Yojiro Takitas Oscargewinner badet förmlich in einer gewissen Langatmigkeit. Dies ist jedoch nie negativ zu sehen, sondern erzeugt eine fast schon meditative Atmosphäre, die den Zuschauer schon zu Beginn in seinen Bann zieht. Hinzu kommt noch eine schöne und zugleich auch traurige Geschichte, sowie ein überaus überzeugendes Finale, das so einige Handlungslängen ohne Probleme überspielen kann.
Er war der krasse Außenseiter bei den diesjährigen Academy Awards. Im Rennen um den Preis des besten Fremdsprachigen Filmes hatte wirklich niemand Nokan - Die Kunst des Ausklangs auf der Rechnung, sondern mit einem Sieg des Favoriten Waltz with Bashir gerechnet. Dank der Auszeichnung mit dem Oscar bekommt Yojiro Takitas Werk nun eine Kinoauswertung, die er allerdings auch qualitativ durchaus verdient hat.
Als sein Orchester überraschenderweise aufgelöst wird, steht der junge Cellospieler Daigo mit leeren Händen da. Da er sich das Leben in der Großstadt mit seiner Frau nun nicht mehr leisten kann, ziehen sie zurück in ihre Heimat um einen Neuanfang zu wagen. Dabei stößt Daigo auf eine Stellenanzeige mit der Überschrift "Departures". Doch statt wie erwartet in einem Reisebüro anzuheuern, arbeitet er nun in einem traditionellen Bestattungsunternehmen. Aus Angst seiner Frau etwas von dem alles andere als angesehenen Beruf zu erzählen, verheimlicht er seine neue Tätigkeit und zieht damit das Misstrauen seiner Frau und der Nachbarn auf sich.
Die Geschichte Kundo Kuyamas hat durchaus ergreifende Elemente, ist an sich gut geschrieben und hat ebenso überzeugende Charakterentwicklungen zu bieten. Dennoch will an manchen Stellen der Funke nicht so wirklich auf den Zuschauer überspringen, bietet der Film inhaltlich wenig Neues und kann mit Ausnahme des überaus emotionalen Finales nur selten begeistern.
Mit seiner melancholischen Grundstimmung, die durch die tristen Bilder, sowie den wie immer guten Score von Meister Joe Hisaishi noch verstärkt wird, gefällt diese schon fast meditative Art der Inszenierung. Wer nichts gegen Filme hat, in denen kaum etwas passiert und man sich alleine durch eine herrlich melancholische Atmosphäre gefangen lassen kann, dem wird die Zeit wie im Fluge vergehen, während der Mainstreamkinogänger sicherlich fluchend den Saal verlassen wird.
Darstellerisch gibt es zudem überhaupt nichts auszusetzen, so sind die Darbietungen durch die Bank eher zurückhaltend. Ryoko Hirosue, Tsutomu Yamazaki und Masahiro Motoki ergänzen sich dabei hervorragend und bilden somit eine harmonische Darstellerriege, bei der sich keiner auch nur ansatzweise in den Vordergrund spielt. Gerade dieses zurückhaltende Spiel erweist sich als große Stärke, da sich die Charaktere somit hervorragend der Grundstimmung des Filmes anpassen und umso glaubwürdiger beim Publikum rüber kommen.
Auch wenn es etwas überraschend ist, dass der Oscar für den besten fremdsprachigen Film nicht an den großen Waltz with Bashir ging: Unverdient ist diese Auszeichnung auf keinen Fall. Trotz fehlender inhaltlicher Brillanz ist der Film auf inszenatorischer Ebene nahezu perfekt und versetzt den Zuschauer knapp über zwei Stunden in Erstaunen über diese wundervoll triste Atmosphäre, die besser hätte nicht eingefangen werden können.