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Nach seinen ersten beiden Filmen The Replacement Killers und Bait - Fette Beute präsentiert uns der frühere Musikvideo-Filmer Antoine Fuqua erstmals einen Film mit etwas mehr Tiefgang und einem intelligenten Drehbuch. In der Rolle des Anti-Helden erleben wir Denzel Washington, der für Training Day die fieseste Performance seines Lebens an den Tag legt. Er spielt den Drogenfahnder Alonzo Harris, der für seine Undercoverermittlungen seine ganz eigenen und abenteuerlichen Methoden entwickelt hat. Ihm zugeteilt wird der Neuling Jake Hoyt, der beim selbsternannten besten Drogenfahnder der Stadt das Handwerk lernen soll. Gespielt wird Jake Hoyt von Ethan Hawke, der eine starke Leistung abliefert und den gesetzestreuen, pflichtbewussten aber irgendwie hin und her gerissenen Cop perfekt auf die Leinwand bringt.
Der Filmtitel Training Day macht hier wirklich noch eine Aussage über den Film, denn die Handlung ist auf einen einzigen Tag begrenzt. Es ist der erste Arbeitstag von Jake Hoyt beim LAPD. Er wurde in die Spezialeinheit von Drogenfahnder Alonzo Harris berufen und geht mit dem eigenwilligen Polizist auf die Jagt nach den bösen Buben. Die beiden Treffen in einem kleinen Cafe zum erstenmal aufeinander und es kommt sofort zu einem hitzigen und witzigen Wortgefecht, bei dem der Erfahrene dem Greenhorn sofort zeigt, wo der Hammer hängt. Im Laufe des Tages versucht Alonzo Harris dem Neuling seinen Job näher zu bringen und macht ihm klar, dass man wie ein Krimineller denken muß, um einen Kriminellen einkassieren zu können.
Hauptdarsteller Denzel Washington macht auch als Bösewicht eine gute Figur und liefert wie gewohnt eine bärenstarke Vorstellung. Rein optisch würde man seine Figur Alonzo Harris nie für einen Polizisten halten, denn er fährt einen 1978 Monte Carlo Low-Rider, trägt fast ebenso viele Ketten um den Hals wie Mr. T und wirkt in seinem schwarzen Lederoutfit wie der Obermacker persönlich. Auch sein Verhalten und seine Dienstauffassung werden vom Publikum und von Jake Hoyt schnell in Frage gestellt. Vergessen wir den guten alten "Kein Alkohol im Dienst"-Cop, bei Alonzo Harris gibt's erst mal einen Whiskey zum Warmwerden und dann gleich ein Six-Pack hinterher. Er vertritt auch die Auffassung, dass jeder Drogenfahnder wissen muss, wonach er fahndet und deswegen Drogen konsumieren sollte. Er liebt es, kleinen Fischen einen riesen Schreck einzujagen und haut Vergewaltigern lieber saftig eins in die Nüsse anstatt sie fachgerecht einzubuchten.
Für das Drehbuch zu Training Day hat The Fast and the Furious Autor David Ayer sein Gehirn wieder aus der Schublade gekramt und eine intelligente Story über einen korrupten Drogenfahnder niedergeschrieben. Dabei spielt er mit dem Publikum und läßt es am Anfang im ungewissen, was es von Alonzo Harris halten soll. Zunächst hält man ihn für einen gerechten Cop, der es mit dem Gesetz nicht so ganz genau nimmt. Doch dann kristallisiert sich mehr und mehr heraus, dass der gute Alonzo doch das ein oder andere Mal über die Stränge schlägt. Dabei geht es dem Publikum wie Jake Hoyt, zunächst läßt es sich von Alonzo mitreißen und vertraut ihn, doch mit der Zeit beginnt er seine Methoden zu hinterfragen. Leider driftet der Film im letzten Drittel zu stark ins billige Action-Genre ab und distanziert sich zunehmend von der bis dahin interessanten Story über Gewissen und Moral.
Dank eines, bis auf weite Stecken, guten Drehbuchs, einer guten Regie und zweier blendend spielender Hauptdarsteller entstand mit Training Day ein guter und sehenswerter Film. Antoine Fuqua legt hier nicht ganz so viel wert auf hippen Style, wie in seinem letzten Film Bait - Fette Beute, sondern lässt es etwas ruhiger angehen. Dadurch überfährt er den Zuschauer nicht visuell und man kann sich in ruhiger Atmosphäre auf die beiden Hauptcharaktere und die Story konzentrieren. Wie bereits erwähnt haben die beiden Hauptdarsteller großen Anteil am Funktionieren des Films, wobei vor allem Denzel Washington heraussticht, der sich zur Abwechslung mal in die Fieslingsecke begibt. Des weiteren sind die kleinen Auftritte der Musikstars Snoop Dogg, Dr. Dre und Macy Gray gut gelungen und passten perfekt ins Bild. Wer also nach dem Gegen jede Regel-"Laßt uns Bäume ausreißen"-Denzel Lust auf den "mean"-Denzel hat, der sollte sich Training Day keinesfalls entgehen lassen. |