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Eden Lake

(Eden Lake, 2008)

Dt.Start: nicht bekannt
DVD: 17. April 2009
Premiere: 15. Mai 2008 (Cannes Film Festival, Frankreich)
FSK: ab 18 Genre: Horror, Thriller
Länge: 91 min Land: UK
Darsteller: Kelly Reilly (Jenny), Michael Fassbender (Steve), Tara Ellis (Abi), Jack O'Connell (Brett), Finn Atkins (Paige), Jumayn Hunter (Mark), Thomas Turgoose (Cooper), James Burrows (Harry), Thomas Gill (Ricky), Lorraine Bruce (Tanya), Shaun Dooley (Jon), James Gandhi (Adam), Bronson Webb (Reece), Lorraine Stanley (Nat), Rachel Gleeves (Mel)
Regie: James Watkins
Drehbuch: James Watkins


Inhalt

Die Kindergärtnerin Jenny und ihr Freund Steve wollen ein paar friedliche Tage fernab Londons an einem See in der englischen Provinz verbringen. Ihre Urlaubsstimmung vor Ort wird jedoch bald von einer Gruppe Jugendlicher gestört, die mit einem knurrenden Rottweiler ihre Späße mit dem Paar treiben. Die erste Auseinandersetzung zwischen Steve und den Halbstarken verläuft gerade noch gesittet, doch als die Einheimischen das Auto der Urlauber stehlen, eskaliert die Situation. Für Steve und Jenny beginnt ein blutiger Albtraum.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Eden Lake hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 79%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Kurt Meinicke
Eden Lake hat eine Wertung von 79%
Sommerzeit ist Ferienzeit! Und so mancher Romantiker hat vielleicht auch während des Frühlings die Idee bekommen, seine Angebetete mit einem Heiratsantrag in freier Natur, am besten am Ufer eines malerischen Sees, zu überraschen. So zumindest hatte sich das wohl einer der Protagonisten in Eden Lake gedacht, wobei er diese Rechnung aber nicht mit der ortsansässigen Jugend gemacht hat: Diese hat keinerlei Anstand, ist übermäßig gewaltbereit und zu allem fähig! Was für das Liebespärchen schnell zum Albtraum und Kampf ums Überleben wird, erweist sich für den Zuschauer als solider und immer wieder sehr schockierender Terrorfilm, welcher lediglich ein paar zusätzliche Innovationen hätte vertragen können.

Bild aus Eden Lake Nachdem der Jugendschutz im Filmbusiness - hierzulande vor allem aufgrund der durch Familienministerin Ursula von der Leyen initiierten neuen FSK-Kennzeichnungen - immer präsenter wird, hat sich auch Regisseur und Drehbuchautor James Watkins (co-Autor bei The Descent 2) dem Thema Jugendkriminalität angenommen: In seinem Erstlingswerk Eden Lake kombiniert er dieses ernste Problem mit einem klassischen Terrorfilm im Stil von Michael Bay's Texas Chainsaw Massacre oder - um auch einen Film dieser Art der neueren Generation zu nennen - Wrong Turn. Wo aber ein gewisser Xavier Gens mit seinem Frontier(s) den Fokus eher auf Splatter lenkte, tendiert James Watkins zum harten Thriller mit Drama-Elementen. An diesem Seeufer werden jedenfalls keine blutrünstigen Schlachtfeste zelebriert, sondern menschliche Abgründe offenbart und in eine gleichermaßen stimmige wie auch schockierende Geschichte eingebettet.

Das Mittelklassepaar Steve (Michael Fassbender) und Jenny (Kelly Reilly) fährt an den malerischen See Eden Lake, um ein paar Tage in der Ruhe der Natur zu verbringen. Jenny ahnt allerdings nicht, dass Steve plant, ihr dort in trauter Zweisamkeit einen Heiratsantrag zu machen. Auf der anderen Seite weiß Steve noch nicht, dass er nicht dazu kommen wird. Auch mit der Ruhe und Zweisamkeit will es nicht so recht klappen, und von Anfang an steht der Trip unter keinem guten Stern: Kaum angekommen taucht eine Gruppe Jugendlicher am Ufer auf, und die ersten Reibereien zwischen dieser und dem turtelnden Pärchen lassen nicht lange auf sich warten. Schon bald entsteht aus einer Stichelei eine Handfeste Streiterei, welche bald dermaßen eskaliert, dass es plötzlich für alle Beteiligten um Leben und Tod geht!

Mit sicherer Hand, einem bedrückenden Score und einer sehr gelungenen Inszenierung gelingt James Watkins mit Eden Lake ein atmosphärisch dichter und kompromissloser Terrorfilm über die Abgründe der heutigen Jugend. In Zeiten von Handypornos und Happy Slapping erhält der Film eine tragische Brisanz, welche auch hauptsächlich für das funktionieren der Geschichte verantwortlich ist. Es dürfte wohl jedem Zuschauer mehr als nur einen Schlag in die Magengrube versetzen, wenn er sieht, zu was diese jungen Menschen (teilweise sind die Mitglieder der Gruppe sogar eher noch als Kinder anzusehen) fähig sind... und dies außerdem auch immer schön mit der Handykamera mitfilmen! Der Anführer der Gruppe namens Brett (Jack O'Connell) verkörpert hierbei das furchteinflößendste Element und immer wieder mag man kaum glauben, zu was für immer drastischer werdenden Rundumschlägen dieser Charakter ausholt. Ein fader Beigeschmack entsteht allerdings beim Versuch der Begründung dieser verabscheuenswerten Verhaltensmuster: In diesen Momenten wird ganz tief in die Klischeekiste gegriffen, weswegen man sich bald wünscht, die Hintergründe gar nicht zu kennen. Auch dem Schluss - so wirkungsvoll und schockierend dieser auch sein mag - haftet eine gewisse Enttäuschung in Punkto Ideenreichtum an, denn irgendwie hat man das schon mehr als einmal gesehen. Andererseits könnte man dies aber auch dahingehend interpretieren, dass James Watkins am Ende der Geschichte einfach zu den Wurzeln des Terrorfilms zurückkehren will... und aus diesem Blickwinkel betrachtet, kann man nur von einem gelungenen Vorhaben reden.

Auch die Hauptdarsteller leisten ihren Beitrag zur gelungenen Atmosphäre des Filmes und bilden dabei ein recht homogenes Gesamtbild. Kelly Reilly (Peaches, Dead Bodies) ist in ihrer Rolle mehr als überzeugend, weswegen man ihr auch problemlos gewisse (drehbuchbedingte) Handlungen abkauft, welche nicht unbedingt als nachvollziehbar gelten dürften. Auch Michael Fassbender (300, Inglourious Basterds) schlägt sich in seiner Rolle definitiv besser, als seine Figur innerhalb der Auseinandersetzung mit der Jugendgang, wobei er jedoch um Einiges weniger an Screentime besitzt, als seine Filmpartnerin. Last but not least muss an dieser Stelle auch Jack O'Connell (This is England) ein großes Lob ausgesprochen werden, denn egal wie brutal er sich verhält: Man kauft es ihm ab! ... auch dann wenn man es noch so gerne als fiktiven und weit hergeholten Blödsinn abstempeln würde. Was die restlichen Jugendlichen und Kinder angeht - sowie deren Erziehungsberechtigten - so ist das Bild wieder weniger einheitlich, was aber nur einen geringen negativen Einfluss auf die Wirkung dieses Horrorthrillers besitzt und dabei außerdem nur punktuell auffällt.

Horrorfilme gibt es wie Sand am Meer - Terrorfilme auch. Filme dieser Art, welche zu überzeugen wissen, sind allerdings eher selten anzutreffen, weswegen interessierte Filmfans mit Eden Lake nur wenig falsch machen können. Zwar baut die schockierende Wirkung hauptsächlich auf die Parallelen zu aktuellen Entwicklungen, aber genau deswegen ist der Streifen auch dermaßen unangenehm und schafft es den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen, um ihm am Ende mit voller Wucht einen heftigen Tritt in das fassungslose Gesicht zu verpassen. Wer damit umgehen kann, darf sich auf einen gelungenen Filmabend freuen - alle anderen seien hiermit gewarnt: Don't camp at Eden Lake!



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