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Sturm

(Storm, 2009)

Dt.Start: 10. September 2009
DVD: 30. April 2010
Premiere: 07. Februar 2009 (Berlinale, Deutschland)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 103 min Land: Deutschland
Darsteller: Kerry Fox (Hannah Maynard), Anamaria Marinca (Mira Arendt), Stephen Dillane (Keith Haywood), Rolf Lassgård (Jonas Dahlberg), Alexander Fehling (Patrick Färber), Tarik Filipovic (Mladen Banovic), Kresimir Mikic (Alen Hajdarevic), Steven Scharf (Jan Arendt), Joel Eisenblätter (Simon Arendt), Wine Dierickx (Jule Svensson), Reinout Bussemaker (Carl Mathijsen), Bent Mejding (Richter Lars Andersen), Alexis Zegerman (Daliah Sofer), Arturo Venegas (Arnold Michaels), Drazen Kuhn (Goran Duric)
Regie: Hans-Christian Schmid
Drehbuch: Bernd Lange, Hans-Christian Schmid


Inhalt

Hannah Maynard ist Anklägerin am Kriegverbrechertribunal in Den Haag. Als sich ihr Hauptbelastungszeuge im Fall gegen einen mutmaßlichen serbischen Kriegsverbrecher erst in Widersprüche verstrickt und dann sogar Selbstmord begeht, reist Hannah zu dessen Beerdigung, auf der sie Mira, der Schwester des Toten, begegnet. Obwohl die Frau verängstigt ist, kann Hannah sie zur Aussage überreden, doch muss sie bald feststellen, dass Politik und Gerechtigkeit manchmal offenbar schwer miteinander vereinbar sind.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Sturm hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 65%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Sturm hat eine Wertung von 65%
Politik ist immer ein schmutziges Geschäft. Recht hingegen hat nur gelegentlich was mit Gerechtigkeit zu tun. Selbst am internationalen Gerichtshof in Den Haag ist dies mitunter so. Zumindest ist die Gerechtigkeit der Opfer, dort nicht immer Chefsache. Zum Glück gibt es aber noch engagierte Ankläger wie die resolute Hannah Maynard. Ihr Gerechtigkeitssinn scheint noch keinen Schaden genommen zu haben, wird aber arg strapaziert, als ihr ein Fall zu entgleiten beginnt. Schwierig aber wichtig, damit lässt sich Sturm gut beschreiben. Empfehlenswert besonders für Freunde trockener Justiz- und Politdramen.

Bild aus Sturm Nicht alle Kriege haben eine gleichermaßen lange Verweildauer im Gedächtnis der Öffentlichkeit. Der bosnisch-serbische Krieg ist nicht einmal 20 Jahre her, und während das Grauen des Dritten Reichs immer wieder aufgelegt wird, sind die Verbrechen, die in diesem ethnischen Konflikt (1992 - 1995) passierten, kaum mehr in Erinnerung oder in der medialen Berichterstattung zu finden. Die Schrecken in der Zeit des Naziregimes (1933 - 1945) waren ein Vielfaches furchtbarer. Aber im Jugoslawienkrieg kamen ebenfalls Morde an Zivilisten, Vergewaltigungen, Massenexekutionen und ethnische Säuberungen vor. Mit Sturm nimmt sich Regisseur Hans-Christian Schmid dieses Themas in Form eines komplexen Justizdramas an, das auch über gewisse klaustrophobe Ansätze eines Thrillers verfügt. Das Bedrückende entsteht hier durch die geringen Freiheiten und vielen Begrenzungen, die sich zwangsläufig auftun, wenn unterschiedliche bürokratischen Instanzen und Interessensgruppen um die Hoheit im Rahmen eines Kriegsverbrecherprozesses miteinander ringen.

Hannah Maynard (Kerry Fox) ist Vertreterin der Anklage am Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. Sie führt als Chefanklägerin den Prozess gegen Goran Duric, einen ehemals hochrangigen Offizier der damaligen Jugoslawischen Volksarmee. Er soll verantwortlich sein für die Deportation und spätere Ermordung bosnisch-muslimischer Zivilisten in Kasmaj, einer Kleinstadt in der heutigen Republik Srpska. Die Anklage stützt sich im Wesentlichen auf einen Augenzeugen, der die Verschleppung der Menschen mit angesehen haben will. Doch vor Gericht gelingt es der Verteidigung Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Zeugen aufkommen zu lassen. Das macht eine Überprüfung seiner Aussage vor Ort in Bosnien notwendig. Nach dem Außentermin steht unumstößlich fest: Der Zeuge hat gelogen. Er kann das, was er mit angesehen haben will, gar nicht gesehen haben.

Nachdem ihn Hannah verbal harsch wegen seines Verhaltens attackiert, nimmt er sich im Hotelzimmer das Leben. War es die Schuld oder die Scham? Die Anklage scheint sich jedenfalls aufzulösen. Hannah steht vor einem Desaster. Wenn nicht schnell neue Beweismittel oder Zeugen präsentiert werden, wird Duric (Drazen Kühn) wieder auf freien Fuß gesetzt. Doch noch gibt sie den Fall nicht verloren: Auf der Beerdigung des Zeugen begegnet ihr seine Schwester Mira (Anamaria Marinca). Hannahs Gefühl sagt ihr, dass Mira mehr über Duric weiß, als sie zugeben möchte. Es dauert, bis sie Miras Vertrauen gewinnen kann. Diese lebt eigentlich in Deutschland gemeinsam mit ihrem Mann und Sohn und möchte ihre Familie nicht gefährden. Sie weiß sehr wohl, dass Durics Schergen sie auch dort aufspüren können. Anderseits ist es längst Zeit mit der Vergangenheit und den Verbrechern abzurechnen.

Es ist schon sehr beängstigend, mit ansehen zu müssen, wie angreifbar und verletzbar selbst jemand ist, der in unserem Land lebt. Der Arm solcher Kriegsverbrecher reicht weit, seine Sympathisanten und Gefolgsleute scheinen keinerlei Schwierigkeiten zu haben jemanden hier auffindbar zu machen und schrecken auch vor nichts zurück. Das wirkt keinen Augenblick gekünstelt oder übertrieben. Plötzlich ist die Gefahr präsent: substanziell, real greifbar und frei von jeglicher theatralischer Dramatik. So wie Sturm selbst ist. Still aber im inneren tobend. Kerry Fox in der Rolle einer resoluten Staatsanwältin versucht alles, um der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen. Wohlgemerkt: Der Gerechtigkeit. Denn Recht zu sprechen, bedeutet noch lange nicht, dass auch Gerechtigkeit widerfährt.

Dafür nimmt die mutige Frau manch eine Tortour auf sich. Fährt sogar allein zu den Orten, wo manch ein Verbrechen vor Jahren stattfand, um auf eigene Faust zu ermitteln. Als Mitfahrender Zuschauer erlebt man, wie schnell sich das Verändern kann, was wir als Realität kennen. Man braucht nicht einmal 2.000 km zu reisen und gelangt an Orte, in denen individuelle Sicherheit eine sehr spezielle Sache ist; man braucht nur ein paar unangenehme Fragen über die Vergangenheit zu stellen und macht sich prompt ganz viel "Freunde".

Die andere Seite der Ernüchterung folgt, wenn einem klar wird, dass selbst die UNO kein wirkliches Interesse hat, immer wieder die selben Akten zu wälzen und manchmal gerne ein Kriegsverbrechertribunal für beendet erklärt, auch wenn nicht alle Verbrecher verurteilt wurden. Die UNO sichert den Frieden und da ist es im Sinne des diplomatischen Geistes auch mal notwendig, gewisse Dinge ad acta zu legen, damit einfach Normalität und "Friede" einkehren kann. Genau zwischen diesen Interessen reiben sich engagierte Ankläger am internationalen Gerichtshof auf. Auch das wirkt vollends glaubhaft. Keine Sekunde zweifelt man, dass solche Deals laufen. Verstärkt wird dies bei Sturm durch einen dokumentarischen Charakter, der alles sehr real erscheinen lässt, aber auch immens anstrengt.

Der Film verlangt dem Zuschauer einiges ab. Es ist notwendig die Figuren im Auge zu behalten, was sie sagen, nicht sagen. Und auf viele feine Nuancen zu achten, um den Ränkespielchen auf die Schliche zu kommen. Mit einigen Rückblenden zu den verhandelten Verbrechen wäre sicherlich etwas mehr Dynamik ins Geschehen gebracht worden und hätte dem Film vielleicht auch dramaturgisch gut getan. So ist man zu sehr darauf angewiesen, alles aus dem Erzählten zu extrahieren. Dennoch aber ist Sturm zu einer gelungenen Lehrstunde über die Untiefen europäischer Rechtspolitik geworden, die man sich ruhig gönnen darf.



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4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage
Dt. Start: 22. Nov 2007
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