Man nehme die Geschichte eines Kannibalen, vermische diese ein wenig mit der Geschichte eines Kuchenbäckers, setze ein paar fiktive Nachkommen oben drauf und werfe ein paar Touristen auf der Suche nach einem eigentlich ausgestorbenen Tier in diesen Mix: Fertig ist die solide Grundlage für einen guten Horrorfilm. Oder doch nicht? Dass diese Rechnung nicht unbedingt aufgehen muss beweist Jody Dwyer mit seinem Backwoodhorror namens Dying Breed. Zwar hat der Film sicherlich seine Momente, aber leider ist er weder spannend, noch sonderlich furchteinflössend und plätschert deswegen vielmehr bis zu seinem holprigen Finale vor sich hin.
Wenn man von Alexander Pearce spricht, handelt es sich um einen 1824 in Tasmanien erhängten Kannibalen. Spricht man jedoch von dem Pieman, so hat dies eher mit Backwaren als mit Kannibalismus zu tun, denn dabei handelt es sich um einen gewissen Thomas Kent, welcher als geflohener (und wieder gefasster) Häftling seinen Kopf für den Namen des Pieman River hinhalten musste. Für die Grundhandlung von Dying Breed hat Regisseur und Drehbuchautor Jody Dwyer diese beiden reellen Personen kurzerhand zusammengefasst, und versucht dem Film auf diese Weise - ähnlich wie bei Michael Bay's Texas Chainsaw Massacre - einen ernsten und realitätsnahen Unterton zu bescheren. Die Idee an sich ist dabei gar nicht einmal so schlecht, nur hat man sich mit der Umsetzung und dem restlichen Drehbuch offenbar gehörig übernommen...
Biologiestudentin Nina (Mirrah Foulkes), deren Schwester vor mehreren Jahren im Tasmanischen Dschungel auf der Suche nach dem Tasmanischen Tiger ums Leben gekommen ist, beschließt den Tiger selbst zu finden und macht sich mit ihrem Freund Matt (Leigh Whannell) auf den Weg nach Tasmanien. Mit dabei sind auch Matts Freund aus Kindertagen Jack (Nathan Phillips) - der seinem Kumpel einen gefallen tut - und dessen Freundin Rebecca (Melanie Vallejo), welche allerdings eher auf der Suche nach etwas Spaß und Abwechslung als nach einem wahrscheinlich ausgestorbenen Tiger ist. Nachdem sie den Pieman River - der Legende nach (zumindest in diesem Film) wurde der Fluss nach einem entflohenen Kannibalen benannt - überquert und ihr Ziel erreicht haben, befinden sie sich schon mitten im Nest degenerierter Kannibalen (natürlich allesamt Nachkommen des gefürchteten Pieman Alexander Pearce) auf der Suche nach neuen zeugungsfähigen, weiblichen Familienmitgliedern. Als wäre das nicht genug, lauert im Wald noch ein gefräßiges Etwas und die logischerweise (...) hauptsächlich männliche, örtliche Bevölkerung faselt immer wieder etwas von irgendwelchen Regeln. Ob unsere sympathischen Helden wohl jemals wieder wohlbehalten in der Heimat ankommen werden?
Dying Breed ist ein Australischer Horrorfilm von dem bisher unbekannten Regisseur Jody Dwyer, welcher dazu auch der bisher einzige ist, der aus unerfindlichen Gründen nicht auf schöne Australische Naturaufnahmen setzte (man erinnere sich zum Beispiel an Storm Warning oder Rogue - Im falschen Revier), um seinem Film das gewisse Etwas zu verleihen. Stattdessen benutzt er ausschließlich graue und braune Farbtöne und verpasst dem kompletten Film einen dreckigen Look. Leider wirkt dies, wie auch der Einsatz jeglicher Schock-Sequenzen, aber dermaßen verkrampft, dass dadurch keinerlei Stimmung aufkommen will. Dazu kommen diverse grobe Schnitzer in der Handlung und ein alles andere als zufriedenstellendes Finale. Wenn man schon immer von den Regeln spricht, und alle Wendungen damit begründet, so wäre es für den Zuschauer doch erfreulich zu erfahren, was es denn nun mit diesen Regeln genau auf sich hat. Aber auch sonst sind viele Dialoge und Handlungen einfach nicht nachvollziehbar, weswegen auch die relativ soliden Darsteller nicht mehr viel gegensteuern können.
Damit wären wir auch schon beim nächsten Punkt: Keine der Hauptfiguren kann als Sympathieträger betrachtet werden. Nina verhält sich reichlich egoistisch, Matt ist überfordert und gegenüber seiner Freundin nie wirklich loyal, Rebecca ist eh nur für eine Sexszene und als Kanonenfutter anwesend und Jack ist eine unlustige und nervige Version von Jack Black. Wenn das so gewollt war, hat Nathan Phillips bei diesem Job ganze Arbeit geleistet. Wenn nicht, war er in Wolf Creek um ein vielfaches überzeugender. Mirrah Foulkes und Melanie Vallejo konnten ihre hauchdünnen Rollen ausfüllen und Leigh Whannell (Saw) fiel leider immer wieder durch seine kleinen Fehlgriffe in seinem Gefühlsrepertoire auf.
Nur wer sich im Horrorgenre noch nicht so gut auskennt, wird bei Dying Breed den einen oder anderen Schock erleben. Alle anderen dürften von diesem Backwoodhorror eigentlich nicht sonderlich gefesselt werden, da helfen auch die vereinzelt - und nicht selten zum reinen Selbstzweck - eingestreuten Goreszenen nicht. Schon kurz nach dem Abspann hat man Mühe das Gesehene zu rekonstruieren, und auch wenn es immer wieder mal ein kurzes Aufblitzen des so sehr herbeigesehnten Horrorfeelings festzustellen gab, so ist dies eindeutig zu wenig! Somit geht Dying Breed trotz teilweise guter Ideen doch eher sang und klanglos in die ewigen Jagdgründe der Filme, die man sofort wieder vergisst ein.