|
David Cronenbergs Die Unzertrennlichen aus dem Jahre 1988 ist vor allem wegen der grandiosen schauspielerischen Leistung von Jeremy Irons, der hier vollkommen genial eine Doppelrolle spielt, sehenswert. Die Performance des sonst eher unauffälligen Schauspielers gehört zweifellos zu den besten Leistungen der Filmgeschichte. Irons trägt nicht nur den Film, er IST der Film und ermöglicht es so auch, die hochinteressante Geschichte glaubhaft zu transportieren. Abgesehen von einem etwas zu langsamen Erzähltempo ist Die Unzertrennlichen ein durchweg gelungener Film, den man sich nicht entgehen lassen sollte.
Die Unzertrennlichen ist ein Psycho-Horror-Drama das bis heute in dieser Form einzigartig ist. Erzählt wird die Geschichte der Mantle-Zwillinge, die es im Laufe ihres Lebens gemeinsam zu berühmten Gynäkologen gebracht haben und im wahrsten Sinne unzertrennlich sind. Die packende Story beruht lose auf einer wahren Begebenheit und ist auch wenn man sie noch lange nach dem Film revue passieren lässt von nahezu unerschöpflicher Intensität und Tiefe. Doch abgesehen davon, dass David Cronenberg (Naked Lunch) einmal mehr wirklich gute Arbeit geleistet hat, ist es vor allem einer, der den Film trägt: Jeremy Irons (Inland Empire).
Tatsächlich hat man selten eine so geniale Performance gesehen, wie die von Jeremy Irons in Die Unzertrennlichen. Irons, der 1991 mit dem Oscar als bester Hauptdarsteller für seine Darbietung in Barbet Schroeders Die Affäre der Sunny von B. ausgezeichnet wurde, war zwar als Charakterdarsteller stehts gefragt, gehörte allerdings nie zu den wirklich populären Hollywoodgrößen. Erst 1995 wurde er durch Stirb Langsam: Jetzt erst recht als Gegenspieler von Bruce Willis einem breiten Publikum bekannt. Wenn man Die Unzertrennlichen gesehen hat, fragt man sich, warum Irons diesen Erfolg nicht schon viel eher hatte. Ohne wesentlich auf Maske oder Kostüme angewiesen zu sein, schafft er es, den Zwillingen ein ausgeprägtes Profil zu verleihen und beide mit ihren individuellen Charakterzügen so darzustellen, dass der Zuschauer stehts weiß, mit welchem der beiden charakterlich sehr unterschiedlichen Männern er es zu tun hat. Wegen Jeremy Irons, dessen Vorstellung in einem Zuge mit legendären Schauspielerleistungen wie beispielsweise Al Pacinos Darbietung in Der Duft der Frauen oder Daniel Day Lewis' in There Will Be Blood genannt werden kann, ist dieser Cronenbergstreifen also allein schon sehenswert.
Ein wenig schade ist, dass sich Cronenberg mit seinen Body-Horror-Elementen sehr zurücknimmt, obwohl sie an vielen Stellen gepasst und dem Film den letzten Schliff gegeben hätten. In einigen Szenen ist die Handschrift des kanadischen Kultregisseurs zwar deutlich erkennbar, insgesamt ist die Inszenierung aber ähnlich wie beispielsweise 5 Jahre nach Die Unzertrennlichen bei M. Butterfly, ebenfalls mit Jeremy Irons in der Hauptrolle, eher nüchtern und sachlich gehalten. Dies heißt jedoch nicht, dass es diesem Psychodrama an düsterer, bedrückender Atmosphäre und durchaus kranken Momenten mangelt.
Das einzige wirkliche Problem des Films ist das Erzähltempo, das insgesamt einen Tick zu langsam geraten ist. Zwar ist der Film wirklich perfekt strukturiert und zu keinem Zeitpunkt langweilig, doch ein wenig mehr Geschwindigkeit und Spannung hätte im Laufe der fast zwei Stunden dann doch aufkommen können. Als sensible Charakterstudie funktioniert Die Unzertrennlichen auch mit seiner ruhigen Erzählweise, schöpft sein gewaltiges Potential jedoch nicht bis ins Letzte aus.
Auch wenn der mehrfach ausgezeichnete Film sicherlich nicht Cronenbergs bester Film ist und auch besonders durch einige Längen ab und an ein wenig schwächelt, ist er insgesamt definitiv beeindruckend und hinterlässt eine bedrückende Stimmung. Den Rest von Die Unzertrennlichen macht Jeremy Irons mit der vielleicht besten Leistung seiner Karriere aus. |