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Das Geheimnis der Zauberpilze

(Das Geheimnis der Zauberpilze, 2009)

Dt.Start: nicht bekannt Premiere: 01. August 2009 (Deutschland)
FSK: nicht bekannt Genre: Komödie, Splatter
Länge: 90 min Land: Deutschland
Darsteller: Christian Markhoff, Werner Timm
Regie: Werner Timm
Drehbuch: Werner Timm


Inhalt

Das Ableben seines Begleiters durch "versehentlichen Totschlag" beim gemeinsamen Spaziergang und Besäufnis im Wald befördert den Kumpel des Verstorbenen in ein Tal der Schuldgefühle. Da bekommt er eine neue Chance. Ein mysteriöser, ständig kichernder Zwerg verrät ihm, dass er mit Hilfe von Zauberpilzen den Freund zurück ins Leben rufen könne. Die Suche nach den Wunderteilchen gerät jedoch zur völligen Odyssee.
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Kritik

Das Geheimnis der Zauberpilze hat eine Wertung von 63%
Was passiert, wenn zwei Freaks eintausend Euro in einen freakigen Film für Freaks stecken und ein Jahr lang daran arbeiten, zeigt der Amateurstreifen Das Geheimnis der Zauberpilze. Neben einer deftigen Portion Prollhumor fällt der Film vor allem durch seine wirre Handlung, den eigenwilligen Humor, die zahlreichen bescheuerten Charaktere und eine handvoll ziemlich ekliger Effekte auf. Am Ende wünscht man sich zwar, dass der Streifen eine gute halbe Stunde weniger Laufzeit in Anspruch nehmen würde, aber wenn man die Umstände der Entstehung mit in eine Beurteilung einbezieht, kommt man nicht umhin, dem Film auch ein paar gelungene Aspekte - und somit ein solides, im Amateurgenre sogar überdurchschnittliches, Gesamtbild - zu attestieren.

Bild aus Das Geheimnis der Zauberpilze Amateurfilme sprechen nicht gerade eine Vielzahl von Filmfans an, und Trash ist auch nicht jedermanns Sache. Das Geheimnis der Zauberpilze liefert eine Kombination von Beidem und dürfte schon alleine deswegen gewissen Schwierigkeiten begegnen, wenn es darum geht, eine breite Masse anzusprechen. Dies war aber offenbar auch nie die Absicht der beiden Macher vor und hinter der Kamera, welche sich mit der Realisierung dieses ambitionierten Projektes wohl einen ersten Traum erfüllten.

Gleich zu Begin des Filmes sitzen die zwei verantwortlichen, jungen Männer auf einem Sofa hinter einem mit leeren Bierflaschen (sowie anderen, höherprozentigeren Flüssigkeitsbehältern) übersäten Tisch. Der eine ist der Lange (Crippler Criss alias Christian Markhoff - im weiteren Verlauf auch der Große genannt), der andere der Kurze (Master W alias Mr. Heppot alias Werner Timm - im weiteren Verlauf auch der Kleine genannt), und beide wollen sich den neuesten Film von P.S.Y.C.H.O.-Productions ansehen bzw. der Lange will (Das ist der Herr der Ringe des No Budget Films, Alter!) und der Kurze ist skeptisch (Ey Alter, das sind doch die Jungs, die mit Farbeimern in den Wald gehen und das Ganze dann als Film verkaufen!). Da der Lange aber eher weniger kritikfähig ist, und bei jedem Kommentar des Kurzen gleich die Fäuste schwingt, einigt man sich bald, die DVD ihre Runden drehen zu lassen (wobei der eigentliche Film danach immer wieder von "den beiden aggressiven auf der Couch" unterbrochen wird).

Nach diesem prolligen aber dennoch nicht unlustigen Intro geht es direkt hinein ins Geschehen: Der Große und der Kleine laufen laut grölend und schon reichlich angetrunken durch den Gevelsberger Wald, bis sie ein geeignetes Lager für ihr großes Besäufnis in der Abgeschiedenheit der Natur gefunden haben. Es dauert nicht lange, und schon entsteht ein gleichermaßen sinnloser, wie handfester Streit, welcher mit dem Ableben des Kleinen endet. Erst vor ein paar Stunden hatte dieser etwas von einem mysteriösen Zwerg und stark vitalisierenden Pilzen erzählt, und tatsächlich begegnet auch der Große kurz nach der Spontan-Beerdigung diesem ominösen, dauernd kichernden Zwerg. Leider hat der bunte Zwerg aber seine Pilzreserven aufgebraucht, und so schickt er den Großen auf eine schräge Odyssee durch den Wald, um neue Zauberpilze zu besorgen. Diese Pilze sollen nämlich nach Aussage des kleinwüchsigen Waldbewohners dermaßen vitalisierend sein, dass man damit auch Tote wiederbeleben könnte. Der Große hat trotz aller Zweifel bald keine andere Wahl mehr, als den Anweisungen des durchgeknallten Rumeplstilzchen auf LSD zu folgen, zumal sich dessen erste Vorhersage bald bewahrheitet. In der Folge muss sich der Große mit allerlei komischen Gestalten (bis auf eine Ausnahme allesamt von Werner Timm gespielt) rumschlagen, bis er endlich Das Geheimnis der Zauberpilze lüften kann.

Wer nach einer guten Produktion mit sauberem Bild, guten Darstellern, sinnvollen Dialogen und einer kohärenten Storyline sucht, ist im Amateurgenre grundsätzlich nicht gut aufgehoben. Somit muss man diese Kritik, sowie die Bewertung des Filmes, natürlich auch in diesem Licht betrachten, denn würde man solch ein Werk mit einem Millionen Dollar Blockbuster vergleichen, könnte man keine gerechte Beurteilung abgeben. Somit befinden wir uns hier inmitten der sympathischen Welt der Homevideos und No Budget Produktionen, welche größtenteils von nur schwer verdaulichen bewegten Bildern bevölkert werden. Immerzu muss man sich mit schlechten Schnitten, unscharfen Bildern, dumpfen (kaum zu verstehenden) Dialogen und untalentierten Darstellern rumschlagen, und genau in diesen Punkten kann sich Das Geheimnis der Zauberpilze mehrheitlich von ähnlich entstandenen Filmen auf positive Art und Weise distanzieren. Zwar ist auch hier das Bild aufgrund einer verdreckten Linse (Absicht, um eine "Grindhouse"-Ästhetik zu erreichen? Oder war man einfach zu faul mal ein Tuch zu nehmen? Man weiß es nicht, aber es spielt im Grunde auch gar keine Rolle!) alles andere als sauber, und die Dialoge könnten hin und wieder etwas deutlicher artikuliert werden, doch in Sachen musikalischer Untermalung, Schnitt und Optik im Allgemeinen machen die Herren Timm und Markhoff vieles vollkommen richtig. Zwar kann das Niveau nicht durchgehend gehalten werden, doch wer nicht bereit ist ein paar Abstriche zu machen, sollte ohnehin lieber bei professionellen Produktionen bleiben. Und wer schon einmal andere Nachsynchronisierte Amateurfilme gesehen hat, kann hier diesbezüglich nur seinen Hut ziehen!

Die schauspielerischen Qualitäten gehen - teilweise sicherlich auch drehbuchbedingt - stark auseinander: Werner Timm mimt durchs Band beinahe absolut überzeugend den Punk, den Zwerg, einen Hippie, einen paranoiden Soldaten und einen menschenfressenden Einsiedler. Christian Markhoff spielt auf der anderen Seite die etwas monoton dargestellte Rolle des Großen, welcher konstant schlecht gelaunt und sehr mürrisch durch den schön eingefangenen Wald stapft, wobei sein Overacting zwischen "Passt, wie die Faust aufs Auge!" und "Oh mein Gott!" hin und her pendelt. Irgendwie erinnert er an einen nie lächelnden Evil Jared (Bassist der Band Bloodhound Gang), und Werner Timm ist dabei dem quirligen Jimmy Pop Ali (Sänger bei der Bloodhound Gang, deren Humor sehr gut zu diesem Film passen würde) ebenfalls nicht unähnlich und offenbart ein klar vorhandenes, komödiantisches Talent!

Was die Dialoge angeht, so sind diese schon eher auf einem sehr - was so viel heißt, wie: sehr - tiefen Niveau angesiedelt. Das alleine reicht sicherlich schon aus, um viele Zuschauer nach nur wenigen Minuten in die Flucht zu schlagen. Auf der anderen Seite wäre aber alles Andere innerhalb dieser Geschichte vollkommen deplaziert, weswegen man damit einfach entweder klar kommt, oder eben nicht. Immerhin werden diverse Filme angedeutet oder gleich eins zu eins zitiert, was bei den meisten Horrorfans schon einmal für diverse Lacher sorgen sollte. Auch haben es sich die beiden Real-Beavis und Buttheads nicht nehmen lassen, diverse Hommagen an grundsteinlegende Kultfilme einzubauen, wobei der Höhepunkt (im positiven, wie auch eklig-kranken Sinne) sicherlich die Vergewaltigung der Hauptfigur durch einen riesigen Pilz darstellt. Herrlich ist allerdings auch die Szene, in welcher die beiden Couch-Potatoes feststellen, dass sie offenbar eine zensierte Version des Filmes erwischt haben, weswegen die Geschichte zwecks Austausch gegen die unzensierte Version natürlich unbedingt unterbrochen werden muss.

Allerdings ist nicht alles Gold was glänzt, und so gibt es doch noch einige grundlegende Dinge, welche Werner Timm und Christian Markhoff bei der bereits angekündigten Fortsetzung (Der Fluch der Zauberpilze) beachten sollten. Da wäre zum Beispiel das Laufzeitproblem, denn um den Zuschauer wirklich über neunzig Minuten zu fesseln, bedarf es einiges mehr an Substanz. Zu schnell werden die einzelnen Figuren abgehandelt, wobei man aber oftmals einfach eine gefühlte Ewigkeit lang eines der Gesichter in Grossaufnahme zu sehen bekommt. Je länger der Film dauert, umso störender fallen diese Momente auf, und man ist geneigt die Vorspultaste zu drücken (was man aber nicht macht, da man ja einen der vielen überraschenden Gags verpassen könnte). Auch wirkt der eine oder andere Splattereffekt etwas selbstzweckhaft ausgeschlachtet, weswegen man immer wieder an die alte Devise "Manchmal ist weniger eben mehr" denkt. Zu guter Letzt wäre es schön gewesen, wenn man die zu Begin vorhandenen, inszenatorischen Spielereien auch durch den restlichen Film hindurch weitergezogen hätte. Doch leider hat man sich mit einer soliden Kameraführung zufrieden gegeben (wohl um zu verhindern, dass man es übertreibt), obwohl man sich damit sicherlich noch weiter von der Masse hätte abheben können.

Wer sich nicht zu schade ist, auch mal einem Amateurfilm (was in diesem Falle einem neunzig-minütigem YouTube-Video, welches mit einem selbstgebastelten 35mm-Adapter gefilmt wurde, gleichkommt) eine Chance zu geben, der kann sich also gerne mal auf die Suche nach den Zauberpilzen machen. Voraussetzung ist allerdings, dass man offen für Spaß der derbsten Sorte ist, und sich auch nicht an prolligen Zoten stört. Zwar ist Das Geheimnis der Zauberpilze unterm Strich zu lang geraten, aber der Schaden hält sich dennoch in Grenzen, weswegen dieser Amateurfilm zwar Einer unter Vielen, aber dennoch sehenswerter als die große Mehrheit ist.

von Kurt Meinicke


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