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Das Massaker von Katyn

(Katyn, 2007)

Dt.Start: 17. September 2009 Premiere: 17. September 2007 (Polen)
FSK: ab 16 Genre: Drama, Krieg
Länge: 121 min Land: Polen
Darsteller: Andrzej Chyra (Lt. Jerzy), Maja Ostaszewska (Anna), Artur Zmijewski (Andrzej), Danuta Stenka (Róza), Jan Englert (General), Magdalena Cielecka (Agnieszka), Agnieszka Glinska (Irena), Pawel Malaszynski (Lt. Piotr), Maja Komorowska (Andrzejs Mutter), Wladyslaw Kowalski (Professor Jan), Antoni Pawlicki (Tadeusz), Agnieszka Kawiorska (Ewa), Sergey Garmash (Maj. Popov), Joachim Paul Assböck (Obersturmbannführer Brunon Müller)
Regie: Andrzej Wajda
Drehbuch: Andrzej Mularczyk, Przemyslaw Nowakowski


Inhalt

In Europa herrscht der Zweite Weltkrieg. Polen ist geteilt. Während Flüchtlingsströme von Westen vor den deutschen fliehen, begegnen sie welchen aus Osten, die vor den Sowjets davon laufen. Diese haben bereits 22 000 polnische Offiziere in Gefangenschaft genommen, darunter Andrzej. Dessen Frau Anna spürt ihn zwar auf, kann ihn aber nicht fliehen bewegen. Während sie zurück nach Krakau gelangt, bleibt ihr Mann in Gefangenschaft und sie kann nur warten, ob er jemals zurückkommt. Als eine Liste mit allen von den Sowjets getöteten Männern veröffentlicht wird, taucht Andrzejs Name nicht auf.
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Kritik

Das Massaker von Katyn hat eine Wertung von 47%
Die Aufarbeitung der Gräueltaten im II. Weltkrieg will kein Ende finden: anders als in den letzten Monaten, in denen schon inflationär NS- und Post-NS-Dramen unterschiedlicher Güte die Kinos bevölkerten, liefert Das Massaker von Katyn ein Stück Geschichtsaufarbeitung, das zur Abwechslung eine andere Nation auf die Anklagebank setzt. Nach der Kapitulation der polnischen Armee gehen tausende von Offizieren in sowjetische Gefangenschaft. Die sowjetische Führung aber hat nicht vor, sie als Kriegsgefangene zu internieren. Starkes Thema mit schwacher Inszenierung und unvorteilhaften dramaturgischen Längen.

Bild aus Das Massaker von Katyn Üblicherweise hatte das Böse in der Zeit von 1933 - 1945 ein Gesicht: Der Schreckensterror des Regimes um Adolf Hitler und seiner Schergen darf auch in keiner Weise relativiert werden, doch in einer anderen Diktatur, die am Ende zu den Siegermächten zählte, ging es kaum einen Deut besser zu: Die Opferzahlen dieses Regimes im eigenen Land belaufen sich auf Millionen. Josef Stalin ging bekanntermaßen bei der Beseitigung von Oppositionellen und Andersdenkenden nicht zimperlich zur Sache. Diese Säuberungsmethode wurde dann auch auf die Länder angewendet, die das Pech hatten, in die Fänge der Sowjetunion zu geraten.

Es ist 1939. Nazideutschland hat gerade Polen überfallen. Noch wehren sich die zahlenmäßig und technologisch völlig unterlegenen polnischen Truppen mit dem Mut der Verzweiflung gegen den übermächtigen Nachbarn. Auch wenn dies der Film ausspart: Teilweise ritten polnische Regimente mit Kavallerie gegen deutsche Panzerdivisionen. Während also dieser hoffnungslose Kampf im Westen geführt wird, überquert die Rote Armee im Osten die polnische Grenze und kesselt die Verteidiger ein. Hitler und Stalin haben Polen auf der Landkarte geteilt und dieser Plan wird mit chirurgischer Akribie im Felde umgesetzt. Zwischen diesen beiden damaligen Supermächten wird die polnische Armee regelrecht aufgerieben. Die Kapitulation ist unausweichlich. Anschließend werden Offiziere und einfache Soldaten voneinander getrennt. Die in Gefangenschaft geratenen Truppen sind somit Kopf- und Führungslos; das minimiert die Gefahr von Aufständen.

Abertausende befinden sich auf der Flucht. Vom Westen her drängen deutsche Truppen in das Land, vom Osten die rote Armee. Mitten auf einer Brücke laufen die Flüchtenden ineinander. Hüben wie Drüben gibt es kein Entrinnen. Sinnbildlich steht das Chaos auf diesem schmalen Übergang für die Konfusion einer ganzen Nation. Unter den Flüchtenden befindet sich Anna (Maja Ostaszenka), deren Mann Andrzej (Artur Zmijewski) als Offizier in der polnischen Armee dient. Auf dem Fahrrad ist sie hunderte von Kilometern, auf der Suche nach ihm, von Krakau angereist. Sein Regiment wurde aufgerieben, er hat aber überlebt und soll nun gemeinsam mit den anderen Offizieren in ein Lager nach Russland deportiert werden.

Zu den emotionalsten Szenen des Films gehört sicherlich Annas Appell an Andrzej gemeinsam mit ihr zu fliehen. Sie hat sich zum Bahnhof geschlichen, wo die polnischen Offiziere auf ihren Abtransport warten. Doch ihr Mann hat nicht nur ihr gegenüber ein Gelöbnis geleistet, auch seinem Vaterland hat er einen Eid geschworen. So bleibt er bei seinen Kameraden, einem ungewissen Schicksal entgegenblickend. Das ist heldenhaft, wie pathetisch zugleich. Seinem Vater ergeht es indes nicht besser: Als Universitätsprofessor gehört er zur intellektuellen Elite des Landes, und als die Freiheit der Lehre von der NS-Besatzung abgeschafft wird, folgt die Deportation der Lehrer nach Sachsenhausen.

Siegermächte landen selten auf der Anklagebank. Es dauerte, bis die Wahrheit über eines der grausigsten Verbrechen der jüngeren Geschichte Polens aufgedeckt wurde. Im April 1940 wurden in den Wäldern von Katyn 22.000 polnische Offiziere eiskalt und gnadenlos hingerichtet. Als der Hitler-Stalin-Pakt mit der Invasion der deutschen Armee in die damalige Sowjetunion zerbrach und die Massengräber, im nun ganz von Deutschland besetzten Polen, gefunden wurden, bediente sich die deutsche Propagandamaschinerie dieser Leichen, um auch politisch Front gegen den kommunistischen Feind zum machen. Wahrscheinlich das einzige mal, dass in dieser Zeit von der deutschen Führung die Wahrheit gesprochen wurde. Als der Kriegsverlauf sich abermals wendete, instrumentalisierten nun die Sowjets ihrerseits das Verbrechen und lasteten es Deutschland an. Es dauerte wieder über vier Jahrzehnte bis die Wahrheit zutage kam.

Regisseur Andrzej Wajda nimmt sich, nach dem Roman Post Mortem von Andrzej Mularczyk, dieses Verbrechens für seinen Film Das Massaker von Katyn an. Sein eigener Vater zählte zu den Opfern und so ist das besondere persönliche Interesse nicht von der Hand zu weisen. Mehr als an der Tat an sich, hängt sich die Handlung aber an Einzelschicksalen auf. Und damit setzt leider auch schon die inszenatorische Schwäche ein: Grundsätzlich werden viele der Figuren nicht wirklich sauber eingeführt. Oft ist man gar nicht sicher auf welchem erzählerischen Strang man sich gerade befindet. Die Schauplätze wechseln, mal befindet man sich bei den Angehörigen, ein andermal bei den Gefangenen, und teilweise wird nicht chronologisch berichtet. Das macht es nicht gerade leicht, der Handlung zu folgen.

Viel schwerer wiegt, dass der Film scheinbar nicht gerade für die Sehgewohnheiten eines internationalen Publikums gedacht ist. Zu wenig dynamisch der Schnitt, zu lang die einzelnen Einstellungen, oft verliert sich alles in erzählerisch nebensächlich- bis belanglosem. Und die vielen, sich lang dahin ziehenden, Close-ups, verleihen dem Film eine durchgängig bleierne Schwere, die es manch einem schwer machen könnte, bis zum Ende auszuharren. Einzig und allein die originaldokumentarischen filmischen Zeitzeugnisse, die eingeflochten werden, bringen frischen Wind hinein. Doch bei aller Kritik an der schwachen Dramaturgie und faden Inszenierung: Das Ende beeindruckt wirklich. In kalter Nüchternheit fängt Das Massaker von Katyn die bestialische Untat ein - den Mord an den gefangenen polnischen Offizieren. Die Intensität dieses Schlussszenarios ist es, die noch lange nachwirkt. Schade nur, dass vorher soviel Zeit verschwendet wurde. Da wäre weitaus mehr drin gewesen.

von Dimitrios Athanassiou


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