Scheinbar narrensichere Geschichte, mit geradlinigem Plot und äußerst sehenswertem Schauspielensemble, leider aber ebenso plump umgesetzt, wie die Ganoven selbst auch im Film agieren. Stumpf wird über die meiste Zeit versucht, einen Geldtransporter zu knacken, der von einem einsamen Sicherheitsbeamten verteidigt wird. Ebenso unoriginell wie pointenarm wurde aber offenbar auch die Storyline an sich zusammengezimmert - sich einfach darauf verlassend, dass die beklemmende Grundsituation genug Spannung aufbaut und die Stars den Film dann schon schaukeln werden. Diese einfache Rechnung geht aber nicht vollends auf.
Manchmal reicht tatsächlich schon ein ordentlicher Cast mit ein paar Protagonisten, die alles andere als die üblichen Otto-Normal-Schönlinge aus Hollywood sind sowie ein geradlinig-knackiger Plot, fertig ist ein ungekünsteltes wie ehrliches Stück cineastischer Handwerksarbeit. Gerade bei Actionfilmen ist das oft alles andere als verkehrt. Armored ist auf den ersten Blick genau das: Die Story, ein paar schmierige Sicherheitsbeamte beschließen einen Coup zu drehen. Ziel des Ganovenstreichs ist die Firma, bei der sie selber beschäftigt sind. Der Plan sieht vor, auf einen gepanzerte Geldtransporter einen Überfall zu fingieren. Eine ganz saubere Angelegenheit soll das werden - ganz ohne Kollateralschäden - niemand soll dabei zu Schaden kommen.
Die angehenden Schwerkriminellen sind von der Sache vollauf überzeugt und die 42 Millionen Dollar, welche winken, sind mehr Motivation für alle als nötig ist. Es gilt allerdings noch, einen neuen Kollegen mit an Bord zu holen: Ty Hackett (Columbus Short), ein dekorierter Irak-Veteran, ist eigentlich eine grundehrliche Seele, aber da ihn mächtig Schulden plagen, er mit der Abzahlung fürs Haus ins Hintertreffen geraten ist und er obendrein droht, die Vormundschaft für seinen Teenager-Bruder (Andre Kinney) entzogen zu bekommen, willigt er schweren Herzens ein, bei der Aktion mitzumachen.
Es lässt sich an den Fingern einer Hand abzählen, dass der so narrensichere Coup mächtig in die Hose geht. Ty war von der Sache ohnehin von Beginn an alles andere als begeistert und als ein Polizist angeschossen und lebensgefährlich verletzt wird, schlägt er sich auf die andere Seite. In einer abgelegenen Fabrikhalle kommt es zu einem Showdown wie in The Alamo - Der Traum, Das Schicksal, Die Legende. In dem gepanzerten Transporter muss sich Ty gegen die Attacken seiner ehemaligen Kumpanen verteidigen, bis er eine Möglichkeit findet, Hilfe zu holen. Nebst dem eigenen Leben und dem Geld hat er sich aber auch noch den langsam verblutenden Cop aufgehalst, den die lauernde Gang als Zeugen des Überfalls gerne verschwinden lassen würde.
Vom Grundsatz her ein mehr als interessantes Szenario mit reichlich Potenzial für einen spannungsgeladenen Thriller; wenn zudem das Fieslingstrio, welches den Panzerwagen belagert von Matt Dillon, Jean Reno und Laurence Fishburne gegeben wird, sollte das für reichlich skurrile Extremeinfälle und viele überraschende Wendungen sorgen. Leider aber wurde diese Story, die in ihrer Grundstimmung und einigen Motiven an eine Mischung aus Stirb Langsam, Reservoir Dogs - Wilde Hunde und Panic Room erinnert, leidlich eindimensional und einfallslos umgesetzt. Anstatt die Spannung nervenzerreißend auf den Höhepunkt zu treiben, beginnen die halbstumpfsinnigen Versuche, den Transporter zu knacken, mit der Zeit mitunter fast schon anzuöden.
Zu keiner Zeit erreicht Armored das blut- und bleihaltige Adrenalinflair eines Klassikers wie Stirb Langsam; ebensowenig die Absurdität und surreale Stimmung des Kultfilms Reservoir Dogs - Wilde Hunde; und auch die klaustrophobische Atmosphäre von Panic Room sucht man weitestgehend vergebens. Das illustre Staraufgebot ändert nur wenig an diesem Zustand. Zwar wecken die Herren Erinnerungen an große Filmmomente - aber dieser Anflug von Nostalgie hilft über die streckenweise wenig kreative bis stupide Einfachheit, die alle Entwicklungen nahezu vorwegnimmt, kaum hinweg.
Trotz dieser Defizite bleibt aber im Kern dennoch eine halbwegs spannende Grundgeschichte erhalten. Und drei solche, mit Bedacht auf abgehalftert getrimmte, Mimen in einem Film zu erleben, könnte an einem schläfrigen Abend zumindest den Gang zur Videothek rechtfertigen. Bleibt zu hoffen, dass Regisseur Nimrod Antal, der bald unter der Produktionshoheit von Robert Rodriguez der Predator-Filmreihe neues Leben einhauchen wird, dort mit mehr Finesse, Enthusiasmus und Einfallsreichtum zu Werke schreitet.