Five Minutes of Heaven Poster

Film-Seite zu Five Minutes of Heaven
Trailer zu Five Minutes of Heaven
Poster zu Five Minutes of Heaven
PDF zu Five Minutes of Heaven
Forum-Topic zu Five Minutes of Heaven

Five Minutes of Heaven

(Five Minutes of Heaven, 2009)

Durchschnittliche Redaktionswertung

77%



Inhalt

Im Jahre 1975 wird der 19-jährige Jim Griffin vor den Augen seines 11-jährigen Bruders Joe von dem 17-jährigen Alistair Little ermordet. Dieser kommt daraufhin ins Gefängnis. Als sich Joe und Alistair 33 Jahre später im Rahmen einer Dokumentation fürs Fernsehen wieder gegenüberstehen, ahnt Alistair nicht, dass Joe den Mord an seinem Bruder rächen will. Schließlich kommt es zu einem Kampf, den nur einer der beiden Kontrahenten überleben kann.

Kritik

von Dimitrios Athanassiou

Wertung Kritik

77%

Manche Schuld lastet ein Leben lang schwer auf den Schultern. Die Taten, die als unreflektierter, verblendeter Jugendlicher begangen wurden, verfolgen unentwegt. Die einzige Chance auf Heilung bestünde darin, sich mit den Menschen auseinander zu setzen, denen man vor vielen Jahren unsägliches Leid zugefügt hat. Alistair hat als 17-jähriger kaltblütig einen Menschen erschossen. Bei der Tat zugegen war der kleine Bruder des Opfers. 30 Jahre später trifft der Mörder auf den Menschen, den er als Kind furchtbar traumatisierte. Eine Konfrontation, die nicht folgenlos bleiben wird. Starkes Psychokino, das seine Zeit braucht und einiges abfordert.

Bild aus Five Minutes of Heaven Im Rahmen einer Fernsehshow soll Joe (James Nesbitt) den Mann treffen, der vor gut drei Jahrzehnten seinen Bruder vor seinen Augen mit drei Kopfschüssen ermordete. In Nordirland bekriegten sich zu dieser Zeit Katholiken und Protestanten bis aufs Blut. Joe ist bereits auf der Fahrt zum Anwesen, in dem das Treffen stattfinden und die Fernsehsendung aufgenommen werden soll, runter mit den Nerven. In der Limousine, die ihn kutschiert, hört er seine eigenen wirren Gedanken, als handele es sich um fremde Stimmen. Unaufhörlich redet er halbschizophren mit sich selbst, bis er schlussendlich sogar eine Panikattacke erleidet. Die Fahrt gerät zur Tortour, und nur mit viel Mühe gelingt es dem Chauffeur, Joe überhaupt ans Ziel zu bringen.

Während der Einführung des einen Protagonisten wird asynchron hin und her zwischen ihm und seinem "Kontrahenten" geschnitten. Alistair (Liam Neeson) obschon der Mörder, gibt sich auf der Fahrt zum Treffen ultracool und abgeklärt wie ein Topmanager: teurer Anzug, aufpolierte Manieren und scheinbar völlig reflektiert in sich ruhend, plaudert er weltmännisch mit dem Fahrer und erzählt von seiner Tat, für die er zwölf Jahre im Gefängnis saß, beinahe so, als wäre es nicht mehr, als eine der vielen Begebenheiten aus seinem bewegten Leben.

Five Minutes of Heaven legt besonderen Wert darauf, diese Geschichte um Schuld, Sühne und Vergebung ganz sauber zu erzählen. Der Prolog gerät lang, skizziert aber in einer atmosphärisch dichten Struktur die Ereignisse, die vor etwa 30 Jahren ihren verhängnisvollen Lauf nahmen. Besonders Joe wird jenseits der leicht psychedelischen Fahrt zum Treffpunkt auch in Rückblenden sauber als Charakter herausgearbeitet. Damals, als diese furchtbare Tat vor seinen Augen passierte, war er noch ein Kind und erlebte nicht nur den grausamen Mord an seinem Bruder hautnah mit, sondern bekam von der eigenen Mutter anschließend zeitlebens die Schuld dafür angelastet. In ihrer vom Leid und Schmerz verschrobenen Sicht, hätte ein kleiner Junge einen bewaffneten Erwachsenen durchaus stoppen können müssen.

Es braucht seine Zeit, nach der Vorgeschichte und auch nachdem die Protagonisten klar antagonistisch wie menschlich gegensätzlich aufgebaut worden sind, bis die Handlung einigermaßen rund zu wirken beginnt. Erschwerend gesellt sich hinzu, dass der TV-Show-Aufhänger, der deutlich die Züge einer Mediensatire zeigt - oder genauer: eine Anklage gegen die Medien birgt, die sich auf solch eine Zusammenführung wie die Hyänen stürzen - und eine gehörige Zeit im Film beansprucht, plötzlich als tragendes Storyelement völlig fallengelassen wird. Das Scheitern der Fernsehsendung und damit der Konfrontation wird zu einem Wendepunkt, der es nötig macht, einen komplett zweiten Anlauf nehmen zu müssen. Das fordert den Zuschauer ebenfalls ein zweites Mal vollauf.

Five Minutes of Heaven ist fraglos ein Psychodrama auf hohem Niveau. Nebst dem formulierten Dreieck aus Schuld, Sühne und Versöhnung handelt der Film auf der Subebene von Feindbildern und Realitäten, die wir in unseren Köpfen aufbauen, um unseren (womöglich gerechtfertigten) Hass legitimieren zu können. Dabei wollen wir uns gar nicht mit der Wahrheit befassen, sondern den "Feind" genauso sehen, wie er sich im Kopf zusammengesetzt hat. James Nesbitt spielt sich in der ersten Hälfte regelrecht die Seele aus dem Leib, um seinen inneren Konflikt darüber greifbar zu machen. Die überbordende Mischung aber aus Gegenschnitt, Selbstdialog sowie Kommentar aus dem Off des eigenen Über-Ichs, mögen mitunter als des Guten zuviel anmuten; zweifellos nötigt aber die reine Leistung der Darstellung gehörigen Respekt ab. Liam Neesen hingegen spielt eher unaufgeregt subtil, dennoch ohne großen Fehl und Tadel.

Eine simple Empfehlung a la Daumen rauf, Daumen runter geht hier schon gar nicht. Dieser Film stellt beileibe keine leichte Kost dar und wird beim ersten Sehen womöglich trotzdem durchlaufen, ohne wirklich nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Die aufwendige wie komplexe Erzählstruktur erweist sich als regelrecht bleiern - vor allem in der ersten Hälfte, die zuweilen wie eine Spielfilmdoku wirken kann. Im Nachhinein macht Five Minutes of Heaven aber eine Menge gut, wenn man sich für die finale Auflösung auch neu sortieren darf. Cineasten, für die Kino mehr als Entertainment ist, sollten sich diesen Film aber auf jeden Fall auf die Merkliste setzen.

Keine weitere Wertung


Weitere interessante Filme




Film vorschlagen
96 Hours
Dt. Start: 19. Feb 2009
Vorschlag entfernen
Brgge sehen... und sterben?
Dt. Start: 15. Mai 2008
Vorschlag entfernen
 
 

 

© 2014 MovieMaze.de