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Mit der Verfilmung des Bestsellers Die Päpstin nahm sich Regisseur Sönke Wortmann keines leichten Stoffes an. Trotz des umfangreichen Ausgangsmaterials gelang es ihm jedoch, ein opulent ausgestattetes Drama zu inszenieren, bei dem Johanna Wokalek in der Hauptrolle überzeugen kann. Die Geschichte über eine Frauenfigur, die durch Kraft und Stärke in einer durch Männer dominierten Welt ihren Weg findet, wird bei den Kennern des Romans viel Anklang finden.
Eigentlich hatte sich Volker Schlöndorff die Rechte an dem Bestseller gesichert und wollte ihn mit Franka Potente in der Hauptrolle umsetzen. Dann überwarf er sich jedoch mit der Constantin und das Projekt fiel letztlich in die Hände von Sönke Wortmann. Der suchte sich Johanna Wokalek für seine Päpstin aus, hielt aber z.B. auch an John Goodman als Besetzung für die Papstrolle fest.
Die Geschichte der Johanna von Ingelheim basiert auf dem gleichnamigen Roman und Bestseller von Donna Woolfolk Cross und erzählt eine der umstrittensten Geschichten der Historie. Seit mehr als 700 Jahren hält sich die Legende um einen weiblichen Papst in der Kirchengeschichte bereits aufrecht. Zwischen 855 und 858 soll angeblich eine Frau den Heiligen Thron bestiegen haben. Wortmann teilt seine Adaption für die Leinwand in drei Abschnitte ein:
Im Ersten widmet er sich ausführlich der Kindheit und Jugend des Mädchens Johanna, die in Ingelheim am Rhein als Tochter eines Priesters aufwächst. Das intelligente Mädchen lernt gegen den Willen des Vaters Lesen und Schreiben. Trotz des Widerstands durch den Vater gelingt es ihr, an der Domschule aufgenommen zu werden, ein Privileg, das sonst nur Jungen haben. Sie wächst in der Obhut des Ritters Gerold auf, in den sie sich zugleich verliebt. Schicksalsschläge folgen und der zweite Teil beginnt. Johannas Gelehrtheit und Heilkunst führen sie in ein Kloster, wo sie als Mann verkleidet ein hohes Ansehen genießt. Zu einer Flucht gezwungen, führen ihre Wege sie letztlich nach Rom und in die Dienste des Papstes Sergius. Der finale dritte Abschnitt und gleichzeitig der Kürzeste, zeigt Johannas Ernennung zum Oberhaupt der Kirche. Doch das Glück, das ihr wiederfährt, ist nur von kurzer Dauer, denn die Liebe zu Gerold wird ihr letztlich zum Verhängnis.
Die Handlung des Films ist kurz erzählt, erstreckt sich jedoch trotzdem auf 150 Minuten Länge. Wie bei Romanverfilmung meist üblich, ist die Vorlage bei weitem ausführlicher, zeichnet ein genaueres Bild der Figuren, lädt den Leser mehr dazu ein, Teil der damaligen Zeit zu sein. Doch auch Wortmann gelingt es, dank einer bemerkenswerten Ausstattung, eine achtbare Adaption der Literatur zu bieten. Mit viel Liebe zum Detail stellt er das Mittelalter nach, stellt den Dreck, die Armut und das geringe Ansehen gegenüber der Frauen eindringlich nach. Dem gegenüber steht der glänzende Prunk und Protz am Hofe des Papstes mit all seinen Intrigen und Neidern.
Der größte Trumpf des Films ist jedoch Johanna Wokalek, die bereits in ihren letzten beiden Filmen, Nordwand und Der Baader Meinhof Komplex, einen langanhaltenden Eindruck hinterlassen konnte. Eine bessere Darstellerin hätte für diese Rolle nicht gefunden werden können. Sie spielt ihre Rolle mit einer Intensität die es möglich macht, sowohl die Zartheit ihrer Figur, die Ängste, aber auch die Verkörperung des Mannes glaubhaft umsetzen. Ihr zur Seite steht John Goodman als Papst Sergius, dessen Auftritt vermutlich ungewollt für eine gewisse Erheiterung sorgt und David Wenham als Graf Gerold, der bereits in der Herr der Ringe-Trilogie sein Können beweisen konnte.
Kenner des Romans können mit der filmischen Umsetzung zufrieden sein. Aufgrund der Fülle des Stoffes ist es auch zu verzeihen, dass einige Stationen aus Johannas Leben zu lang oder vorhersehbar geraten sind. Hier und da hätten die Schwerpunkte der Erzählung andere Gewichtung finden sollen, insbesondere im dritten Abschnitt des Films, der deutlich zu kurz ausfällt. Alles in allem ist Die Päpstin jedoch eine gelungene Adaption, die auch Nichtkenner des Stoffes interessieren dürfte. |