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66/67 - Fairplay war gestern

(66/67, 2009)

Dt.Start: 19. November 2009 Premiere: 19. November 2009 (Deutschland)
FSK: ab 16 Genre: Drama
Länge: 115 min Land: Deutschland
Darsteller: Fabian Hinrichs (Florian), Christoph Bach (Otto), Melika Foroutan (Özlem), Maxim Mehmet (Henning / Malte), Christian Ahlers (Christian), Fahri Ogün Yardim (Tamer), Aurel Manthei (Mischa), Victoria Deutschmann (Mareille), Bernhard Schütz (Bernhard), Marc Zwinz (Zwinso), Burak Yigit (Sinan)
Regie: Jan-Christoph Glaser, Carsten Ludwig
Drehbuch: Carsten Ludwig


Inhalt

Für die sechs Freunde Florian, Otto, Henning, Christian, Tamer und Mischa bedeutet die Liebe zu "ihrem" Fußball-Verein Eintracht Braunschweig einfach alles. Deshalb haben sie sich alle das Jahr der letzten Braunschweiger Meisterschaft tätowieren lassen. Sie leben ihr Leben ausschließlich für den Fußball, wer sich ihnen in den Weg stellt, wird einfach verprügelt. Doch irgendwann holt die Jungs die Realität ein und sie müssen erkennen, dass es im Leben manchmal eben doch Wichtigeres gibt als Fußball.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

66/67 - Fairplay war gestern hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 78%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Julian Reischl
66/67 - Fairplay war gestern hat eine Wertung von 78%
Gewalttätige Erwachsene bekommen ihre Konflikte nicht in den Griff, weil sie genau das nie gelernt haben. Statt sich darum zu kümmern, dies so schnell als möglich nachzuarbeiten, kultivieren sie die Gewalt als eine Art Religion, sinnieren über vergangene Schlachten und fahren einen selbstzerstörerischen Kurs. Beeindruckendes Portrait über eine Clique alter Kumpels, die jeweils eigentlich mehr auf dem Kasten haben, als die Summe ihrer Teile auf die Reihe kriegt.

Bild aus 66/67 - Fairplay war gestern Der Sinn des Lebens von Florian, Otto, Henning, Christian, Tamer und Mischa steht und fällt mit dem Erfolg von Eintracht Braunschweig. Die Freunde waren schon immer glühende Fans des Vereins, der 1966/67 sogar deutscher Meister war. Heute steht er vor dem Abstieg in die vierte Liga, entsprechend gedrückt ist die Stimmung der Clique. Dass heute auch noch einer ihrer Väter beerdigt wird, gibt dem Film schonmal einen sehr düsteren Start.

Eine Rückblende führt uns zu den Ereignissen ein paar Monate zuvor, die ein erschreckendes Bild zeichnen: Alle sechs Fußballfreunde scheinen kein eigenes Leben abseits des Fußballs zu haben, sie lassen ihren inneren Konflikten nur in Schlägereien mit anderen "Hools" und anderen Gewalttaten freien Lauf. Was bei Säuglingen und Kleinkindern noch funktionieren mag, ist bei Erwachsenen ein sicheres Ticket auf die schiefe Bahn.

Das scheinen die selbstzerstörerischen Freunde im Hinterkopf auch dunkel zu erahnen, doch können sie nicht so einfach ablassen von der Gewalt. Einer der ihren, mehrfach vorbestraft, wollte "raus", und hat einen Job in einer Metzgerei angenommen. Ihm wird nun ebenso gedroht wie sonst nur dem Feind, den gewaltbereiten Anhängern anderer Fußballvereine.

Seine Selbstbestätigung ausschließlich von außen zu erhalten, ist ein Armutszeugnis für jeden Menschen. Doch die Freunde kennen das nicht anders, scheinen kein eigenes Rückgrat zu haben. Der Verein ersetzt die Seele, der Rest ist Reaktion. Ein 66/67-Branding auf der Brust jedes Mitglieds ihrer Clique zementiert deren Zugehörigkeit zur Clique: Shit for Life.

Das Erschreckende am Film ist die Selbstverständlichkeit, mit der die Freunde, allesamt gestandene, erwachsene Männer, bereit sind, andere Menschen brutal zu verprügeln, sie krankenhausreif zu schlagen oder für immer zu entstellen. Für die Täter mag das nur ein Sport, eine Art Aggressionsabbau sein, für die Opfer ist das ein Schock fürs Leben, möglicherweise begleitet von Spätfolgen. Während halbwegs vernünftige Menschen, die dieses Suchtpotential an sich entdecken, wenigstens die Therapie suchen oder einem Fight Club beitreten, randaliert der gewöhnliche "Hool" ohne Sinn und Verstand, vernichtet, was ihm in den Weg kommt. Kein Wunder, dass die Gesellschaft auf derart stumpfsinnige Gestalten herabblickt.

Der Film zeigt deutlich, wohin der Weg führt, wenn man die Gewaltbereitschaft über die holprigen Teenagerjahre in das Erwachsenenalter hinüberrettet. Aus Babyspeck werden plötzlich sehnige Muskeln, aus einem Knuff wird ein Fausthieb, aus einem blauen Fleck beim Gegner wird ein geplatzter Augapfel. Und aus der elterlichen Sorge, wo der Junge sich wohl wieder herumtreibt, wird ein Vorstrafenregister. Es gilt also, erwachsen zu werden, bevor der eigene Körper es tut. Was passiert, wenn man diese Kurve nicht kriegt, zeigt 66/67 - Fairplay war gestern deutlich.



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