Bewegendes biografisches Portrait der Mode-Ikone Nummer Eins, Coco Chanel. Der Film konzentriert sich auf den Beginn ihrer Karriere und spielt ausschließlich in den jungen Jahren der Modeschöpferin. Eine absolut authentisch wirkende Ausstattung und hervorragende Nebendarsteller ermöglichen das Eintauchen in längst vergangene Zeiten mit Leichtigkeit.
Zwei kleine Mädchen werden im Waisenhaus abgegeben. Der Fahrer der bäuerlichen Pferdekutsche ist der Vater der Kinder. Er blickt sich nicht einmal um, um sich zu verabschieden, als seine Töchter auf Nimmerwiedersehen im Heim verschwinden. Jahre später arbeiten Gabrielle und Adrienne als Varietésängerinnen und Näherinnen: Tagsüber werden Säume und anderes genäht, abends wird vor weitgehend berauschtem Publikum gesungen. Natürlich bleiben plumpe Avancen zahlungswilliger Vergnügungssüchtiger nicht aus, die Schwestern sehen sich bisweilen sogar dazu gezwungen, sich die Angebote durch den Kopf gehen zu lassen, um sich zu verbessern. Als Waise hat man nunmal nicht viel Spielraum zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Doch Gabrielle, auch Coco genannt, will sich nicht verkaufen. Sie ist zwar gezwungen, sich dem Neureichen Etienne anzubiedern, doch innerlich bewahrt sie sich ihre Freiheit, ihre Integrität. Coco leidet stets unter dem Zwiespalt, zu Höherem berufen zu sein und sich dennoch täglich als von Etienne abhängig wiederzufinden. Erst als sie mit Arthur die echte Liebe kennenlernt, wagt sie den Ausbruch in die reale Welt. Die Erfahrung als Näherin kommt ihr mehr als zugute, und so beginnt Coco zunächst, Hüte herzustellen. Damit ist der Anfang einer Karriere gemacht, deren Ausmaße sich die junge Gabrielle niemals erträumt hätte.
Coco Chanel ist nicht einfach nur eine Modeschöpferin, sie ist beinahe die Schöpferin der Mode an sich. Ihr Einfluss auf die Haute Couture ist kaum zu unterschätzen. Doch man sollte die stark romantisierte Coco Chanel auch nicht unreflektiert über den grünen Klee loben: Die tatsächliche Biografie der Gabrielle Chanel unterscheidet sich von der im Film gezeigten dann doch in einigen signifikanten Punkten.
Nichtsdestotrotz vermag es Anne Fontaine, den Zuschauer in den Bann der Coco Chanel zu ziehen. Selbst wer mit ihrem Namen nur den Parfumklassiker Chanel No. 5 assoziiert, ist schnell fasziniert vom Werdegang der selbstbewussten jungen Frau. Die Besetzung der Coco Chanel durch den französischen Superstar Audrey Tautou war die absolut richtige Entscheidung: Tautou vermittelt Schüchternheit und Opfer-Mentalität der jungen Gabrielle geradezu perfekt, vermag aber auch, das aufkeimende Selbstbewusstsein der jungen Modeschöpferin Coco darzustellen. Die eingefallenen Wangen und schlanke Statur der Audrey Tautou zeugen von den Entbehrungen, die Coco Chanel als Waise hinnehmen musste. Dass neben Tautou alle andern Schauspieler verblassen, liegt sicherlich nicht an deren Leistung, sondern an der Tatsache, dass der Film zu keiner Sekunde den Fokus von Mademoiselle nimmt.
Die Ausstattung des Films für die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, in dem der größte Teil spielt, darf als perfekt bezeichnet werden. Autos, Kleidung, Gebäude und Straßenzüge, aber auch die Menschen und deren Verhaltensweisen vermitteln die letzten Zuckungen der französischen Bourgeoisie aufs intensivste, Takt und Länge des Films sind angenehm kurzweilig. Ebenfalls nicht zu kurz kommen die nicht wenigen Liebesbeziehungen der Coco Chanel, deren Anfänge dieser Film ansatzweise darlegt.
Was für den deutschen Markt dahingegen ein wenig zu kurz kommt, ist die Tatsache, dass dieser Film sich ausschließlich auf die Vorgeschichte der Chanel-Karriere konzentriert. Der Untertitel "Der Beginn einer Leidenschaft" macht dies bei weitem nicht so deutlich wie der französische Originaltitel "Coco avant Chanel", also "Coco vor Chanel" es tut.
Coco Chanel ist ein absolut empfehlenswerter Film für jedermann, der sich für die Modewelt und ihre Ikonen interessiert oder interessieren sollte. Abgesehen davon eine ideale Überraschung für nichtsahnende Freundinnen bzw. Ehefrauen, am besten gekrönt mit einem kleinen Gutschein für die bevorzugte Parfümerie oder gleich einem Flakon des begehrten Klassikers (der zu wirklich jeder Frau passt).