In einem kleinen polnischen Ort lebt der siebenjährige Stefek. Etwas melancholisch verbringt er seine Tage am Bahnhof und beobachtet Menschen beim ein- und aussteigen in die haltenden Züge. Ob einer von ihnen sein Vater ist, der seine Mutter, seine Schwester und ihn verlassen hat? Vielleicht kehrt er ja eines Tages zurück, wenn man das Schicksal besticht. Kleine Tricks ist schon ein skurriler, eigenwilliger Film mit guten Ansätzen und einem viel versprechenden jungen Protagonisten. Alles in allem aber zieht sich das Ganze viel zu zäh dahin und bezaubert nur selten richtig.
Manche Filme brauchen nur Sekunden, um ein schelmisches Grinsen aufs Gesicht zu zaubern. Nicht selten ist dies die Folge eines Deja-vus; einer plötzlichen "Zeitreise", die unvermittelt zurückversetzt und mit Bildern beglückt, die in der Kindheit für manch einen kurzweiligen Trip vor der Flimmerkiste verantwortlich waren. Wer mit den Geschichten Astrid Lindgrens groß geworden ist und viel Spaß mit den Lausbubenstreichen eines Michel aus Lönneberga hatte, wird sich beim Anblick des siebenjährigen Stefek (Damian Ul) an diese erinnert fühlen.
Damit sind die Gemeinsamkeiten aber schon beinahe beschrieben. Zwar ist den beiden Jungs ebenfalls gemein, dass sie auf eine liebenswerte Weise beide irgendwie ganz schön "ga-ga" sind, doch war der gute Michel der um Längen interessantere "Teufelsbraten". Und Kleine Tricks ist eben keine Astrid Lindgren-Geschichte; sondern, einerseits ziemlich schräg und bisweilen absurd, woraus der Film seine Komik gewinnt, andererseits aber irgendwie auch auf unterschwelligen Melodrampfaden unterwegs.
Stefek lebt in einer ländlichen Arbeiterstadt in Polen, die augenscheinlich ihre besten Tage hinter sich hat. Der Vater hat die Familie schon vor langer Zeit verlassen. Neben seiner Mutter (Iwona Fornalczyk), die den ganzen Tag in einem kleinen Laden arbeitet und seiner 18-jährigen Schwester Elka (Ewelina Guzniczak), die Geschirr in einer Kneipe spült und nebenher Italienisch paukt, um sich auf einen besseren Job zu bewerben, ist Jerzy (Rafal Guzniczak), ein Automechaniker und der Freund seiner Schwester, Stefeks einzige Bezugsperson.
Seine Tage verbringt Stefek oft am Bahnhof. Dort beobachtet er die Leute und die vorbeirauschenden Züge und versucht das Schicksal mit Münzen zu "bestechen", die er auf die Gleise wirft. Er hofft, dass so sein Vater zurückkehrt. Eines Tages fällt ihm ein gut gekleideter Mann (Thomasz Sapryk) auf, der jeden Tag an diesem Bahnhof umsteigt, um zur Arbeit zu fahren. Plötzlich setzt sich Stefek in den Kopf, dass dies partout sein Vater sein muss. Jetzt muss noch ein Plan ausbaldowert werden, mit dem er den Mann eine Zeitlang am Bahnhof festhalten kann und ein paar kleine Tricks aus dem Hut gezaubert werden, um ihn anschließend in den Ort zu locken.
Schön und gut; man muss nicht alles Verstehen und das Schöne am Kunstprodukt Film ist schließlich der kreative Genius, welcher der Geschichte innesein sollte. Doch den Reiz, einen schrägen kleinen Jungen über anderthalb Stunden zu beobachten, der in seiner Phantasiewelt lebt, obendrein eine ziemliche Nervensäge ist, aber wiederum nicht viel Interessantes anstellt, muss schon mal erklärt werden. Abgesehen davon, dass es für die Geschichte überhaupt keinen Unterbau gibt: warum ist der Vater weg, was ist passiert, wie kommt Stefek dazu zu glauben, der Fremde am Bahnhof müsste es sein? Zugegeben: Das ist beinahe schon eine Spur zu rational und geradeheraus nach dem Sinn des Films gefragt. Und womöglich ist eben genau dies nicht die Absicht, all das so geradlinig zu erklären, sondern liebenswert und etwas verzerrt, aus der kindlichen Perspektive eine Fiktion zu entwerfen; aber dieses Rumeiern um eine Geschichte, die mit Billigklebeband zusammengehalten zu werden scheint, fördert nicht eben das Durchhaltevermögen des Filmfreunds.
Es gibt bestimmt lichte, teils "poetische", Augenblicke: Besonders die Kamera besticht durch die Natürlichkeit der Bilder und Authentizität der Atmosphäre. Und obwohl ausnahmslos mit Laiendarstellern besetzt, zeigen sich dort keine nennenswerten Schwächen. Ganz im Gegenteil, kann man guten Gewissens behaupten, dass alle Akteure, allen voran Damian Ul, ihre Sache sehr gut machen. Die skurrile Grundatmosphäre birgt auch reichlich Potenzial: Zwar will man nicht gerade soweit gehen und aus der Tristes eines recht heruntergewirtschafteten Arbeiterstädtchens gleich einen nonchalanten Flair zaubern, aber ein dumpfer, wertender "Blick nach unten" stellt sich glücklicherweise auch nicht ein. Und der Zusammenhalt dieser Familie, der es augenscheinlich nicht besonders gut geht, entfaltet, ebenso wie einige absurde Momente mitten aus der Normalität, reichlich Charme.
Doch bei aller Liebe zu kreativem Ausprobieren und Geschichten sich beinahe beiläufig und dokumentarisch wie von selbst erzählen lassen; wenn so wenig passiert, helfen auch humorige Einlagen nicht, die unvermittelt in die Geschichte gezaubert werden. Die Minuten dazwischen dehnen sich einfach zu oft zu spürbaren Längen, welche die Geduld zu arg auf die Probe stellen. Und alles mit der Poesie des Augenblicks erklären zu wollen, strapaziert auch etwas die Phantasie. Schade um das Grundpotenzial, aber ein wenig larger than life ist nicht gleich immer verkehrt und ansatzweise ein Plot macht nicht sofort jeden kreativen Freiraum zunichte.