Bemerkenswert gelungener Film über werdende Eltern, die die richtigen Umstände für das Gründen einer Familie suchen. Absolut feinfühlig inszeniert, großartig besetzt, und bodenständig geschrieben. Hier sucht kein Hochglanzpaar nach einer Nanny, sondern das Pärchen von Nebenan seine kleine Nische im weiten, unvorhersehbaren Leben. Geheimtipp!
Verona und Burt erwarten ihr erstes Baby. Doch das Haus, in dem sie leben, ist mehr als ungeeignet für die junge Familie: Zu klein, zugig, etwas runtergekommen und als einziger Pluspunkt nur in der Nähe von Burts Eltern. Die freuen sich zwar sehr über die Schwangerschaft, aber nicht genug, um die geplante Auswanderung nach Belgien zu verschieben.
Leicht konsterniert stehen Verona und Burt vor der Frage, was sie denn nun in dieser Gegend sollen, in die sie ursprünglich nur wegen der Nähe zu den Großeltern in spe gezogen sind. Die Entscheidung ist schnell getroffen: Ein neues, kindgerechtes Leben wird angefangen, irgendwo in den USA. Die Möglichkeiten sind unendlich, von Alaska bis Südkalifornien, von Florida bis Maine, oder irgendwo dazwischen können Verona und Burt sich niederlassen. Zum Glück sind beide selbständig und so nicht ortsgebunden.
Um sich zu orientieren, beschließen die beiden, Freunde und Verwandte zu besuchen, um sich deren Städte näher anzusehen. Die Reise entwickelt sich zu einem wahren Augenöffner: Das Bouquet der erzieherischen Glaubensrichtungen der Besuchten reicht von adoptionsfreudigem, da kinderlosem Ehepaar über zynische, da tendenziell überforderte Eltern bis hin zum Späthippiepaar mit Schmusewiese und militanter Kinderwagen-Abstinenz, das seine Kinder schon in den frühesten Lebensjahren mit seiner eigenwilligen Lebenseinstellung völlig fertig macht.
Away We Go ist einer dieser ruhigen Filme, die das Zeug haben, den ganzen Weg bis zur Oscarverleihung zu schreiten. Hier stimmt einfach alles, angefangen vom Casting für Verona und Burt (Maya Rudolph und John Krasinski geben das perfekte Normalo-Paar ab), über die so einfache und doch so herrlich frische Geschichte bis hin zur nichtinvasiven, aber doch aufwendigen Kameraarbeit. Dazu spielt ein absolut kultverdächtiger, verträumter Soundtrack, hauptsächlich von Alexi Murdoch, aber auch mit ein paar schönen Klassikern.
Wirklich sehenswertes, zartfühlendes, feines Kino über die Liebe, das Leben und seine Spielarten, in dem sich jeder irgendwo wiedererkennen wird. Besonders geeignet für Paare, die die verflixten ersten sieben Jahre überstanden haben und nun vor der Frage nach dem Nachwuchs stehen, aber auch für alle anderen Paare, werdenden Paare, Eltern und natürlich alle ehemaligen Kinder, die sich noch allein auf dem Weg ins weite Leben befinden.