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Eine beliebte Methode Geschichten zu erzählen besteht darin, ganz normale Leute mit Ausnahmesituationen zu konfrontieren und ihr Verhalten zu studieren. Da es wohl kaum eine größere Ausnahmesituation für den Menschen gibt als den Terror des Krieges, eignet sich das Genre des Kriegsfilms so gut wie kaum ein anderes dafür die Abgründe der menschlichen Psyche zu erforschen und aufzuzeigen, wie die Teilnehmer so extreme Dinge wie das Töten eines Menschen oder die enorme Verantwortung die Befehlsgewalt über eine Truppe zu haben verarbeiten zu versuchen. Nachdem der Roman "The Thin Red Line" (Deutscher Titel: "Insel der Verdammten") von James Jones, aus dessen Feder bereits die literarischen Vorlagen für die (Anti-)Kriegsfilme From Here to Eternity (1953) und The Longest Day (1962) stammten, bereits 1964 unter der Regie von Andrew Marton wenig erfolgreich verfilmt worden war, adaptierte Regisseur und Drehbuchautor Terrence Malick den Stoff nach 20jähriger Regieabstinenz erneut nachdem man sich von Jones' Witwe die Rechte für die Verfilmung hatte genehmigen lassen. Das Ergebnis ist eine Art transzendentale Gratwanderung zwischen Leben und Tod vor einer atemberaubenden Naturkulisse.
Im zweiten Weltkrieg versuchen amerikanische Soldaten die Insel Guadalcanal, eine strategische Schlüsselposition um das Vordringen der Japaner in den Pazifik zu verhindern, für sich zu gewinnen. Nach der eher geruhsamen Ankunft auf der Insel beginnt für die Männer jedoch schnell der zermürbende und verlustreiche Kampf gegen den Feind, als sie die entscheidende Anhöhe der Insel einzunehmen versuchen. Der schmale Grat präsentiert dabei größtenteils kein actiongeladenes oder plakativ aufregendes Spektakel, die realistische Darstellung von Massenkampfszenen im Stile der Anfangssequenz von Der Soldat James Ryan wird im Film über weite Strecken hinweg vermieden, wenn sie eingesetzt wird spielt sich die Gewalt dann eher auf einer psychologischen Ebene ab. Obwohl die Darstellerriege vor bekannten Namen wie Nick Nolte, Sean Penn oder Woody Harrelson geradezu überzuquillen droht, ist deren Bekanntheitsgrad eher Nebensache, die Charaktere sind so markant gestaltet, dass Sie weniger von den Darstellern als vielmehr aus sich selbst heraus leben. Jim Caviezels Rolle des leicht verträumten und am Kriegsgeschehen nur bedingt interessierten Private Witt kommt dabei der Definition eines Hauptcharakters vermutlich am nächsten, die Erzählstruktur orientiert sich aber am kaleidoskopartigen Verfahren und konzentriert sich auf zahlreiche verschiedene Personen, von denen jeder seine ganz persönlichen traumatischen Erfahrungen durchleben muss.
Das Ensemble-Konzept wirkt der Entindividualisierung des chaotischen Kriegsgeschehens dabei bewusst entgegen und bringt dem Zuschauer mit Hilfe von Off-Kommentaren die private Gedankenwelt der einzelnen Soldaten näher, ihre Ängste und Selbstzweifel, die Frage nach Usprung und Sinn der Gewaltbereitschaft, die in so vielen Menschen zu wohnen scheint, die Hoffnungslosigkeit, die Sehnsucht nach Anerkennung und Ruhm, aber auch das tröstende und einigende Gefühl der Kameradschaft mit den anderen Soldaten. Was den etwas ungeduldigeren Zeitgenossen als langweilig erscheinen mag, ist die ungewöhnliche Stärke des Films: Irgendwo zwischen philosophischen Sinnfragen und moralischen Meditationen liegt seine Essenz, die sich nur schwer erfassen lässt und die die Gedanken des Zuschauers in einen irritierenderweise beruhigenden Strudel aus Nachdenklichkeit und Verzückung über die wunderschönen Naturaufnahmen wirft, ihn gleichzeitig aber auch mit der Zerstörungskraft des vor diesem Hintergrund um so unnatürlicher wirkenden Krieges konfrontiert.
Neben der von John Toll (Braveheart, Almost Famous - Fast berühmt) wundervoll umgesetzten Optik sorgt der gewohnt bedeutungsvolle, aber sehr sanfte und weniger bombastische Score von Hans Zimmer dafür, dass the Der schmale Grat einer der unkonventionellsten aber auch einer der besten Filme ist, die sich mit dem Thema Krieg und Tod auseinandersetzen. Der schmale Grat zeigt, wie nahe scheinbare Gegensätze oft beieinander liegen: Ruhe und Chaos, der natürlichen Frieden und der von Menschen verursachte Krieg, Verantwortung, Mut und Feigheit sowie nicht zuletzt Leben und Tod. Es ist kein Film, den man mal schnell "zwischendurch" konsumieren sollte, um seine Botschaft aufnehmen zu können ist es ratsam sich die dafür nötige Zeit und Ruhe zu nehmen, dann kann dieser Film zu einem echten Erlebnis werden. |