Robin Williams und Jeff Bridges gemeinsam in einem Film von Terry Gilliam? Klingt schon mal vielversprechend. Dazu kommt auch noch ein ausgefeiltes Drehbuch und eine offensichtlich einfallsreiche Regie. Das Ergebnis ist ein Film, den man sich nicht entgehen lassen sollte, auch wenn er sicherlich seine Schwächen hat. Egal ob man König der Fischer nun als Meisterwerk sieht oder nicht, ein beeindruckender, starker Film mit vielseitigem Tiefgang ist er auf jeden Fall.
Schon lange vor der Entstehung von König der Fischer, nämlich bereits 1975, lies Kultregisseur Terry Gilliam (Das Kabinett des Dr. Parnassus), damals noch zusammen mit den legendären Monty Python, eine Geschichte rund um den Heiligen Gral auf die Zuschauer los. Die Ritter der Kokosnuss zählt nach wie vor zu einem der ganz großen Spaßbomben des britischen Kinos, im Gegensatz dazu, schlägt König der Fischer eher ruhige, streckenweise melancholische Töne an und auch der Gral an sich ist hier ein Element rein symbolischer Natur.
Gilliams Film balanciert zwischen Drama und Komödie, ist zugleich aber auch Charakterstudie, Beziehungsdrama, zu weiten Teilen gesellschaftskritisch und streut in alles noch eine Prise Fantasy hinein. Damit dieser Mix von der an sich wirklich ausgefeilten, bewegenden Story getragen werden kann, bedarf es vor allem eines Pakets an überaus fähigen Hauptdarstellern. Eben diese fand Gilliam in Jeff Bridges und Robin Williams und am Ende kann man nicht sagen, wer von beiden einen mehr beeindruckt hat. Jeff Bridges, der später auch in Tideland für Gilliam vor der Kamera stand, überzeugt in der Rolle des Radiomoderators Jack Lucas, indem er es schafft, dem Zuschauer die Entwicklung seiner komplexen Figur glaubhaft zu machen. Robin Williams mimt den Parry gewohnt perfekt zwischen Witz und tragischer, bemitleidenswerter Figur, wobei er einmal mehr schier endlos charismatisch und sympathisch wirkt. Zu Recht wurde er für diese Leistung damals auch für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert, obwohl er im Grunde genommen viel mehr der zweite Hauptdarsteller des Films ist. Die restliche Besetzung steht den Leistungen der beiden Stars in nichts nach. Mercedes Ruehl (Last Action Hero), die im Film unglaublicherweise schon 43 war, wurde verdient mit dem Oscar als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet und auch Amanda Plummer (Ken Park) überzeugt als ein klein wenig wahnsinnige Lydia.
König der Fischer ist ein Werk von wahrhaft vielseitigem Tiefgang. Er ist ein Film über Verantwortung gegenüber Menschen, die manchmal unkontrollierbare Macht von Worten (im Bezug auf Jacks Radiodialog mit dem späteren Amokläufer), Freundschaft, Moral und natürlich einmal mehr über die Macht der Liebe. Was an dieser Stelle kitschig klingt, funktioniert im Film, zumindest zum größten Teil. Denn gerade gegen Ende läuft Gilliams Film Gefahr dann doch ein wenig zu kitschig zu werden, auch wenn sich dies mit einer vorangegangen Szene wieder entschuldigen lässt.
Was letztlich bei diesem ansonsten sicherlich bemerkenswerten Werk stört, ist, dass der Film insgesamt ein wenig zu lang geraten ist. Ein paar Szenen hätte man sich sparen, oder sie zumindest kürzer fassen sollen. Bei einer Spieldauer von über 130 Minuten kann es einem Film sehr zusetzen, wenn er an Tempo verliert, besonders bei König der Fischer ist dies sehr schade. Ein weiterer Störfaktor ist eine Wendung im ansonsten wirklich mustergültigen Drehbuch von Richard LaGravenese (Drehbuch zu Der Pferdeflüsterer) gegen Ende, mit der so mancher nicht wirklich glücklich werden wird.
Insgesamt gelang Terry Gilliam ein sehenswerter Film, der sicherlich zu den besten Werken des Briten gehört. Es ist wirklich schade, dass dieses Schmankerl unter den Filmen der frühen 90er inzwischen fast in Vergessenheit geraten ist.