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Brothers

(Brothers, 2009)

Dt.Start: 27. Januar 2011 Premiere: 04. Dezember 2009 (USA)
FSK: ab 12 Genre: Drama, Krieg
Länge: 104 min Land: USA
Darsteller: Jake Gyllenhaal (Tommy Cahill), Natalie Portman (Grace Cahill), Tobey Maguire (Sam Cahill), Bailee Madison (Isabelle), Mare Winningham (Elsie), Taylor Geare (Maggie Cahill), Patrick Flueger (Joe Willis), Carey Mulligan (Cassie Willis), Jenny Wade (Tina), Clifton Collins Jr. (Major Cavazos), Luce Rains (The Nose), Omid Abtahi (Yusef), Navid Negahban (Murad), Josh Berry (Staff Sargeant Freeman), Dylan Kenin (Nick), Ray Prewitt (Owen), Arron Shiver (A.J.)
Regie: Jim Sheridan
Drehbuch: David Benioff, Susanne Bier


Inhalt

Es ist der Albtraum jeder Soldatenfrau. Als Grace Cahill die Nachricht bekommt, dass ihr in Afghanistan stationierter Ehemann Sam verschollen ist, fällt sie in ein tiefes Loch. Schnell findet sie sich mit dem sicher scheinenden Schicksal ab, dass sie als Witwe die beiden gemeinsamen Töchter alleine großziehen muss. Da tritt Sams jüngerer Bruder Tommy ins Rampenlicht, ein charismatischer Taugenichts, der frisch aus dem Gefängnis kommt und ihr Trost spendet. Doch dann kehrt der todgeglaubte Bruder zurück, gezeichnet von dem, was er durchgemacht hat - und die Eifersucht scheint ihn völlig aufzufressen.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Brothers hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 77%
Kurzkritik
von Daniel Licha
Wertung von 75 für Brothers

Jim Sheridan macht nichts falsch, filmt im Grunde das tolle Original 1:1 ab und zeigt dabei keinerlei Innovation oder Variation was ein Remake rechtfertigt. Dennoch ist ähnlich wie bei The Departed das Original so stark, dass man diesen Film immer noch als sehr gut auffassen kann. Vergleicht mal also beide Filme halten sich die Unterschiede die Waage: Darstellerisch übertrumpft beispielsweise Portman ganz klar Connie Nielsen, während Gyllenhall gegen Kaas den Kürzeren zieht. Aber alleine die großartigen Leistungen von Portman und Maguire (dessen Ausbruch in der Küche schon jetzt zu einem der stärksten Filmmomente des Jahres zählen dürfte) sind es wert dem Remake eine Chance zu geben. Aufgrund mangelnder Innovation ist Susanne Biers Werk dennoch zu bevorzugen, da im Original die Inszenierung intensiver, realer und vor allen Dingen kompromisloser wirkte.

Kritik

von Markus Ostertag
Brothers hat eine Wertung von 79%
Dass Krieg etwas scheußliches ist, weiß jeder, auch wenn er das Glück hat, keinen direkt miterlebt haben zu müssen. Dank medialer Berichterstattung und auch nicht zuletzt zahlreicher Filme über verschiedenste Aspekte des Krieges, kann sich jeder zumindest ein grobes Bild über die Grausamkeiten machen. Früher häufig unterschätzt, in der heutigen Zeit aber mehrfach thematisiert ist die Auswirkung des Krieges auf die Psyche der Soldaten und auch die zurückgelassenen Familien. Damit setzt sich Brothers sehr stimmungsvoll und intensiv, nicht zuletzt dank sehr guter schauspielerischer Leistungen, auseinander. Zwar hätte man sich den ein oder anderen Aspekt etwas anders gewünscht, um die Geschichte noch intensiver zu inszenieren, doch im Grunde ist Jim Sheridan ein ansehnlicher Film gelungen.

Bild aus Brothers Sie werden ausgebildet, um in brenzligen Situationen richtig zu handeln und ihr Vaterland im Krieg vertreten zu können, komme was wolle. Doch kann man Menschen wirklich auf das vorbereiten, was sie in einem Krieg erleben und tun müssen? Kann man sie zum Töten ausbilden, ohne dass sie im Nachhinein unter ihren Taten und dem, was sie mitansehen mussten, psychisch leiden? Die Erfahrung zeigt immer wieder, dass das einfach nicht möglich ist. Zwar werden Soldaten "auf den Ernstfall" vorbereitet, doch was sie dann wirklich in den Kriegsgebieten erwartet, übersteigt meist die menschliche Belastbarkeit. Denn im Grunde sind und bleiben sie eben nichts anderes als Menschen.

Mit diesem Thema haben sich bereits viele Kriegsfilme auseinandergesetzt, manche explizit, manche eher unterschwellig, wie zuletzt beispielsweise der oscarprämierte Tödliches Kommando - The Hurt Locker von Kathryn Bigelow. Während dabei der Fokus auf dem Einsatz der Soldaten im Irak lag und nur eine kurze Szene sich mit der Heimkehr beschäftigte, spielt Brothers von Jim Sheridan hauptsächlich in den USA und legt sein Hauptaugenmerk auf die Geschichte der zurückgelassenen Familie, wie es beispielsweise auf in Edge of Love mit Keira Knightley der Fall war. Der Verbleib des Soldaten wird dabei immer wieder zwischen geschoben.

In Brothers bietet allein die Ausgangssituation einiges an Konfliktpotential. Jake Gyllenhaal und Tobey Maguire sind als Brüderpaar zu sehen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Tommy (gespielt von Gyllenhaal, der in Jarhead - Willkommen im Dreck einen Soldaten im Irak verkörperte) wird gerade frisch aus dem Gefängnis entlassen, nachdem er sich als Räuber versucht hatte. Sein Bruder Sam hingegen ist ein hochangesehener Marine und steht gerade kurz vor einem erneuten Einsatz in Afghanistan. Er ist verheiratet mit der bezaubernden Grace und hat zwei zuckersüße Töchter. Natürlich stellt er den gesamten Stolz der Familie, vor allem des Vaters, der ebenfalls ein Marine war, dar, während Tommy eher wie ein Schandfleck behandelt wird. Doch plötzlich ändert sich alles. Die Nachricht, dass Sam bei einem Einsatz gefallen sei, wirft die gesamte Konstellation durcheinander und Tommy beginnt, Verantwortung zu übernehmen. So helfen sich Eltern, Bruder und die Familie von Sam gemeinsam über den großen Verlust hinweg. Doch auch dieser Zustand ist nicht von Dauer, denn Sam ist noch am Leben und kehrt nach Hause zurück. Allerdings ist er nicht mehr der Mann, der die Reise nach Afghanistan angetreten hatte.

Dass auch die Familien von Soldaten, die im Krieg sind, leiden, zeigen immer wieder Bilder von demonstrierenden und weinenden Frauen, die nur eines wollen, ihre Männer und Söhne heil wieder zu Hause haben. Brothers beschäftigt sich eingehender mit diesem Aspekt und zeigt, wie sowohl die Ehefrau, als auch die Kinder, als auch der Bruder und die Eltern versuchen, mit der Nachricht umzugehen und ihr Leben irgendwie weiterzuführen. Dabei kann vor allem Jake Gyllenhaal sein gesamtes Talent beweisen und die Wandlung des Tommy vom abgehalfterten Ex-Knacki zum verantwortungsbewussten Schwager sehr überzeugend darstellen. Auch Tobey Maguire, obwohl er aufgrund seiner "Milchbubi" Ausstrahlung anfangs als Soldat nur schwer ernst genommen werden kann, wandelt sich im Laufe der Geschichte und kann sein volles Potential auffahren, als er nach Hause zurück gekehrt ist, abgemagert und gezeichnet vom Erlebten, zerfressen von Schuldgefühlen und Wahnvorstellungen. Besonders positiv und beeindruckend fällt Bailee Madison auf, die eine der Töchter von Sam und Grace spielt. Was dieses kleine Mädchen über ihre Mimik transportieren kann, gelingt den meisten Erwachsenen ihr Leben lang nicht. Vor allem die Momente, in denen sie mit ihrem Vater konfrontiert ist, der so gar nicht mehr er selbst ist, sind ganz großes emotionales Kino und werden komplett von dem kleinen Mädchen mit dem frechen Lächeln getragen.

Der Film lebt vorrangig von seinen emotionalen Momenten und dem lebendigen Spiel. Leider macht er sich an manchen Stellen einiges dadurch kaputt, dass er dem Zuschauer zu viel zeigt. Beispielsweise hätte man die gesamte Parallelgeschichte um den Verbleib des Soldaten Sam, über dessen Zustand und Aufenthaltsort man leider immer informiert ist, weglassen müssen und können. Die essentiellen Punkte, die erklären sollen, wieso er sich so sehr verändert hat, hätten irgendwie Erwähnung finden können, doch der gesamte Rest ist für den Fortgang der Geschichte eher hinderlich und absolut irrelevant. Auch die Beziehung zwischen Tommy und Grace, die sich natürlich im Laufe der Zeit verändert, hätte durch etwas mehr Subtilität noch stärker werden können.

Trotz dieser kleinen Wermutstropfen ist und bleibt Brothers gutes Emotions-Kino mit dem schrecklichen Hintergrund des Krieges, das einmal einen anderen Aspekt näher beleuchtet und damit berühren kann.



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