Schöne, runde Komödie über die oft unrunde Arbeit beim deutschen Film, aufgehängt am Konkurrenzkampf zweier Hauptdarsteller, die dieselbe Rolle spielen müssen. Keine hysterisch lustige Schenkelklopferangelegenheit und kein tiefgründig vielschichtiges Augenzwinkern, sondern einfach nur ein netter Film über eine ohnehin schon eigenwillige Filmlandschaft.
Otto Kullberg ist ein großer Schauspieler, eine Koryphäe geradezu, ein vielfach ausgezeichneter, verehrter Meister seines Fachs, mit vielen, vielen Filmen und Theaterstücken auf seinem beeindruckenden Lebenslauf. Doch Otto Kullberg ist auch eine Diva: Er weiß, was er wert ist, lässt sich dies auch bezahlen, und wenn er keine Lust auf etwas hat, macht Otto Kullberg das auch nicht. Und Otto Kullberg ist ein Trinker. Seinen Wodka bestellt er Hundertgrammweise, was Portionen von fünf Stamperl in einer Bestellung bedeutet. Als wegen seines Vollrauschs ein Drehtag für die sich aktuell in Produktion befindliche gesellschaftskritische Schmonzette von vor einem Jahrhundert ausfallen muss, platzt dem Produzenten der Kragen: Ab sofort wird in zweifacher Besetzung gedreht. Jede Szene. Zuerst mit Otto Kullberg, dann mit dem Nachwuchstalent Arno Runge.
Ziel der Aktion ist es, Kullbergs Futterneid zu wecken, und durch diesen künstlich geschaffenen Konkurrenzdruck noch das Letzte an schauspielerischer Leistung aus Kullberg herauszupressen. Läuft der Plan wie geschmiert, wird Arno Runge im fertigen Film nicht zu sehen sein, und Kullberg wird Großartiges geleistet haben.
Doch in Realität sieht die Sache schon ganz anders aus: Arno Runge ist eigentlich ein großer Bewunderer von Otto Kullberg; und auch der weiß, dass Runge ihm nichts getan hat oder zu tun gedenkt. Trotzdem hat er natürlich eine Stinkwut auf den Konkurrenten, der in jeder Szene genau das nachspielt, was Kullberg für die Szene entwickelt hat. Auch findet Arno Runge es nicht besonders motivierend, sein Bestes zu geben mit der Aussicht, dass seine Leistung nicht im fertigen Film zu sehen sein wird. Ebenfalls irritiert sind die Frauen aus dem Film-im-Film, die plötzlich sowohl mit Kullberg und Runge knutschen, tanzen oder ins Bett steigen müssen und sich dabei nicht nur ein wenig prostituiert vorkommen.
Besonderen Einblick gibt der Film auf die Vorgänge in einer deutschen Filmproduktion. Diese sind in vielen Details absolut realitätsnah dargestellt, vom "Und Bitte!" statt dem amerikanischen "Action!" beim Dreh über das Anschmachten eines Assistenten durch ein schüchternes Continuity-Girl bis hin zur flexiblen Sexual- und Treuemoral karrieregeiler Aufsteiger, wenn sich Gelegenheiten auftun. Allein die romantische Trailersiedlung an der Ostsee, in der die Filmcrew angeblich residiert, ist offenbar frei erfunden: Normalerweise wird alles vom Kameraassistenten abwärts in umliegende Jugendherbergen und Billighotels gepfercht, um Geld zu sparen. Doch die künstlerische Freiheit gestattet natürlich diese kleine Entscheidung, und die Handlung funktioniert tatsächlich besser in dieser Siedlung als in einem Hotel, was man ja außerdem schon x-mal gesehen hat.
Allen voran gebührt Henry Hübchen ein dickes Lob für seinen Otto Kullberg. Auch wenn man dessen Star-Status und das Alkoholproblem laienhaft am ehesten mit Harald Juhnke assoziiert, darf man sicher sein, dass Hübchen der Figur einen ganz eigenen Anstrich gegeben hat, sicherlich mit einer Menge Hommagen oder Seitenhieben auf Figuren aus seiner eigenen Biographie. Regisseur Martin Telleck wird gespielt von Sylvester Groth: Er vermag es besonders gut, wie ein begossener Pudel aus seiner Lederjacke zu schauen, wenn ihm mal wieder alle Felle davon zu schwimmen drohen. Mit seinem "Ich bin kein Eimer, in den jeder scheißt!" dürfte er ein kultverdächtiges Filmzitat geprägt haben. Ottos Haupt-Filmpartnerin Bettina Moll wird von Corinna Harfouch gespielt, deren Figur besondere Würze durch die Tatsache erhält, dass sie mit dem Film-im-Film-Regisseur Telleck verheiratet ist.
Whisky mit Wodka ist ein gelungener deutscher Spielfilm mit einem originärem deutschen Thema: Filmemachen in Deutschland. Da deutsche Filme keine eindeutige, klassische oder typische Identität haben, wie Werke aus Frankreich oder England, und da Deutschland über keine wirklich nennenswerte Filmindustrie bzw. Schmiede verfügt wie die USA, Hongkong, Japan oder Indien, muss man natürlich auf die landestypischen Besonderheiten beim Filmemachen eingehen. Der ganze Dreh zu Whisky mit Wodka wird bereits durch einen einzigen Dialog über die deutsche Filmförderung gerechtfertigt, ein wunderschöner Seitenhieb. Wirklich empfehlenswert!