Der erfahrene TV-Regisseur Bruce McDonald schuf einen optisch interessanten aber leider vollkommen ungenießbaren Film, der mit Sicherheit zu den anstrengendesten Machwerken überhaupt gehört. The Tracey Fragments setzt einen großen Fernseher und einen ausgeprägten Kunstsinn voraus, um auch nur im Ansatz interessant zu sein. Und selbst wenn man über beides verfügt, wollen sowohl die Story an sich, als auch der Storyverlauf einfach nicht recht überzeugen. Tracey Fragments bleibt schlussendlich ein interessantes, aber leider größtenteils missglücktes Experiment, das leider insgesamt einfach nicht funktioniert.
Bruce McDonald (Pontypool) wollte einen in jeder Hinsicht innovativen Film schaffen, der sich besonders durch seine ausgefallene Optik vom Einheitsbrei abhebt. Sich der Psyche einer verwirrten Teenagerin anzunehmen und sie durch ihre eigenen Gedanken irren zu lassen, ist ein Thema, das zuvor in dieser Form noch nicht aufgegriffen wurde. Um den verworrenen Seelenzustand und die innere Zerrissenheit der Protagonistin darzustellen, entschied man sich, den kompletten Film durch den gezielten Einsatz von Splitscreens optisch zu zerreisen. So ist Tracey Fragments der Kritikeralbtraum schlecht hin. Wie soll man einen Film bewerten, der einen absolut löblichen künstlerischen Ansatz verfolgt und diesen mit aller Konsequenz bis zur letzten Minute durch zieht und dazu eine sympathische Low-Budget-Produktion mit einer starken Hauptdarstellerin ist. Aber andererseits auch schrecklich anstrengend, teilweise langweilig und überhaupt nur dann brauchbar ist, wenn man entweder ein eigenes Heimkino hat oder sich unmittelbar vor das heimische Low-Budget-Gerät setzen will, um überhaupt etwas zu erkennen?
Dennoch ist die Optik des Filmes durchaus interessant. Beinahe der komplette Film ist, ähnlich wie beispielsweise einige Szenen des Steve McQueen-Klassikers Die Thomas Crown Affäre von 1968, in verschiedene Formen von Splitscreens aufgeteilt. Im Unterschied dazu ist Tracey Fragments allerdings sehr viel unruhiger, dynamischer und verworrener. Diese Bildcollage ermöglicht es, im selben Moment verschiedene Handlungsstränge, unterschiedliche Perspektiven einer Szene oder Aufnahmen von Gegenständen beziehungsweise Personen zu sehen, die die Handlung ergänzen. Dabei wird das Bild mindestens halbiert, oft aber auch in etliche kleine Minibilder unterteilt die, je nach Fernsehergröße, streckenweise nicht viel größer als ein Handydisplay und somit kaum erkennbar sind. Die Frage, die sich bei soviel Mut zur Innovation und Experimentierfreude natürlich zwangsläufig stellt, ist, ob dieses Stilmittel in einem Film von fast 80 Minuten überzeugen kann. Leider funktioniert Tracey Fragments jedoch gerade wegen seiner Optik so rein gar nicht. Allerdings muss man leider auch sagen, dass der Film ohne die Split-Screen-Optik so gut wie keine Daseinsberechtigung hätte, denn die Story ist eigentlich nur wirr und streckenweise öde. Darüber hinaus bleibt nur das durchgehend hochklassige Spiel von Ellen Page (Juno) als Tracey als kleiner Trost für 80 Minuten, die einem erscheinen wie 5 Stunden.
Schon nach den ersten Minuten werden die Meisten die Schnauze voll haben. Das ständige unruhige Bildgezappel macht den Film vollkommen ungenießbar und so verliert man schnell den Bezug zur eigentlichen Handlung und wünscht sich nichts sehnlicher, als für einen Moment den kompletten Bildschirm ganz konventionell mit einer einzigen Einstellung ausgefüllt zu sehen. An dieser Stelle sei jedoch fairerweise angemerkt, dass Tracey Fragments im Kino sicherlich einen ganz anderen Eindruck macht und womöglich auch im Gesamtwerk besser funktioniert. Als heimischer Filmfreund mit durchschnittlich großer Glotze bleibt einem allerdings keine andere Wahl, als sich einen Meter vor den Bildschirm zu hocken und dann das Beste daraus zu machen.
Als Unterhaltungsfilm ist Tracey Fragments definitiv nicht zu gebrauchen. Am ehesten ist er sicherlich ein experimenteller Kunstfilm. Tatsächlich ist der künstlerische Anspruch dieser bewegten Bildkollage nicht von der Hand zu weisen. Denn was hier die Cutter, die mit dem Schnitt des in gerade einmal 2 Wochen abgedrehten Filmmaterials beinahe ein halbes Jahr beschäftigt waren, abgeliefert haben, ist zumindest aus schnitttechnischer Sicht ein beeindruckendes Werk. Interessant ist dies zumindest für alle, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. 08/15 Zuschauer werden aber alldem rein gar nichts abgewinnen können und bereits nach wenigen Minuten die Lust verlieren.