Hallo allerseits, ich melde mich heute aus dem Glass House. Mein Name ist Thomas Straßer und ich darf sie bei unserem Rundgang durch dieses beeindruckende Anwesen begleiten. Zunächst ein paar generelle Informationen zur Lage dieses High-Tech-Baus aus Beton, Glas und Stahl: Es liegt entlegen an der Küste Malibus, bietet einen atemberaubenden Blick aus Meer und ist wegen seiner einsamen Lage für Sauereien aller Art bestens geeignet. Das Haus ist auf Grund der bevorzugten Benutzung des Baustoffes Glas sehr hellhörig und bietet kaum Platz für diskrete Gespräche. Auf Grund dessen wird von den Erbauern auch empfohlen den großzügig angelegten Pool nur tagsüber zu benutzt, um die Mitbewohner nicht um den wohlverdienten Schlaf zu bringen. Der Keller wird durch eine massive Stahltür vom Rest des Gebäudes getrennt und eignet sich hervorragend, um ungeliebte Gäste wegzusperren. Allerdings wurde diese Maßnahme von den Erbauern nicht bis ins letzte durchdacht, da das Kellerfenster nur durch ein lächerliches Drahtgeflecht geschützt wird.
Durch den futuristischen Baustiel wirkt das Glass House sehr steril und kalt. Vor allem Kinder fühlen sich dem Anwesen mit der Zeit unwohl. Ein ungeschriebenes Gesetz besagt, dass im Glass House nur Familien leben dürfen, die auch den Namen Glass tragen. Dadurch kann lästigen Verwechslungen vorgebeugt werden. Momentan residiert das Ehepaar Erin und Teddy Glass in dem Prunkbau und beherbergt die Kinder Ruby und Rhett Baker, deren Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen. Die Familie Glass war mit den Bakers gut befreundet und wurde durch das Testament zum Vormund der Kinder auserkoren. Zunächst verstehen sich die vier ganz gut, doch die Stimmung schlägt um, als Rudy die ein oder andere unangenehme Frage aufwirft.
Die Hauptrolle in The Glass House bekleidet Leelee Sobieski, die unter anderem bereits in einer TV Produktion von Jeanne d'Arc oder Eyes Wide Shut zu sehen war. Sie spielt die 16jährige Ruby, ein aufsässiges Gör, das sich nachts gern aus dem Haus schleicht, um auf Partys und mit den Freundinnen rumzuhängen. In der Rolle des Rhett dürfen wir Trevor Morgan bewundern, der zuletzt in Jurassic Park III durch die Wälder zog. Diane Lane spielt die Ärztin Erin Glass und strahlt nach außen hin Professionalität und Kälte aus. Erst im Laufe der Zeit erkennt der Zuschauer ihre Schwächen und ihre Zerbrechlichkeit. Last but not Least Terry Glass, gespielt vom schwedischen Schauspieler Stellan Skarsgard. Er ist der Herr im Haus und lässt alle Beteiligten spüren, dass er die Hosen anhat.
Obwohl sich die Kulisse des atemberaubenden Glass House bestens für einen spannenden Thriller eignen würde, versagt der Film. Das liegt zum einen an den Schauspielern, die bis auf Stellan Skarsgard alles andere als glänzen. Zum anderen am schlechten Drehbuch und an der mangelhaften Regie. Dem Drehbuch fehlen jegliche Schockmomente und vor allem des knifflige Rätsel, das den Zuschauer den ganzen Film lang beschäftigt. Spätestens bei der Hälfte des Films ist des Rätsels Lösung, sofern man hier von Rätsel sprechen kann, abzusehen. Der Film macht auch keinen großen Hehl daraus, dass er sich schon bei der Halbzeit vollends entblättert und würgt sich in der zweiten Hälfte durch eine 0815-Story ohne Höhepunkte. Manche Szenen, wie zum Beispiel die Standard-Beerdungsszene mit dem Verwandten, der nun auf einmal selbstlos seine Hilfe anbietet, obwohl er sich ewig nicht gemeldet hat, hätte man sich besser sparen sollen. Das größte Problem des Films ist allerdings die nicht aufkommende Spannung, die einerseits durch unglückliche Schnitte und anderseits wiederum durch das uninteressante Drehbuch verhindert wird. Bei den 106 Minuten The Glass House fühlt man sich wie in einer einsamen Geisterbahnfahrt ohne Geister.