Glück entgegen dem Mainstream nicht eingedeutscht wurden.
Ebenfalls für eine so große Produktion ist unüblich dass sich nicht eine bekannte Person in der Darstellerriege findet, sondern das Cast komplett mit unverbrauchten Gesichtern besetzt wurde. Noch nicht einmal Hauptdarsteller Sharlto Copley war zuvor, außerhalb des Vorgängerkurzfilms Alive in Joburg, in irgendeiner Weise schauspielerisch vor der Kamera aktiv und dennoch macht er seine Sache hervorragend! Sein intensives Spiel weiß in nahezu jeder Szene zu gefallen und so gelingt es ihm auch ohne Mühe den schweren Wandel vom Weichei zum Helden darzustellen. Obwohl kein wirklicher Darsteller, muss an dieser Stelle auch noch der Charakter des Christopher erwähnt bleiben, einem Alien, das direkt aus dem Computer entstand und gleichzeitig zweiter Hauptdarsteller des Filmes ist. Diese Figur ist so gut getroffen, dass sie sogar dem Vergleich mit Gollum aus der Herr der Ringe-Trilogie stand halten kann.
Nach so viel Lob in allen aufgeführten Bereichen kann man glasklar sagen, dass der im Vorfeld generierte Hype auf jeden Fall gerechtfertigt war. Trotz des etwas ausufernden (wenn auch ziemlich perfekt inszenierten) actionreichen Finales, das nicht unbedingt zum bis dahin düsteren und zynischen Stil des Filmes passen will, ist District 9 eine uneingeschränkte Empfehlung für jeden, der nach The Dark Knight endlich wieder einen anspruchsvollen Blockbuster auf der Leinwand sehen möchte. Jedoch sollte man vorgewarnt werden, dass der Film alles andere als ein Actionfeuerwerk ist, sondern sich ebenso die nötige Zeit für seine Charaktere und die Entwicklung der Geschichte nimmt. Wer dies mit sich vereinbaren kann, der dürfte nicht umher kommen, ein Ticket für den Überraschungsblockbuster des Jahres zu lösen. |