Von einem Rob Zombie Film bekam man bislang oftmals eine bescheide Story gepaart mit einer hervorragenden Inszenierung geboten. Leider passt sich in dieser Fortsetzung nun auch seine Regie der restlichten Qualität des Filmes an, denn H2: Halloween 2 ist gespickt mit nervigen Charakteren, einem unterirdischen Cast, sowie unglaublich blutleeren und langweiligen Kills, so dass nicht mal die Hardcorefans diesem Streifen etwas abgewinnen können werden.
Blicken wir kurz zurück auf das im Vorfeld als unnötiges Remake abgestempelte Werk Halloween. Rob Zombie bewies damals zumindest in der ersten Hälfte die Daseinsberechtigung für eine Wiederbelebung, zeigt er den Zuschauern doch eine ganz neue Seite von Serienkiller Michael Myers. Nur leider verstand er es damals nicht, seinen Film würdevoll zu Ende zu bringen und so wurde aus der zweiten Hälfte des Vorgängers leider ein 08/15-Standardslasher, dessen Potential, nett ausgedrückt, verschenkt wurde. Da er sich seine Halloween-Vision nicht von einem anderen Regisseur kaputt machen lassen wollte, hat er sich nach ersten Absagen nun doch dazu überreden lassen, bei einem weiteren Teil das Ruder zu übernehmen.
Knapp ein Jahr ist nun vergangen seitdem der Serienkiller Michael Myers von Laurie Strode überwältigt wurde. Seitdem hat sie psychische Probleme, wird in ihren Träumen von Myers verfolgt und scheint aufgrund der Ereignisse völlig aus der Spur geraten zu sein. Dass die Leiche ihres Peinigers damals verschwunden ist, vergrößert ihre Ängste und das nicht zu Unrecht, denn Michael hat überlebt und lebt zurückgezogen in den Wäldern, um am bald anstehenden Jahrestag ein weiteres Mal zuschlagen zu können. In der Zwischenzeit hat sich auch das Leben von Myers Psychiater Sam Loomis gewandelt, der ein Buch zu dessen Taten veröffentlichte und nun in der Öffentlichkeit steht.
Auf die im Vorfeld gespuckten Töne, dass er auf keinen Fall wolle, dass seine Vision den Bach runter geht, hätte Rob Zombie wohl selbst ein paar Minuten hören sollen: Nach einem soliden Beginn folgt über große Strecken erst mal gar nichts. Zwar ist es lobenswert, dass man versucht auf eine Charakterentwicklung zu setzen, aber wenn die Figuren derart unsympathisch und klischeehaft aufgebaut werden, dass es einem egal ist, ob sie nun abgeschlachtet werden oder nicht, dann hat der Drehbuchschreiber definitiv etwas falsch gemacht. Generell hat der Film auch mit seinen unkreativen Kills zu kämpfen, die nahezu immer auf die gleiche Art und Weise geschehen und den Zuschauer neben der ohnehin schon kaum vorhandenen Handlung umso mehr ermüden. Hinzu kommen noch die unnötig wirkenden Rückblenden, die den Antrieb des Killers veranschaulichen sollen, jedoch kaum etwas zum Geschehen beitragen, was nicht schon im Vorgänger erörtert worden wäre.
Dass Rob Zombie Filme inszenieren kann, hat er in seinen vergangenen Werken schon öfter zur Schau gestellt und so konnte er auch aus inhaltlich schwachen Filmen dank seiner Inszenierung meist noch die Kohlen aus dem Feuer holen. Doch mit Ausnahme von zwei Szenen, bei denen der Musikeinsatz der Songs Nights in White Satin und Love Hurts hervorragend getroffen wurde, herrscht kreative Armut in nahezu jeder Sekunde des Filmes. Neben der schon angesprochenen fehlenden Kreativität der Kills, kommt für die Gorehounds als weiteres Problem hinzu, dass die Morde selbst in der ungekürzten Version für das Genre überraschend unblutig und eintönig geraten sind. Ein weiteres Ärgernis ist das (fast) vollkommene Weglassen von John Carpenters großartigen Themesong, der nur zum Ende des Abspanns eingespielt wurde.
Ebenso frustrierend verhält es sich mit der Leistung des Darstellerensembles. Sicherlich erwartet man in einem Horrorfilm keine Glanzleistungen, aber was hier die Darsteller teilweise abziehen, ist unter aller Kanone. So gibt es kaum eine Szene, in der man über das unfreiwillig komische Spiel der absolut unglaubwürdig agierenden Scout Taylor-Compton nicht mit dem Kopf schütteln musste. Auch der Tausch der Jungdarsteller von Daeg Faerch zu Chase Wright Vanek macht sich schnell negativ bemerkbar. Einzig Malcom McDowell vermag es, seine Rolle routiniert runter zu spielen und eine halbwegs ordentliche Leistung abzuliefern.
Nachdem Rob Zombie mit seinem ersten Halloween-Werk dank seines famosen Beginns noch einen der besseren Teile der Reihe abliefern konnte, scheitert er hier auf grandiose Art und Weise. So ist H2: Halloween 2 über größte Strecken einfach nur langweilig geraten, da es den Horrorszenen zu keiner Sekunde gelingt, angsteinflößend zu sein und zudem jegliche Kreativität vermissen lassen. Die unterirdischen Leistungen des Darstellerensembles, sowie die klischeehaften Charaktere sind hierbei nur die Spitze des Eisberges. Insgesamt also eine Fortsetzung, die man sich ruhigen Gewissens sparen kann, zumal der Film in Deutschland bislang nur in einer stark gekürzten Fassung erschienen ist.