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In den nächsten Wochen kann es Euch gut passieren, daß ihr im Kino mit einem Trailer zu The Others konfrontiert werdet. Sobald ihr realisiert, daß es sich um eine Vorschau auf eben jenen Film handelt, solltet ihr nicht lange zögern und sofort Eure Augen schließen, am besten haltet Ihr Euch auch gleich noch die Ohren zu. Denn wenn ihr Mitte Dezember einen schaurig schönen, klassischen Horrorfilm erleben wollt, dann müßt Ihr dringend darauf achten, vorher nichts über die Handlung von The Others in Erfahrung zu bringen. Der Film bietet zwar so viele überraschende Wendungen, daß sie gar nicht alle in einem Trailer vorweggenommen werden könnten, doch selbst wenn einem nur das ein oder andere Handlungselement vor dem eigentlichen Kinobesuch offen gelegt werden würde, wäre dies eine erhebliche Minderung des Filmegenußes. Daher ist es auch empfehlenswert Kritiken und Rezessionen zu diesem Film vorerst zu meiden und erst nach dem eigenen Erleben zu lesen.
The Others ist ein intelligenter, atmosphärisch dichter, spannender und fesselnder Horror-Thriller dessen Titel man ohne Gewissensbisse in einem Atemzug mit The Sixth Sense und Shining nennen darf. Die Grundidee ist äußerst interessant, ich persönlich fand sie geradezu fantastisch. Die Handlung ist celver aufgebaut, setzt sich wie ein Puzzle nach und nach zusammen und läßt natürlich erst zum Schluß einen Blick auf das Gesamtbild zu. Die unheimliche Atmosphäre des schloßähnlichen Anwesens und der düsteren, vernebelten Umgebung zieht einen als Zuschauer von der ersten Minute in ihren Bann und sorgt für ein konstantes Gänsehautgefühl. Besonders die Beleuchtung der riesigen Räume mit nichts weiter als ein paar Kerzen oder einer schwachen Lampe (erinnert ein wenig an die Lichtsetzung in Barry Lyndon) und die beunruhigende, meist nur durch Flüstern durchbrochene Stille kreieren eine wirklich schaurige Spannung, der man sich bei bestem Willen nicht entziehen kann.
Die Schauspieler tun ihr übriges, allen voran Hauptdarstellerin Nicole Kidman die mit ihrer nuancierten und intensiven Darstellung der Hausherrin und Mutter vollends zu überzeugen vermag. Dies dürfte sogar ihre bis dato beste schauspielerische Leistung überhaupt sein. Auch Alakina Mann und James Bentley, die Darsteller der beiden Kinder liefern in The Others beeindruckende Vorstellungen ab, was umso verwunderlicher ist, wenn man bedenkt, daß es sich bei den beiden um ganz normale Kinder handelt, die außer einigen speziell zur Vorbereitung für diesen Film anberaumten Workhops bisher keinerlei Erfahrungen mit der Schauspielerei gemachte hatten. Dem spanischen Erfolgsregisseur Alejandro Amenábar (Thesis und Abre Los Ojos), der sich hier nicht nur als Autor und Regisseur sondern auch als Komponist verantwortlich zeigt, ist mit The Others ein vortrefflicher Geisterfilm gelungen, der auf einer originellen Idee, einem hervorragenden Drehbuch und sehr guten schauspielerischen Darbietungen aufbaut, gleichzeitig auf billige Tricks und den Einsatz teurer Special Effects gänzlich verzichtet und somit quasi als Horrorfilm der alten Schule durchgeht. Es würde mich nicht wundern wenn The Others binnen kürzester Zeit zu einem Klassiker seines Genres avanciert. Verdient hätte er es jedenfalls. |