Trotz einiger Längen und einem etwas mutlos geratenen Finale kann Lone Scherfigs Coming of Age Drama durchaus gefallen. Dies liegt weniger an Nick Hornbys Drehbuchdebüt sondern zum einen an der hervorragenden Ausstattung und Atmosphäre und zum anderen aber auch an den tollen Leistungen des Darstellerensembles.
Nick Hornby zählt zu den beliebtesten Autoren unserer Zeit, so dass es kein Wunder ist, dass schon viele seiner Bücher in durchaus überzeugende Filme wie About a boy oder der Tag der toten Ente oder High Fidelity transformiert wurden. Nun wagt sich der erfolgreiche Schriftsteller aus England an sein erstes Drehbuch, das nicht auf einem seiner Romane basiert und schürt damit natürlich die Erwartungen an An Education enorm.
Kaum hat der Mittdreißiger David die 16-jährige Jenny entdeckt, ist er fasziniert von ihr. Die hochintelligente Musterschülerin hat es ihm angetan und nach kurzer Zeit entwickelt sich zwischen den Beiden eine Beziehung. Der Lebemann zeigt der jungen Dame eine ganz neue Welt und lenkt sie damit immer mehr von ihrem schulischen Alltag ab, was ihr großes Ziel, nach Oxford zu gehen, immer mehr in weite Ferne rücken lässt. Nun muss sie sich entscheiden, wie wichtig ihr das neue glückliche Leben ist und ob es ihr genügend wert ist, um ihr großes Talent, sowie Oxford dafür zu opfern.
Wer nun eine typische Hornbysche Verfilmung erwartet, dürfte bestimmt enttäuscht werden. Sicherlich sind die ein oder anderen Motive seiner Werke durchaus vorhanden, dennoch geht er bei der wahren Geschichte der Lynn Barber eher andere Wege und lässt gerade seinen typischen Humor oftmals außen vor. Dennoch gelingt ihm die Charakterzeichnung der Figuren hervorragend und er kann diese trotz einiger Längen auch über weite Strecken aufrecht erhalten. Einzig der etwas spannungsarme Verlauf sowie auch das etwas mutlose Finale werden den ein oder anderen Zuschauer am Ende sicherlich etwas sauer aufstoßen lassen.
Dafür vermag die Regie der Dänin Lone Scherfig umso mehr zu überzeugen. Dieser Film mit seiner Atmosphäre kann den Zuschauer durchaus in seinen Bann ziehen, ist er doch hervorragend ausgestattet und besitzt eine unglaubliche Detailtreue, die das Publikum zu jeder Sekunde in die damalige Zeit hineinversetzt. Ebenfalls lobenswert zu erwähnen, ist die stimmungsvolle musikalische Untermalung, wie auch die über weite Strecke vorzügliche Kameraarbeit.
A Star is Born könnte man fast sagen, denn in ihrer ersten größeren Hauptrolle weiß die junge Britin Carey Mulligan mit ihrem liebevollen Spiel den Zuschauer, wie auch die Hauptfiguren um den Finger zu wickeln. An ihrer Seite spielt der erneut äußerst charismatische Peter Saarsgard gewohnt gut auf und auch das restliche prominente Cast um Alfred Molina, Emma Thompson oder Olivia Williams vermag in seinen Nebenrollen zu gefallen.
Der erwartete große Wurf ist Nick Hornby mit seinem Drehbuch hier sicherlich nicht gelungen, dafür ist die Geschichte zu spannungsarm und mutlos geraten. Dennoch weiß An Education über weite Strecken dank der tollen Darbietungen der Darstellerriege, sowie der gelungenen Regie Lone Scherfigs zu überzeugen und wird sicherlich seine Anhängerschaft finden.