Steven Soderbergh nimmt sich der wahren Geschichte eines medienwirksamen Kriminalfalls aus den 90ern an und inszeniert die faszinierende Doppelagentengeschichte des Mark Withacre, der vom "Whistleblower" zum Verdächtigen wird, mit beneidenswerter Leichtigkeit. Der Film mutet an wie ein Film für ein kleines Nischenpublikum, doch da die Geschichte sich, ähnlich Flash of Genius, nicht um den eigentlichen Kriminalfall, sondern um die menschlichen Verhaltensweisen drumherum dreht, ist er auch dem breiten Publikum schwerstens zu empfehlen.
Mark Whitacre ist Biologe und arbeitet beim amerikanischen Nähr- und Futtermittelkonzern ADM. Seine Aufgabe ist es, Mittel und Wege zu suchen, um Pflanzen und Tiere schneller wachsen zu lassen. In den frühen 1990ern, noch vor dem Internet und dem verbreiteten Aufkommen von Handies, wendet er sich eines Tages vertrauensvoll ans FBI. Marks Nachricht, dass die großen internationalen Agrarkonzerne Preisabsprachen für ihre Produkte treffen, schlägt dort ein wie eine Bombe. Das FBI bittet Mark um Mithilfe bei der Beschaffung von Beweisen für die Absprachen, denn nur so kann gegen die illegalen Machenschaften vorgegangen werden. Mark ist begeistert und schlägt ein. Er fühlt sich wie ein Geheimagent, genießt seine Rolle als kleiner James Bond. Stolz bezeichnet er sich sogar einmal als Agent 0014, weil er sich für doppelt so gut hält wie die Konkurrenz aus Großbritannien.
Tatsächlich bricht bald eine Flut von Beweismitteln für die Preisabsprachen über das FBI hinein. Mark erweist sich als fähiger Doppelagent, die Klage kann vorbereitet werden. Doch dann stößt das FBI auf Unregelmäßigkeiten. Offenbar hat Mark selbst auch etwas Dreck im Schächtele. Über so etwas kann man bei dieser Größenordnung - es handelt sich mitnichten nur um ein paar unbezahlte Strafzettel - nicht mehr hinwegsehen, schon gar nicht, wenn der Fall medienwirksam zerpflückt werden wird.
Doch was die FBI-Agenten nun nach und nach hervorholen, ist bald nicht mehr nur ein kleines Problem, sondern es könnte die ganze Klage gegen ADM ins Wanken bringen. Schon bald stellt sich Mark Whitacre nämlich nicht nur als (trotz aller Beweise) eher unglaubwürdiger Informant, sondern auch noch als ziemlicher Fantast heraus. Denn welche seiner unbewiesenen Behauptungen stimmen, scheint er nicht einmal selbst zu wissen. Die echten Agenten können eigentlich nur noch verzweifeln, denn Mark Whitacre denkt offenbar auch noch, dass er befördert werden wird, wenn er seine eigenen Vorgesetzten gesetzestreu ins Gefängnis gebracht hat.
Das menschliche Gehirn ist die gefährlichste Waffe aller Zeiten. Umso schlimmer ist es, wenn sie nach hinten losgeht. Steven Soderbergh verfilmt gekonnt die wahre Geschichte des echten Mark Whitacre, der offenbar unter einer bipolaren Störung litt. Das Interessante an diesem Film ist, dass es sich zwar um ein Verbrechen, aber um ein vergleichsweise harmloses handelt. Die Figuren bzw. Personen können sich theoretisch gegenseitig verzeihen, aber auch Gefängnisstrafen zu Lebzeiten absitzen. Während bei Mord und Totschlag Leute stets auf Nimmerwiedersehen in staatliche Obhut verschwinden, ist in diesem Fall ein weiteres Verfolgen der Biografien möglich.
Überhaupt ist Steven Soderbergh ja der beste Mann für solche Filme. Die unbändige Leichtigkeit, mit der er seine Werke zu inszenieren vermag, ist schlichtweg genial. Sämtliche Filmszenen, für den Dreh jeweils aufwändig geplant und vorbereitet, wirken federleicht und geradezu beiläufig mitgefilmt, und das nicht nur in diesem Film. Gerade bei solch schwerwiegenden Entwicklungen, insbesondere, da es sich um eine wahre Geschichte handelt, erzeugt Soderbergh auf diese Weise eine bittersüße, spannende Atmosphäre, in der die Leichtigkeit der Inszenierung der Schwere des Verbrechens diametral gegenübersteht.
Wer selbst schonmal einem irrationalen Spinner wie Mark Whitacre (in medizinisch unbetreuter Variante) begegnet ist, wird diesen Film noch besser genießen können als normale Zuschauer. Denn eines ist klar: Solche Menschen gibt es wirklich, und das nicht nur in führenden Positionen. Ein absolut empfehlenswerter, skurriler und bis zur letzten Sekunde faszinierender Film.