Die Verflechtungen dreier Familien durch Zeit und Raum stehen im Mittelpunkt dieses eigenwilligen, langsamen und vor allem nicht mainstreamtauglichen Films von Michael Glawogger. Die Familien kennen sich untereinander kaum, haben jedoch an entscheidenden Stellen Berührungspunkte, die zeigen, dass man sich doch ähnlicher ist, als man je zu ahnen vermochte. Bewegendes Drama mit langsamem Aufbau, geeignet für melancholische Kinoabende.
Ratz hat's nicht einfach im Leben in Wien: Sein Vater (Christian Tramitz in einer ernsthaften Rolle) ist ein angesehener Minister, gewissermaßen eine Lichtgestalt, neben der alle anderen, so auch seine eigene Familie, absolut verblassen. Da Geld nie ein Problem war, hat auch Ratz nie besondere Talente entwickelt oder aus seinem Studium etwas gemacht. Er ist 35 und hat nichts erreicht im Leben. Doch eines, das kann er: Programmieren. Nun ist Ratz kein Hacker, und dies kein Cyberkrimi, doch Ratz liebt Spiele. Und er hasst seinen Vater. Also schreibt er das Vaterspiel. Dieses Spiel ist einfach: Jeder Käufer kann ein digitales Foto seines eigenen, verhassten Vaters auf die Spielfigur des Spielgegners setzen. Im Spiel geht es darum, seinen Vater so oft wie nur irgend möglich umzubringen.
Mimi, eine Studienfreundin von Ratz, lebt in New York. Sie bittet ihn, vorbeizukommen, denn sie braucht jemanden, der sich ein wenig mit dem Innenausbau von Häusern auskennt. Ratz sagt zu, fliegt in die USA, sein Spiel im Gepäck. Vielleicht ergibt sich ja etwas bei einem der großen Softwarehäuser. Doch in New York erwartet Ratz etwas ganz anderes: Im Keller des Hauses, wo Ratz arbeiten soll, lebt ein alter, schweigsamer Mann.
Parallel zu der Geschichte von Ratz, Mimi und dem alten Mann wird eine zweite Geschichte erzählt: Jonas Shtrom, ein in die USA ausgewanderter Litauischer Jude, ist seit Kriegsende auf der Suche nach dem Mörder seines Vaters. Dieser, ein ehemaliger Schulkamerad von Jonas, war arisch und schlug sich auf die Seite der Nazis. Eines Tages stand er mit einer kleinen Truppe bei Jonas zuhause und nahm den Vater mit. Was folgte, ist ein weiteres grausames Detail der unsäglichen Greuel des Dritten Reiches.
Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Josef Haslinger erzählt Michael Glawogger die Geschichte dreier Familien, wie sie durch die Dekaden und über die Kontinente miteinander verwoben sind, sich ähneln und doch zueinander in starkem Kontrast stehen. Der Film fasziniert durch die Ähnlichkeiten und durch die teilweise gewaltigen Unterschiede, die diese Familien in ihrer Zusammensetzung und Geschichte ausmachen, aber auch durch die Figur des alten Mannes, deren Entwicklung auf sich warten lässt.
Weniger beeindruckend ist die Tatsache, dass der Film nur sehr langsam in die Gänge kommt und dass, einmal mehr, die Dialoge oftmals gestelzt und unnatürlich wirken. Auch wirkt das Computerspiel von Ratz mit seiner 8-Bit-Ästhetik eher dürftig. Die Filmgegenwart spielt zwar 1999, was diese Notwendigkeit erklärt, doch da ansonsten praktisch keinerlei Wert darauf gelegt wurde, das Jahr 1999 zu verdeutlichen (man hätte ja in New York wenigstens das World Trade Center zeigen können), irritiert die grobpixelige Grafik des titelgebenden Vaterspiels dann doch. Wenigstens wird Ratz später klar, was er da eigentlich gespielt, in den USA verkauft und angerichtet hat. Gar nicht so unähnlich den anderen Lebensgeschichten in diesem Film.
Sehr langsames, gewöhnungsbedürftiges, vielschichtiges Drama, das wohl nur für ein kleines Publikum wirklich geeignet ist. Ein eigenwilliger Nischenfilm, der es trotz allen allgemeingültigen Aussagen kaum in den Fokus der Öffentlichkeit schaffen dürfte. Abgesehen von den oftmals zu viel erklärenden, gestelzten Dialogen aber schön inszeniert.