Al Pacino und Johnny Depp im Doppelpack sind es allein schon wert, diesem Werk seine Aufmerksamkeit zu schenken. Auch wenn Donnie Brasco wegen seiner recht linearen und teilweise etwas vorhersehbaren Story noch ein ganzes Stück von den ganz großen Mafiafilmen entfernt ist, ist er letztlich doch ein sehr sehenswerter Film mit einem legendären Hauptdarstellerduo.
Der Film des britischen Regisseurs Mike Newell (Harry Potter und der Feuerkelch) basiert auf dem Buch Donnie Brasco: My Undercover Life in the Mafia von 1990. Der Roman schildert die Erfahrungen des FBI-Agenten Joseph D. Pistone der unter dem Pseudonym Donnie Brasco sechs Jahre als Undercover Agent in einer New Yorker Mafiafamilie ermittelte. Diesen Ermittlungen folgten etliche Verhaftungen und Verurteilungen.
Den Kern des Filmes stellt die väterlich-freundschaftliche Beziehung zwischen Lefty (Pacino) und Donnie (Depp) dar. Al Pacino (Der Pate) und Johnny Depp (Public Enemies), der angeblich diese Rolle nur angenommen haben soll, um einmal mit Pacino vor der Kamera zu stehen, halten in diesem Film, was ihre großen Namen versprechen. Das fantastische Spiel der beiden Schauspiellegenden ist es, was Donnie Brasco zu etwas ganz Besonderem macht. Al Pacino, den man sonst aus Mafiafilmen wie Scarface von einer ganz anderen Seite kennt, als abgehalfterten, resignierten Mafiamitläufer zu sehen, ist ebenso hochinteressant, wie Johnny Depp in einer der besten Leistungen seiner Karriere, als FBI-Agent im vielleicht größten nur möglichen Dilemma, in dem sich ein verdeckter Ermittler befinden kann. Die hochkarätigen Nebendarsteller Michael Madsen (Reservoir Dogs - Wilde Hunde), Anne Heche (Birth) und der leider 2006 verstorbene Bruno Kirby (Sleepers) ergänzen die hochkarätige Darstellerriege.
Spannung wird in Donnie Brasco nur in wenigen Szenen offensichtlich inszeniert, die große Spannung ist eine subjektiv emotionale. Denn immer wieder stellt sich die Frage, wie Donnie seinem Dilemma entgehen soll. Besonders trägt zur Untermahlung von Donnies scheinbar auswegloser Situation die geschickt eingebundene Nebenhandlung mit seiner Frau und seinen Kindern bei, die die Auswirkungen seines Jobs auf das Familienleben zeigt und seiner Figur zusätzliche Tiefe verleiht.
Insgesamt funktioniert Donnie Brasco, wenn auch wegen mangelnder Ausführlichkeit der Mafiamachenschaften nicht unbedingt perfekt als Milieustudie (hierfür sollte man sich besser neben der Der Pate-Trilogie Scorseses Goodfellas - Drei Jahrzehnte in der Mafia ansehen), dafür aber umso besser als Charakterstudie. Überhaupt ist Donnie Brasco, wenn man in der Genrezuordnung weiter geht, als ihn als Mafiafilm zu bezeichnen, nicht etwa ein Krimi, sondern aufgrund seiner recht ausgeprägten Charakterzeichnungen vielmehr ein Sozialdrama.
Am Ende stört man sich durch die zwischenmenschlichen Beziehungen im Kern nicht all zu sehr an der recht linear verlaufenden Story, die wenig Überraschungen bietet, auch wenn sie keinesfalls langweilig oder gar banal ist. Ohne die brillanten Darsteller würde Donnie Brasco jedoch möglicherweise im Mittelmaß versinken. Da diese aber den Film tragen können und er auch insgesamt gut inszeniert wurde, sollte man sich Donnie Brasco, besonders wenn man Mafiafilme mag, unbedingt ansehen.