Eine romantische Dramödie, die emotional ein wenig tiefer geht als üblich. Souveräne Leistungen von Aaron Eckhart und Jennifer Aniston, die beide ein wenig zu alt scheinen für so eine junge Liebe. Doch gerade dies symbolisiert die verlorenen Jahre, die beide auf dem Buckel haben, so deutlich. Ein gelungener Film, doch kein Meisterwerk.
Burke Ryan ist auf großer Tour. Seit sein Lebenshilfe-Buch zum Bestseller wurde, kann er sich der Sympathie der Massen nicht mehr entziehen. Sein Agent nutzte diesen Umstand geschickt und organisierte eine langwierige Tournee durch die USA, in jeder nennenswerten Stadt bietet Burke einen mehrtägigen Selbsterfahrungskurs an. Nur nach Seattle, da wollte Burke niemals. Doch nun ist er genau dort angekommen, denn hier soll er sich mit ein paar TV-Produzenten treffen, die aus dem Buch eine Show machen wollen.
Nun gibt es ein Problem mit Burke und seinem Buch: Burke hat es nämlich geschrieben, um über den Tod seiner Frau hinwegzukommen. Die ist bei einem Autounfall gestorben. Er saß mit in dem Wagen, hat aber überlebt. Sie stammte aus Seattle, und daher wollte Burke auch nie in diese Stadt. Einmal angekommen, ist die Katastrophe nicht mehr aufzuhalten: Ihre Eltern wollen den Kontakt zu Burke aufnehmen, und der hat den Tod seiner Frau offenbar doch noch nicht ganz verarbeitet.
Während Burke also unter Stress steht, gerät er an Eloise, die im Hotel für die Innenraumbegrünung zuständig ist. Sie und Burke erwischen sich auf dem falschen Fuße, doch ein paar Reibereien später ist klar, dass da wohl mehr im Busch ist. Wie die Liebe sprießen soll, wenn die Trauer um Burkes tote Frau noch nicht verarbeitet ist, ist nicht nur Burke völlig schleierhaft.
Eine interessante Kombination aus Figuren, die zusammen einen interessanten Film ergeben. Nun ist es ja eher über dem großen Teich üblich, sich in Seminaren und anderen gruppentherapeutischen Sitzungen öffentlich über das intimste Gefühlsleben auszutauschen und sich dann zusammen mit einer Horde völlig Fremder inklusive eines möglicherweise unqualifizierten, selbsternannten Therapeuten Gedanken zur Lösung eines Problems zu machen, doch der Film funktioniert trotzdem auch hier.
Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist natürlich die Frage, inwieweit es noch moralisch ist, aus einem erlittenen Schicksalsschlag und insbesondere dem Tod eines anderen Kapital zu schlagen. Burke Ryan tut dies ganz gewaltig, verstärkt offenbar durch die Fähigkeit seines Agenten. Die Konfrontation mit den Eltern seiner verstorbenen Frau scheut er natürlich wie der Teufel das Weihwasser, und so hält der Film ein paar mächtige Konflikte bereit.
Das Aufeinandertreffen von Burke und Eloise katalysiert die Katharsis, die Burke letztendlich durchleben muss, um frei zu werden von den Erlebnissen der letzten Jahre. Es gilt, ein paar richtige Entscheidungen zu treffen. Doch auch Eloise ist kein farbloser Charakter in diesem Film. Sie hat genug von den Männern und ist eigentlich nicht "auf der Suche". Der deutsche Titel "Es passiert, wenn Du es am wenigsten erwartest", ist dahingegen irreführend, denn im Leben der Hauptfiguren geht es ja fast ausschließlich um die Liebe bzw. um den Verlust derselben, daher ist eine Überraschung zu jedem Zeitpunkt ausgeschlossen. In einem brennenden Hochhaus wäre die Entwicklung einer Beziehung jedenfalls überraschender gewesen.