Ein Film wie eine Achterbahn: Langsam und beschaulich entwickelt sich ein Drama, doch ehe man sich's versieht, befindet man sich in einer rasanten britischen Komödie mit spannenden Aspekten und romantischen Untertönen. Großartiges Beispiel für gekonntes Mischen von Filmgenres und definitiv ein zukünftiger Klassiker britischer Filmkunst.
Als Briefträger hat man es nicht unbedingt leicht im Leben. Als Briefträger in einem Arbeiterklasse-Viertel in Manchester schon gar nicht. Erics Leben ist gescheitert, soviel ist klar. Und deswegen rauscht er auch mit seinem Auto absichtlich in den Gegenverkehr. Nach dem Unfall beginnt Erics Leben, sich zu verändern. Unmerklich und langsam, aber doch gravierend. Das mag mit der skurrilen Tatsache zu tun haben, dass ausgerechnet Eric Cantona, enfant terrible des britischen Fußballs und absolutes Vorbild für seinen Fan Eric, sich in dessen Schlafzimmer manifestiert, um dem laschen, kraftlosen Briefträger etwas Mumm in die Knochen zu bringen.
Natürlich kann niemand anders sehen, dass Eric Cantona höchstpersönlich dabei hilft, Erics Leben wieder in die Spur zu wuchten, und Eric selbst ist schlau genug, dies gegenüber niemandem zu äußern - ein Aufenthalt in der geschlossenen Anstalt könnte immerhin die Folge sein. Und mit jedem Deut neuen Lebensmutes, der in Eric zu pulsieren beginnt, wird dem abgehalfterten Vater dreier Kinder klarer, an welchen Schrauben er selbst drehen muss, ganz ohne Eric Cantona.
Doch Rückschläge bleiben nicht aus. Die Kluft zwischen Eric und seiner geliebten ersten Frau Lily, von der er sich im Unfrieden getrennt hat, scheint unüberbrückbar. Dass einer seiner Teenager-Söhne tiefer im kriminellen Milieu von Manchester steckt, als Eric je zu fürchten gewagt hätte, ist die größte Hürde, vor der der schlecht rasierte Briefträger steht. Doch dann zeigt sich, dass Freunde, die zugleich auch noch glühende Fußballfans sind, mehr wert sind als ihr beträchtliches Gewicht in Gold.
Ein sich unglaublich langsam entwickelnder, langatmig beginnender Film mit anfangs geradezu betäubend langweiligem Aufbau. Umso stärker zieht die Geschichte an, wenn Ken Loach beginnt, die zuvor akribisch ausgelegten Handlungsfäden zu einem gordischen Knoten zusammenzuziehen.
Die Transformation eines selbstmörderischen Verlierers zu einem verantwortungsbewussten Familienoberhaupt in den besten Jahren kann natürlich als Überwindung der Midlife-Crisis gewertet werden, in der leider nicht jeder das persönliche Coaching durch sein Idol erwarten darf. Doch gerade darin besteht die Besonderheit in Looking for Eric: Anhand der durch den echten Eric Cantona (der den Film übrigens auch mitproduziert hat) visualisierten Gedankengänge von Eric, dem Briefträger, fällt es dem Zuschauer umso leichter, selbst den Ausweg aus seinen Problemsituationen zu ahnen. Diese führen mitunter durch tiefe, dunkle Täler und sind sicher nicht die bequemsten Lösungen. Doch ein Pflaster lässt sich eben auch nicht schmerzfrei entfernen.
Looking for Eric ist eine herrliche britische Komödie, die als Drama beginnt und nebenher gekonnt einige Coming-of-Age-Konflikte behandelt. Pflicht für Fans von Eric Cantona, Fans des britischen Kinos und alle, die mal wieder abseits des Mainstream einen richtig schönen Filmabend genießen wollen.