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Shutter Island

(Shutter Island, 2009)

Dt.Start: 25. Februar 2010 Premiere: Oktober 2009 (USA)
FSK: ab 16 Genre: Thriller
Länge: 138 min Land: USA
Darsteller: Leonardo DiCaprio (Teddy Daniels), Michelle Williams (Dolores Chanal), Mark Ruffalo (Chuck Aule), Ben Kingsley (Dr. John Cawley), Emily Mortimer (Rachel Solando), Max von Sydow (Dr. Jeremiah Naehring), Jackie Earle Haley (George Noyce), Patricia Clarkson, Elias Koteas (Andrew Laeddis), Ted Levine (Warden), John Carroll Lynch (Deputy Warden McPherson), Christopher Denham (Peter Breene), Nellie Sciutto (Schwester Marino), Curtiss Cook (Trey Washington)
Regie: Martin Scorsese
Drehbuch: Laeta Kalogridis


Inhalt

Im Jahre 1954 reisen die beiden Marshalls Teddy Daniels und Chuck Aule auf die abgelegene Insel "Shutter Island". Sie untersuchen das Verschwinden der Mörderin Rachel Solando, der es gelungen ist, aus dem Ashcliffe Hospital zu fliehen, einer Hochsicherheitsklinik für geisteskranke Gewalttäter. Bei Ihren Ermittlungen stoßen die beiden Marshalls auf eine Wand des Schweigens. Und je länger die Suche dauert, umso größer werden die psychischen Probleme des von Migräneanfallen gepeinigten Daniels.
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Kritik

Shutter Island hat eine Wertung von 66%
Mit Shutter Island inszenierte Martin Scorsese einen nervenaufreibenden und technisch perfekten Psychothriller, der jedoch dem Genre keine neuen Aspekte abgewinnen kann. Der omnipräsente Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle gibt eine eindrucksvolle Vorstellung, doch zumindest die Auflösung des Films - zentraler Dreh- und Angelpunkt - vermag nicht zu überzeugen.

Bild aus Shutter Island Dass die Auszeichnung der Academy, die jedes Jahr aufs neue den Oscar verleiht, nicht unbedingt auch eine Art Gütesiegel für die Qualität eines Filmes darstellt, haben bereits viele Gewinner bewiesen. Im Jahr 2007 wurde Regisseur Martin Scorsese, nachdem er mehrere Male zuvor trotz Nominierung leer ausgegangen war, mit dem Oscar für die Beste Regie für Departed: Unter Feinden ausgezeichnet. Mit knapp 290 Mio. Dollar weltweitem Einspielergebnis stellt er Scorseses finanziell erfolgreichsten Film dar, was möglicherweise die Entscheidung der Acadamy positiv beeinflusst haben könnte. Zwar handelt es sich dabei um einen guten Film, aber nicht Scorseses besten. Wie übrigens auch alle weiteren Zusammenarbeiten mit Leonardo DiCaprio, seien es Gangs of New York, Aviator oder eben Shutter Island.

Scorsese adaptiert dabei mit Letzterem das gleichnamige Buch von Dennis Lehane wie immer mit einem sicheren Gespür für Spannung und Atmosphäre, lässt DiCaprio gar zur Hochform auflaufen, wenn dieser die ganze Bandbreite seines nicht unerheblichen Schauspieltalents zeigen darf. Doch zugleich wirkt Scorsese wie ein Relikt der alten Schule, welches seine Vision unter modernen Prämissen verwirklichen will - ungeachtet der gesellschaftspolitischen Relevanz oder des Vorwissens, welches das geneigte Genre-Publikum durch den Konsum vergleichbarer Filme in den vergangenen Jahren mitbringt.

Shutter Island lebt von der Auflösung seiner mysteriös dargebotenen Geschehnisse. Wenn US-Marshall Teddy Daniels (DiCaprio) auf der Insel Shutter Island eintrifft, um in einem Vermisstenfall bei der dortigen Anstalt für geistig gestörte Schwerverbrecher zu ermitteln, garantieren der alsbald einsetzende Dauerregen, das suspekte Verhalten der Anstaltsleitung um Dr. Cawley (Ben Kingsley) und die zunehmend Beklemmung verbreitende und Gestalt annehmende Verschwörungstheorie um eine Vertuschungsaktion einen spannenden Film. Doch wenn der pfiffige Zuschauer die wenig originelle und zudem tempoarm und unclever vorgetragene Auflösung schon anhand des zu detaillierten Trailers zwanzig Meilen gegen den Wind riechen kann, ist das kein gutes Zeichen. Selbiges wird nur vordergründig präsentiert, kritische Ansätze um den Umgang mit von der Gesellschaft Ausgestoßenen fallen gelassen. Das voluminöse Orchester im Score verfehlt dabei seine Beklemmung und Unheil verbreitende Wirkung nicht, ist jedoch etwas zu dick aufgetragen.

Der Grund, warum Shutter Island dennoch als solider, wenn auch nicht großartiger Psychothriller funktioniert, ist dabei Scorseses souveräner Inszenierung, die stets von Stilsicherheit zeugt, und dem Einfallsreichtum der visuellen Gestaltung geschuldet. Kameramann Robert Richardson - für Scorseses Aviator bereits oscarprämiert - arbeitete mit harten Kontrasten: Sowohl für die Bebilderung der Inneneinrichtung der Anstalt, bei der er mit harten Hell-Dunkel-Kompositionen und Lichtquellen von der Seite operierte (sehr stark erinnernd an den Film Noir), als auch bei der Gegenüberstellung vom düsteren Szenario rund um die Anstalt und nahezu farbenfrohen, surrealen Traumsequenzen. Da verzeiht man auch die auffälligen CGI-Effekte, die jedes Mal auftreten, wenn das Meer zu sehen ist, gern.

Scorsese ist auch mit zunehmendem Alter noch ein großartiger Regisseur - keine Frage. Man würde ihm und dem Publikum jedoch wünschen, dass er wieder zu jenem mutigen Sturm-und-Drang-Kino seiner alten New Hollywood-Tage zurückfindet, mit welchem er seine große Karriere begann. Wenn der unabhängig produzierte und radikale Taxi Driver bis heute als sein Meisterstück gilt, welche der amerikanischen Gesellschaft den Spiegel vorhält, dann dient die hübsche, aber zu kalkulierte und stromlinienförmige 80 Mio. Dollar-Produktion Shutter Island leider nur noch dazu, kommerzielle Erwartungen der Produzenten zu erfüllen. Das scheint zwar die Academy zu lieben, nicht jedoch der nach Tiefsinn suchende Cineast.

von Lutz Granert


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