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Der Tod eines Freundes bringt vier Enddreißiger, früher die besten Freunde, auf tragische Weise wieder zueinander. Vor allem für einen von ihnen ist das mit reichlich Schockerfahrungen verbunden: Cundo, gespielt von Javier Cámara (Paris, Je t'aime), wird bei seiner Rückkehr in sein asturisches Heimatdorf mit den Geistern seiner Vergangenheit konfrontiert. Susos Turm möchte nach Angaben des Regisseurs Tom Fernández trotz des traurigen Aufhängers nicht mehr und nicht weniger sein als eine Komödie. Doch hinter dem unkonventionellen und unverbrauchten Humor des spanischen Films verbirgt sich auch Raum für Alltagsphilosophie.
Die Reisestrapazen sind ihm anzumerken, diesem bärtigen Bären, der seinen zweifellos grimmigen Blick hinter einer schwarzen Sonnenbrille verbirgt. Aus Argentinien ist er angereist, zum ersten Mal nach zehn Jahren. Der Anlass ist ein trauriger. Suso ist gestorben, ein alter Freund, viel zu jung. Doch das ist nicht der Grund für Cundos Miesepetrigkeit. Es ist die Furcht vor dem, was ihn erwartet. Die Furcht vor dem Wiedersehen mit der Mutter und dem Vater, bei denen er sich so lange nicht gemeldet hat. Die Furcht vor den Erinnerungen, die ihn mit den Träumen konfrontieren werden, die er hegte als er ging. Und bevor Cundo es merkt, ist er auch schon mittendrin in der Schlacht mit den alten, unverarbeiteten Geschichten. Denn diese Dame hinter dem Mietwagenschalter, die ihn mit ihrem Halbgrinsen mustert, müsste ihm bekannt sein. Das würde der Anstand verlangen. Denn die Dame heißt Marta (Malena Alterio) - und Cundo hat sie einst entjungfert.
Das Debütwerk des 1971 in Oviedo geborenen Spaniers Tom Fernández verschwendet nicht viel Zeit, um auf das Karussell des trockenen Humors zu steigen, das es trotz seiner traurigen Grundthematik bis zum Ende nicht mehr verlässt. Der Tod des titelgebenden Susos, der sich mit wenigen Off-Kommentaren zu Wort meldet, dient lediglich als Aufhänger für eine Geschichte, die zwar immer mal wieder in Richtung einer lebensnahen Tragik pendelt, dann aber doch den Schwerpunkt auf das Komödiantische legt. Dabei darf herzhaft gelacht werden, auch und gerade weil das Drehbuch (ebenfalls Fernández) durch charmante Einfälle glänzt.
Der letzte Wunsch des Verstorbenen, seine Freunde mögen ihm einen Turm aus Holz bauen, um die Welt von oben wahrnehmen zu können, scheint unerfüllbar zu sein. Die Sorgen des Alltags sind für Fernando (Gonzalo de Castro), Mote (César Vea) und Pablo (José Luis Alcobendas) schlicht zu drückend, als dass sie sich einem solchen Projekt hingeben könnten. Doch Cundo, der durch die Begegnungen mit der wortkargen herrischen Mutter und dem Vater, dem ewigen Stammgast einer dörflichen Kneipe, langsam auftaut und sein bisheriges Leben in Frage stellt, nimmt sich der Herausforderung an.
Die Probleme, die dabei gewälzt werden, sind keineswegs neu. Emotionale Zurückgebliebenheit, Existenzängste in einem spanischen Bergarbeiterdorf, das vor Tristesse nur so trieft, Konkurrenzgerangel unter Freunden und die Erkenntnis, nicht das Leben zu leben, dass man sich vor zehn Jahren im spätjugendlichen Eifer ausgemalt hat - all das ist schon unzählige Male in Film, Literatur oder Musik thematisiert worden. Susos Turm vermittelt trotzdem das wohlige Gefühl eines kleinen sympathischen Filmes. Dass das Ende etwas zu sehr im Kitsch versinkt, verzeiht man da schnell. |