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Zwei "Ossis" machen sich direkt nach dem Mauerfall auf den Weg in die USA, ohne besondere Englischkenntnisse und ohne ausreichend finanzielle Mittel. Daraus kann eigentlich nichts anderes als eine Komödie werden. Und genau das liefert Markus Goller mit seinen beiden Hauptakteuren Friedrich Mücke und Matthias Schweighöfer ab. Zwar schießt die Crew an manchen Stellen deutlich übers Ziel hinaus, dennoch gelingt alles in allem ein unterhaltsames Road-Movie mit einer guten Portion Situationskomik.
Mit Filmen wie Das Leben der Anderen oder Good Bye, Lenin! wurde den "Wessis" und den Generationen, für die die Berliner Mauer nur noch ein Kapitel im Geschichtsunterricht darstellt, bereits ein Einblick in das Leben im Osten gewährt. Man hat sich gegenseitig abgehört und denunziert und jeglicher Einfluss aus dem Westen war schlecht und wurde unterbunden. Doch natürlich gab es auch damals Leute, die sich diesem Zwang nicht fügen wollten. So auch Veit und Tom in Friendship!. Sei es das Abhören von West-Radio mit Hilfe einer selbst gebastelten Antenne oder das Drehen von Filmen wie Nosferatu, eine Symphonie des Grauens. Die Faszination war vorhanden. Aber was geschah nun, als die Mauer endlich gefallen war und sie frei? Während in Good Bye, Lenin! mit allen Mitteln versucht wurde, die westlichen Einflüsse zu vertuschen und die DDR weiterleben zu lassen, stürzt man sich in Friendship! gleich mitten in den Westen, nämlich die USA. Mit allen Konsequenzen...
Und gerade diese sind es, die den Film recht bald zu einem mitreißenden, erheiternden und unterhaltsamen Road-Movie machen. Was tut man, wenn das gesparte Geld gerade so für einen Flug nach New York reicht, man aber eigentlich nach San Francisco möchte? Klar, man versucht per Anhalter vorwärts zu kommen. Wenn man dann aber der Landessprache mehr schlecht als recht mächtig ist, kann das zu witzigen Missverständnissen und komischen Situationen führen und davon gibt es im Film reichlich. Dabei wirken diese aber zu keinem Zeitpunkt gezwungen oder zu sehr konstruiert, sondern sie passieren einfach und werden dann voll ausgekostet. Das sorgt für eine äußerst positive und heitere Grundstimmung und kann über die volle Laufzeit unterhalten. Einziges Manko stellt die Tatsache dar, dass es mit dem "Spaß" an mancher Stelle ein bisschen übertrieben wurde. Zwar ist die Euphorie der beiden Jungs durchaus nachvollziehbar, die über die Straßen Amerikas brausen und sich ihrer Freiheit erfreuen. Allerdings geht einem das ständige und zeitweise zu überdrehte "Juhu" nach einiger Zeit ein bisschen auf die Nerven.
Da ist es ein recht angenehmer Ausgleich, dass der Handlungsstrang um Veit und seinen verschollenen Vater auch etwas ernstere Töne anschlägt und die ganze Geschichte wieder auf den Boden zurückholt. Dabei schwingt dieses Motiv, obwohl es eigentlich den zentralen Punkt und den eigentlichen Grund für die Reise nach San Francisco darstellt, meist nur unterschwellig mit und gerät erst zum Schluss in den Vordergrund. Dadurch wird der Spaß nicht sonderlich getrübt, die Story aber mit Substanz gefüttert. Auch das Motiv der "Freundschaft" der beiden Protagonisten ist angenehm in die Geschichte integriert. Dabei ergänzen sich Matthias Schweighöfer, der den offenen und redseligen Tom gibt, und Friedrich Mücke, dessen Veit eher in sich gekehrt und zurückhaltend ist, sehr gut. Auch die Tatsache, dass gerade diese Charaktereigenschaften zu Spannungen und Missverständnissen zwischen den beiden Freunden, die sich eigentlich schon seit der Kindheit kennen, führen, ist zu jedem Zeitpunkt absolut nachvollziehbar und schlüssig und fügt sich dadurch sehr schön in das Gesamt-Konstrukt.
Natürlich wird auch mit Vorurteilen nicht gerade sparsam umgegangen. So werden sowohl die Amis auf die Schippe genommen, die entweder von der Mauer in Deutschland noch nie etwas gehört haben, oder so begeistert davon sind, dass sie jeden Schwachsinn glauben. Aber auch die Ossis kommen natürlich nicht zu kurz, die von der restlichen Welt bislang noch nicht viel mitbekommen haben und deshalb HotDogs nun als ihr Leibgericht ansehen oder ihren Spaß mit einem fernbedienbaren Bett haben. Auch das äußerst dürftige Englisch der beiden Jungs sorgt immer wieder für einen Lacher oder eine amüsante Situation. Dabei werden die Scherze aber nicht langweilig, da sie immer wieder natürlich und frisch daher kommen. Generell wurden einige wirklich gute Ideen verbaut, die dem ganzen den nötigen frischen Anstrich verleihen.
Während man generell bei der Kategorie "deutsche Komödie" an Filme wie 7 Zwerge - Männer allein im Wald, 1 ½ Ritter - Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde oder Schlimmeres denkt, kann sich Friendship! aus diesem Kreis eindeutig lösen. Zum Einen sind hier keine einschlägig-bekannten Comedians am Werk und zum Anderen bewegt man sich auf einem deutlich höheren Niveau. Das lässt hoffen, dass deutsche Filmproduktionen endlich auch in der Lage sind, Filme auf den Markt zu bringen, die sich ernsthaft mit der Konkurrenz aus anderen Ländern messen können und das nicht nur in den dramatischen Segmenten, sondern eben auch in der Sparte der leichten Unterhaltung mit dem gewissen Schuss an Niveau. |