Wenn unterschiedliche Kulturen aufeinander prallen, geht es lustig zu. Das zeigte bereits der Überraschungs-Hit My Big Fat Greek Wedding von 2002. Besonders amüsant wird es immer dann, wenn ein etwas zugeknöpftes Volk auf sein familienreiches und ausgelassenes Pendant trifft. Im Falle der Deutschen trifft dies beinahe auf jedes andere Land zu. In der Adaption von Jan Weilers Roman Maria, ihm schmeckt's nicht, welcher teilweise autobiographische Züge trägt, gibt es den Culture Clash nun auch auf der großen Leinwand zu beobachten.
Gleich zu Beginn macht Neele Vollmars Film dann bereits zwei Dinge "falsch". Zum einen startet die Bremer Jungregisseurin mit ihrer Handlung am Ende und zum anderen präsentiert sie Christian Ulmen als Erzählstimme seiner eigenen Geschichte. Letzterer misslingt deshalb, weil Erzählstimmen eine delikate Angelegenheit sind, wenn sie Gefühle transportieren sollen, die im Jetzt stattfinden, allerdings erst später aufgezeichnet werden. Zudem bedarf Ulmen seiner Mimik zum Sprechen, verhallen seine Worte ohne den dazugehörigen Blick oder die typischen Handbewegungen des ehemaligen MTV-Moderators. Der Erzählbeginn während der Klimax der Handlung verpufft in einer Komödie wie dieser außerdem bereits dadurch, dass keine Spannung entsteht, da hier ein Happy End quasi vorgegeben ist.
Der eigentliche Start der Geschichte ist dabei weitaus gelungener. Gerade Jans erste Begegnung mit den Marcipones und der Eröffnung der Hochzeitspläne bildet den (frühen) Höhepunkt des Filmes. Dass es Sara war, die den Heiratsantrag gemacht hat, erwähnt das Paar gegenüber dem konservativen Italiener Antonio erst gar nicht. Ob es ihm, dem Schwiegervater in spe, etwas ausmachen würde, wenn Jan dessen "Schnucke" heiratet? Ob das geht?, fragt Jan etwas flapsig aufgrund des ziemlich traditionellen Tons. Früh wird klar, dass Antonio und Jan nicht dafür geschaffen sind, die dicksten Kumpels zu werden. Da Antonio selbst mit Ursula eine Deutsche geheiratet hat, verwundert zumindest seine Ablehnung des "Deutschen" als Mann seiner Tochter etwas. Doch wie der untersetzte Italiener seiner eigenen Sippe bereitwillig erklärt, ist Jan eben Deutscher und kann nichts dafür.
Im Folgenden schwankt Vollmars Maria, ihm schmeckt's nicht! stets zwischen Nia Vardolos' My Big Fat Greek Wedding und Jay Roachs Meine Braut, ihre Schwiegereltern und ich. Zum einen bezieht der Film seine Komik nämlich durch jenes problematische Verhältnis von Schwiegersohn und Schwiegervater, die zwar miteinander müssen, aber eigentlich nicht wollen. Zum anderen bedienen sich die Drehbuchautoren Weiler und Speck selbstverständlich der Klischees von Deutschen und Italienern, um diese genüsslich aufeinanderprallen zu lassen. Dass Weilers Roman dabei auf seinen eigenen Erlebnissen mit dem italienischen Schwiegervater basiert, bleibt hierbei außen vor. Seinen Titel erhalten Film wie Roman von Jans Angst, als kleinkarierter Deutscher gelten zu wollen, als er versucht trotz Meeresfrüchteallergie die ihm goutierten Miesmuscheln zu essen. Denn wie Jan im Film so schön sagt, welcher Deutsche will schon in das (negative) Muster des klassischen Deutschen fallen?
Es lässt sich schwerlich leugnen, dass Weilers Adaption seines eigenen Romans leidlich spannend ist. Dafür folgt die Handlung zu sehr dem Schema F. Wie so viele Komödien obliegt es daher dem Humor, den Film zu tragen und dies gelingt mit meist eher mäßigem Erfolg. Denn Maria, ihm schmeckt's nicht! bewegt sich derart im Klischeedenken, dass die geschwätzigen Italiener und der grimmige Deutsche auf Dauer etwas monoton geraten. Insbesondere auch dadurch, da Weiler scheinbar gar nicht erst versucht, mit den Klischees zu brechen. Auf dem italienischen Standesamt wird das designierte Ehepaar stets auf den nächsten Tag vertröstet, während dem pedantischen Jan meist einfach alles zuviel wird. Bisweilen vermag sich Ulmen dann jedoch etwas von Weilers Alter Ego zu lösen und seiner Figur seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Es ist dem lockeren Auftreten von Ulmen zu verdanken, wenn man als Zuschauer tatsächlich eine Verbindung zum Filmgeschehen aufnehmen kann. Banfi dagegen wirkt oftmals überfordert, sei es mit der Szene an sich oder aber mit der deutschen Sprache.
Auch die Rückblenden zu Antonios eigener Vergangenheit schaden dem Film mehr, als dass sie ihm helfen. Die Geschichte der Gastarbeiter in Deutschland ist spätestens mit Fatih Akins Solino abgearbeitet gewesen und ohnehin dank Schulunterricht auf der einen oder eigene Erfahrungen zu Hause auf der anderen Seite in den Köpfen gegenwärtig. Auch die letztlich einsetzende Katharsis von Jan, der lernen muss seine "italienische" Frau und deren Verwandte zu akzeptieren, wirkt nicht sonderlich glaubwürdig. Falls sich hier überhaupt wirklich von einer Katharsis sprechen lässt. Somit gelingt es Maria, ihm schmeckt's nicht! nicht durchweg zu überzeugen. Dafür bleibt viel zu viel Potential bereits im Ansatz stecken. Bedenkt man, dass es sich hierbei jedoch um einen deutschen Film und vielmehr noch, eine deutsche Komödie, handelt, ist allerdings das Bemühen allein schon lobenswert. Schließlich weiß das germanische Kino ansonsten außer den missglückten Komödien von Schweiger und Herbig kaum etwas aufzuweisen. So kann man folglich nicht sagen, dass einem Vollmars Film nicht schmecken würde, aber ein Gaumenschmaus ist er dann dennoch nicht. Eher die eingebürgerte Tiefkühlpizza. Quasi un poco di Italien, aber grade genug, um sich aus der deutschen Tristesse zu lösen.