Was für ein frischer Wind im Genre der Horror-Splatter-Comedies! Die Produktionsschmiede Fake Wood Wallpapers serviert mit Blood Car einen mit viel Ironie und Sarkasmus gespickten low-budget Film, welcher es schafft, mit einfachsten Mitteln bestens zu unterhalten. Die Geschichte um einen Vegetarier, der zufällig ein mit Blut betriebenes Auto erfindet, verteilt genüsslich mehrere Seitenhiebe in Richtung Politik und Wirtschaft, ohne sich dabei aber zu ernst zu nehmen. Wen billigste Kulissen und ein paar Absurditäten nicht abschrecken können, ist hier mit großer Wahrscheinlichkeit nicht schlecht aufgehoben.
Dieser spezielle Film von Regisseur Alex Orr (sein einziges weiteres Werk ist ein Kurzfilm, welcher auf den interessanten Namen The Last Last and the Tribulations of Johnnybush hört und ebenfalls auf der kürzlich erschienen DVD enthalten ist) wurde eindeutig mit sehr wenig Budget, dafür aber mit umso mehr Tatendrang realisiert. Dies trägt sehr stark dazu bei, dass man dem Werk vieles verzeiht, denn schliesslich wird man mit viel schwarzem Humor, Sarkasmus und Ironie entschädigt. Somit drückt man immer wieder gerne mal ein Auge zu, wenn die Kulissen oder darstellerischen Leistungen nicht richtig überzeugend sind. Andererseits - und dies ist durchaus positiv gemeint - sind sich die Macher dieser Umstände eindeutig sehr bewusst und machen sich einen Spass daraus, auf ihnen herumzureiten.
Grundschullehrer und überzeugter Vegetarier Archie Andrews lebt in einer Welt in der nahen Zukunft (genauer gesagt: 2 Wochen nach dem jetzt). Die Benzinpreise sind inzwischen in astronomische Höhen gestiegen, und einen 50-Liter-Tank zu füllen kostet rund 400 US Dollar! Archie - ganz der engagierte Weltverbesserer - versucht in dieser schweren Zeit in seiner kleinen Wohnung einen Motor zu bauen, welcher mit Weizengras läuft. Allerdings funktioniert dies nicht, bis eines Tages durch einen Zufall ein Tropfen Blut in den Motor gerät. Plötzlich läuft die Maschine rund, und der Erfinder freut sich zunächst ein Loch in den Bauch. Diese Freude währt allerdings nur kurz, denn nachdem er den Motor in ein Auto eingebaut hat, muss Archie feststellen dass sein Fahrzeug ausschliesslich mit Blut betankt werden will. Somit wird unser Held in der Folge mit diversen Gewissensbissen konfrontiert, welche allerdings allesamt überwunden werden, um als einziger Autofahrer die Herzen der Frauenwelt zu erobern. Wären da nur nicht die Regierungs-Agenten, welche sich Archies neuartige Technik nur allzu gerne unter den Nagel reissen würden...
Die Darsteller in Blood Car sind ein durchmischtes Volk, welches teilweise überzeugt, teilweise eher weniger. Inmitten dieser unbekannten Damen und Herren befindet sich im Übrigen ein Name, welcher nicht wirklich unbekannt ist: Anna Chlumsky, welche den großen Durchbruch nach My Girl 1 & 2 aus irgendeinem Grund nicht geschafft hat. Hier gehört sie (als Verkäuferin von vegetarischen Waren namens Lorraine) neben Katie Rowlett (als nymphomanisch veranlagte Fleischwarenfachverkäuferin Denise) zu den überzeugendsten Beteiligten. Auf der negativen Seite fällt dabei Archie-Darsteller Mike Brune auf, wobei seine überzogene und weinerliche Art hier im Grunde ganz gut zum Kontext passt und deswegen nicht als negativ betrachtet werden muss.
Effekte gibt es nur wenige (vieles passiert im Off), und wenn mangels Geld ein Vegetarier-, sowie ein Fleisch-Laden jeweils lediglich aus einer sehr kleinen Holzbude bestehen, welche sich auf einem ansonsten leeren Marktplatz genau gegenüber stehen, wird einfach so getan, als sei dies das Normalste der Welt. Doch auch wenn sie nur sporadisch vorkommen, so sind die vorhandenen Splatter-Einlagen durchaus solide realisiert worden. Am meisten Kritikpunkte gibt es bei Blood Car in Sachen Kamera und Schnitt, denn teilweise wird über längere Zeit ein sehr suboptimaler Bildausschnitt gewählt und viele Schnitte wirken vollkommen deplaziert. Hat man sich aber einmal an diese suboptimale Inszenierung gewöhnt, stört dies kaum noch und man kann sich dem herrlich schwarzen Humor voll und ganz hingeben!
Ein Teil der Gags wirkt zwar etwas verkrampft, aber es gibt auf der anderen Seite der Medaille dermaßen viele - schon fast geniale - Ideen, dass man auch dies nicht zu stark gewichten kann. Herrlich ist zum Beispiel eine Szene, in welcher Archie zum ersten mal in der Nachbarschaft auf Benzinjagd geht und dabei den soeben erlegten Tieren mit brechender Stimme verkündet, dass er sie nicht essen sondern als Benzin verwenden will (was das Töten von Lebewesen ja sicherlich eher rechtfertigt, als eine reine Nahrungsbeschaffung). Dazu kommt ein klar vorhandener, satirischer Ansatz, welcher Politiker und Ölindustrie gleichermassen angiftet. Abgerundet wird das Ganze dann noch mit diversen Splatstick-Einlagen, und fertig ist ein bitterböser aber dennoch sehr gelungener Spass für aufgeschlossene Filmfans.
Wer schon bei Freak Out seinen Spass hatte, sollte sich unbedingt auch mal Blood Car ansehen! Auch wenn die beiden Filme inhaltlich herzlich wenig miteinander zu tun haben, so haben sie doch einen ähnlichen Charme und konnten wohl auch auf vergleichbare Budgets zurückgreifen. Aber auch alle anderen Genrefans sollten bei dieser kleinen, mit einem ganz gemeinen Schluss ausgestatteten, Perle des Independent-Filmes einen Blick riskieren und einfach mal mit dem Blood Car eine Runde um die Häuser drehen. Viel Spass!