Es ist ein Rumoren der Seele, das sich allmählich immer weiter ausbreitet und zu einem Crescendo anwächst. Etwas drängt mit Macht heraus, will Klang und Ton werden. Ein unvollkommener Versuch, zu beschreiben, was Menschen fühlen, die es zum Komponieren treibt. Mit Worten ist diesem Bewusstseinszustand schlecht nahe kommen. Darin tun sich auch die vier Jung-Komponisten in Klang der Seele schwer. Sich mit ihrer Musik mitzuteilen, fällt ihnen hingegen leichter. Wäre nur schön gewesen, wenn sich die Macher der Doku irgendwie Mühe gegeben hätten, das mit etwas Esprit auf Zelluloid zu bannen.
Ein Jahr lang begleitete der Dokumentarfilmer Marian Czura vier jugendliche Musik-Talente einer Kompositionsklasse im Alter von 14 bis 19 Jahren mit der Kamera und versuchte einzufangen, worin für jeden die individuelle Motivation besteht, sich der Musik derart zu widmen und welches Bestreben, sich auf diese Weise mitzuteilen, damit einhergeht. Eine der Zielsetzungen des Films, die vier aufstrebenden Künstler auch auf ihrem Weg zu individuellen Persönlichkeiten wiederzugeben. Konterpart dabei stets ihr Mentor, der Komponist Cord Meijering, der nicht nur als Lehrer auftritt, sondern auch selbsternannter "Gegenspieler" im Ringen um Erkenntnis und musikalischen Fortschritt sein will.
Jakobine Eisenach ist sowohl die Dienstälteste, als auch das Nesthäkchen dieser Kompositionsklasse. Jahrgang 1992 bekam sie schon im frühen Kindesalter Klavierunterricht und "erfand" bald danach ihren eigenen Walzer. Wenig später wagte sie sich schon an die "richtigen" Kompositionen und schrieb ein Stück für einen Koloratursopran und zahlreiche Kammermusikwerke, wofür sie sogar mit einem Stipendium ihres Geburtsortes Darmstadt belohnt wurde. Michelle Löffler, 1988 in Darmstadt geboren, lernte im zarten Alter das Violinspiel. Während eines einjährigen Aufenthaltes in Soweto, Südafrika und dem Besuch eines Musikgymnasiums, entwickelte sie nicht nur eine ausgesprochene Faszination für die Musik Johann Sebastian Bachs, sondern auch für die bis dato fremden afrikanischen Rhythmen. Roman Czura (nicht mit dem Regisseur verwandt) ist der junge Komponist mit der längsten musikalischen "Vorgeschichte". Mit sechs Jahren Klavierunterricht, mit zwölf Geigenunterricht und alles bei ausgesprochenen Koryphäen der Zunft. Roman ist mit Abstand die am stärksten differenzierte Persönlichkeit in der Gruppe; der Jung-Komponist mit dem stärksten Ego und der einzige, der es ernsthaft wagt, dem großen Mentor zu widersprechen. Und Schlussendlich Christoph Bornheimer, Jahrgang 1988, wie alle anderen in Darmstadt geboren, hat sich vor allem der Orgelmusik und kirchlichen Themen verschrieben.
Vielmehr wird es nicht über die jungen Künstler zu erfahren geben. Zwar sprechen alle im Verlauf des Films über ihren inneren Antrieb Komponist zu werden, aber wer diese jungen Menschen als Personen sind, erfährt man nicht. Sonstige Hobbys, Freundeskreis, Elternhaus; wird nahezu vollkommen ausgespart, was dem Film einen etwas sterilen Touch verleiht und das Manko dieser Dokumentation bloßlegt: Was die Faszination der Musik für diese vier Jugendlichen eigentlich ausmacht, wird nicht wirklich erfahrbar, da man sich den jungen Künstlern substanziell nicht zu nähern vermag. Warum ihnen die Musik derart wichtig ist, ihr Innerstes bewegt und sie sich nur durch diese komplett mitteilen können, wird man somit als musikalischer Laie schwerlich verstehen können.
Damit befördert sich Klang der Seele automatisch ein wenig ins Abseits jener Dokumentarfilme, die spät abends auf einschlägigen Spartenkanälen zu sehen sind. Und ehrlich gesagt: fürs Kino ist das nicht wirklich was. Insbesondere der desolate Schnitt aus scheinbar aufs Geratewohl aneinander montierten Bildern, bekräftigt dies noch. Dynamik kommt zudem höchst selten ins Spiel. Am interessantesten noch die selbstbeweihräuchernden Litaneien des großen Mentors, der aus seinem Elfenbeinturm inhaltslose Thesen formuliert: meint, sein Unterricht würde dazu beitragen, Menschen zu formen, die sich der Kultur zuwenden und sich anders mitzuteilen lernen, als auf der Straße andere Menschen zu verprügeln.
Man ist zwar nicht so recht im Bilde, über wen genau er da spricht, aber die vier Jugendlichen, die im Mittelpunkt des Films stehen, können es nicht sein: Wer diese vier erlebt, würde keine einzige Sekunde der Meinung sein, sie könnten sich ohne Kompositionsunterricht zu "Straßenschlägern" entwickeln. Ganz davon abgesehen, dass kein Wort vom "Guru" darüber verloren wird, was er seinen Schülern sonst noch anbietet, damit sie sich zu komplexen kulturinteressierten Persönlichkeiten entwickeln. Doch bei aller Nörgelei: die Marotten des ätherischen Maestro sind noch mit das Amüsanteste an der sonst recht eintönigen Doku. Höhepunkt sicherlich, das Duell zwischen ihm und Roman, der nicht immer alles so kommentarlos zu schlucken bereit ist und mitunter seine musikalische Sichtweise eben für maßgeblich hält. Viel spannender wird es dann aber nicht mehr: Klang der Seele gehört ganz bestimmt zu dem Typ von Dokumentationen, die fast ausnahmslos für ein kleines wie spezielles Zielpublikum gemacht werden. Musik-nichtaffine Geister, werden damit nicht viel anzufangen wissen.