Modejournalist Brüno fliegt bei seinem heimatlichen Arbeitgeber raus und beschließt, in die USA zu gehen und dort noch viel berühmter zu werden. Ein Kamerateam begleitet Brüno und seinen treuen Assistenten Lutz, und hält die Versuche des Österreichers fest, seinen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Natürlich ist Brüno genauso erfunden und vogelwild wie schon Borat, doch das Prinzip funktioniert auch ein zweites Mal, und so ist Unterhaltung im Kino garantiert.
Brüno, Moderator der laut eigener Aussage hippsten Modesendung im deutschsprachigen Raum außerhalb Deutschlands, fliegt raus. Seine Sendung im österreichischen Fernsehen wird gekippt, auch seine Karriere als Modereporter ist trotz eigener Kreation beendet und der einst so stolze, ostentativ schwule Egozentriker versinkt in Selbstzweifeln. Doch nicht für lange: Brüno ist einfach zu groß für Österreich, also macht er's wie Arnold und geht nach Amerika. Begleitet wird Brüno dabei nur von Lutz, einem ehemaligen Assistenten, der fest an Brünos Fähigkeiten glaubt, und von einem Kamerateam, das Brünos Einschlag in der amerikanischen Medienszene festhält.
Natürlich klappt das alles nicht so, wie es soll mit der raketenhaften Karriere in Amerika: Das Testpublikum von Brünos neuer Show steht kurz davor, ihn zu lynchen, die Interviewpartner sind entweder nicht prominent genug oder, wie zum Beispiel Harrison Ford, nicht kooperativ genug. Also versucht Brüno, die Ursachen für sein Scheitern in Amerika herauszubekommen und gezielt zu bekämpfen. So wird kurzerhand ein afrikanisches Baby adoptiert, Friede im Nahen Osten gestiftet und ein Leben als Hetero probiert, um endlich den heißersehnten Durchbruch zu schaffen.
Nach Sacha Baron Cohens durchschlagendem Erfolg mit Borat erregte die Ankündigung, dieselbe Taktik mit einem neuen Thema noch mal zu versuchen, einiges Stirnrunzeln. Wie könnte eine Nation, die auf Cohen als kasachischen Reporter dermaßen hereingefallen ist, und dessen Opfer noch heute um Wiedergutmachung und gegen die einstige Bloßstellung kämpfen, so einem Trick je wieder zum Opfer fallen? Noch dazu, wenn derselbe Sacha Baron Cohen wieder mit einem Kamerateam auftaucht? Man möchte es nicht für möglich halten, doch offenbar geht das sehr wohl.
Zwar ist Brüno nicht ganz so lustig wie einst Borat, doch das liegt am ehesten daran, dass das Überraschungsmoment in dieser Quasi-Fortsetzung beim Publikum nicht mehr vorhanden ist. Die Opfer von Brüno dahingegen sind genauso konsterniert wie dereinst die Opfer von Borat. Dieses Mal wird jedoch nicht Fremdenhass und Bigotterie bloßgestellt, sondern Vorurteile gegenüber Homosexuellen und die Eitelkeit der Stars und Möchtegern-Stars. In Deutschland hat Bully Herbig ja schon einiges an Vorarbeit geleistet, was die Verbreitung von tuckigen Verhaltensweisen in den Medien angeht, daher dürfte Brüno hier nicht so überraschend ankommen wie bei prüderem Publikum.
Definitiv ist Brüno allein schon wegen der Szenen im Nahen Osten "wärmstens" zu empfehlen, hier konnte definitiv nichts gestellt werden und Sacha Baron Cohen darf sich (samt Team) glücklich schätzen, noch unter den Lebenden zu weilen. Vor dem überraschenden Tod von Michael Jackson beinhaltete der Film eine Szene, in der sich Brüno LaToya Jacksons Handy erschleicht, um die Nummer ihres berühmten Bruders herauszufinden. Zur US-Premiere am Abend des 25. Juni 2009, dem Todestag Michael Jacksons, wurde diese Szene kurzfristig aus dem Film entfernt. Ob sie in späteren Versionen wieder enthalten sein wird, ist offen. Nichtsdestotrotz garantiert Brüno nicht wenige Brüller und einen rundum gelungenen Kinoabend mit dem verhältnismäßig jungen Genre der Mockumentaries.