Adam Sandler ist niemand, den man bei einem Melodram vermuten würde. Mit Wie das Leben so spielt begibt sich der Komiker, der zu der Topgarde der Hollywood-Clowns gehört, in schauspielerische Untiefen, die weitaus mehr abverlangen, als Zoten zu reißen und Schenkelklopfer-Slapstick zu produzieren. Die Geschichte eines sterbenskranken Comedy-Stars auf seinem letzen Gang, hätte Potenzial für ein schonungslos entblößendes makaber-komisches Drama. Dank einer lahmen Inszenierung und einen Drehbuch, das sich nicht traute, das zu werden, was es hätte sein können, versumpft aber alles im Mittelmaß.
Es ist der kritische Blick hinein und hinter die Maskerade des Clowns, der ewig lächelt, auch wenn ihm eigentlich zum Weinen zumute ist. Komödienmacher, Produzent und Drehbuchautor Judd Apatow, der mit Filmen wie Jungfrau (40), männlich, sucht ..., Leg dich nicht mit Zohan an, Superbad und Nie wieder Sex mit der Ex auf der Erfolgsschiene fuhr, macht diesmal die Innenleben der Comedy-Stars zum Thema. Mit dabei zwei der aktuell erfolgreichsten Spaßvögel des amerikanischen Filmbusiness, mit denen er schon früher zusammenarbeitete: Adam Sandler und Seth Rogen. Ebenfalls mit von der Partie (wenn auch nur in einer Rolle mit bescheidenem Umfang), der auf Gutmenschcharaktere regelrecht abonnierte, Eric Bana, mit einer ebenso überraschenden wie brillanten "Arschlochperformance".
George Simmons (Adam Sandler) befindet sich augenblicklich auf dem Comedy-Olymp. Er kann sich vor Angeboten für Bühnenauftritte in den besten Häusern nicht retten, und seine Filme sind pure Geldmaschinen. Der private Spaß kommt in seinem luxuriösen Leben selbstverständlich auch nicht zu kurz: nach solchen Gruppies würden sich sogar die Rolling Stones die Finger lecken. George braucht für Sex nie anzustehen, ganz im Gegenteil: Die Frauen reißen sich regelrecht darum, mit ihm eine Nacht zu verbringen. Zu seinen Jüngern zählt aber nicht nur die holde Weiblichkeit, es hat sich eine regelrechte Nerd-Community entwickelt; allesamt (selbsternannte) Comedians, ganz unterschiedlicher Güte, die einen Fankult betreiben und ihm nacheifern.
Ira Wright (Seth Rogen) gehört in diese Kategorie, allerdings auch zu denen, die tatsächlich etwas auf dem Kasten haben. Ira und George lernen sich kennen, als letzterer eines Tages in einem Club eine sehr düstere - für ihn atypische - Improvisations-Standup-Nummer zum Besten gibt. George hatte kurz zuvor erfahren, dass er an einer tödlich verlaufenden Form der Leukämie erkrankt ist und lässt in diesem Augenblick zu, dass ihn seine innere Verfassung übermannt. Warum aber in der Folge Ira von George als Assistent und Gag-Schreiber engagiert wird, entschlüsselt sich nicht völlig. Gutherzigkeit war es nicht ohne weiteres. Vielleicht ist es die Angst alleine zu sein - gar alleine zu sterben - die ihn dazu treibt, vielleicht glaubt er, dass sich sein Zustand soweit verschlimmern könnte, dass es gut wäre jemanden um sich zu haben, der das eine oder andere für ihn regelt. Mag sein, dass er plötzlich der Meinung ist, er müsse etwas von sich weitergeben, bevor es zu spät ist.
Schon ließe sich hoffen, dass hier ein ehrlicher und ungeschminkter Blick hinter die Klamaukkulissen geworfen wird. Eine entlarvende Tour rund um diesen Ausverkauf von Seele, bei dem alles persönliche Empfinden dem Gag und dem Augenblick des Auftritts untergeordnet wird. Eine Tour, die letztendlich in dem bitteren und schmerzvollen letzten Gang eines Clowns mündet. Für das amerikanische Publikum mag dies sogar ansatzweise zutreffen; den Geschmäckern in Übersee war der Film aber eindeutig zu düster und es erging ihm ähnlich wie Shopping-Center King. Das Publikum dort hätte sich vom Trio Apatow-Sandler-Rogen vermutlich etwas bekömmlichere Spaßberieselung gewünscht. Wie das Leben so spielt ist aber dennoch bei weitem nicht so ein tiefgründiges Melodram, wie die erste Dreiviertelstunde glauben machen will.
Bestenfalls bewegt sich die Handlung in etwas absonderlichen Tragikkomödien-Pfaden. Und ihre besondere Stärke scheint, verpackt in skurrilem Witz, das Leben der Erfolgreichen aufs Korn zu nehmen und auch die "Niederen", die ihren Idolen willfährig nacheifern, zu karikieren. In Ansätzen erreicht Sandlers Leistung dabei sogar durchaus das Niveau der Selbstreflektion eines Komikers, der einen Komiker spielt. Eine eindeutige Aussage über das Maß der Eigenentblößung aber, ohne Sandlers Innenleben zu kennen, wäre nichts als pure Spekulation. Sicher ist, dass Sandler nicht Sterbens krank ist und sein Leben dürfte wohl auch nicht so verhärmt und emotional verkümmert sein, wie das der Filmfigur.
Damit ist das hier keine Abrechnung mit dem eigenen Leben, wie es kürzlich Mickey Rourke in The Wrestler eindrucksvoll zeigte. Und die tragischen Einlagen verkommen somit zur kummervollen Abgesangsshow ohne dramaturgische Zuspitzung. Ganz selten sind die Augenblicke, welche den Comedian als Applaussüchtigen zeichnen, der einfach nicht anders kann, als auf die Bühne zu gehen und sich zu produzieren; selbst wenn anschließend der körperliche Kollaps folgt. Und so traurig wie es scheint, wird es lange nicht: es ist nicht zuviel verraten, zu sagen, dass die tödliche Krankheit mittels einer Wunderkur überwunden wird. Den Sinn dieser Wendung zu beurteilen, sei dabei jedem selbst überlassen. Viel schlimmer, dass der Film nun wieder ein anderes loses Ende aufgreift: der ehemals oberflächlich, vergnügungssüchtigen Arroganzling, jetzt irgendwie durch die Krankheit geläutert, erkennt seine innere Leere und bemüht sich plötzlich seine große Liebe, die ihn vor etlichen Jahren verlassen hat, wieder zurück zu bekommen.
So überflüssig und holprig diese Wendung ist, so wunderbar gibt sie Eric Bana die Gelegenheit endlich mal in die Haut einer zugrunde unsympathischen und selbstverliebten Figur zu schlüpfen (als Lebensgefährte von Georg's Ex). Schauspielerisch ist das der Auftritt des Films. Insgesamt hat Wie das Leben so spielt einen seltsamen Takt: Die Handlung wirkt ohne klare Linie, es wimmelt vor möglichen Richtungen, die einzuschlagen möglich wären. Lose Fäden ohne Ende, die eine Rolle spielen könnten und alles in 140 Minuten, die locker um eine halbe Stunde hätten gestraft werden können. Der Film ist wie ein immerwährendes Anlaufnehmen ohne in Fahrt zu geraten. Das strapaziert die Geduld, und die gelungenen Dialoge und gelegentlichen knallig-derben Spaßpointen vermögen das Ganze kaum auf ein überdurchschnittliches Niveau zu heben. Wenn überhaupt, wohl eher was für einen ereignislosen DVD-Abend.