Eine Perle Ewigkeit Poster

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Eine Perle Ewigkeit

(La teta asustada, 2009)

Durchschnittliche Redaktionswertung

52%



Inhalt

Fausta, die erst durch den Tod ihrer Mutter und das anstehende, zu bezahlende Begräbnis lernen muss, auf eigenen Beinen zu stehen, nimmt einen Job bei einer Pianistin an. Diese wird kurze Zeit später durch Zufall auf Faustas Gesangstalent aufmerksam. Für jedes Lied bietet sie ihr eine Perle, mit der sie langsam die Beerdigung abbezahlen kann. Doch als sie Fausta eines Tages nicht mehr bezahlt, kommt diese, um sich zu holen was ihr zusteht.

Kritik

von Dimitrios Athanassiou

Wertung Kritik

52%

Magischen Realismus verspricht der diesjährige Gewinner der Berlinale. In etwas getragenen, nicht ganz kitschfreien Bildern, welche die karge Schönheit Perus und seiner Hauptstadt Lima einfangen, wird die Geschichte der jungen Indianerin Fausta erzählt, die eine Krankheit der Seele von ihrer, in den Zeiten des Bürgerkrieges traumatisierten und misshandelten Mutter, erbt. Eine Perle Ewigkeit erinnert durchaus an eine poetische Erzählung aus fremden Landen, wartet aber mit solch einer obskuren Wendung auf, dass es nicht eben leicht fällt, den Film vollends ernst zu nehmen.

Bild aus Eine Perle Ewigkeit 20 Jahre dauerte der blutige Konflikt in Peru. Von 1980 bis ins Jahr 2000 standen sich unerbittlich auf der einen Seite die Staatsmacht (ein Konglomerat aus Regierungstruppen und Paramilitärs) und auf der anderen, der Sendero Luminoso (Leuchtender Pfad), eine maoistische Gruppierung, gegenüber. Nahezu 70.000 Opfer forderte dieser Bürgerkrieg, drei Viertel gehörten den "peruanischen Natives" an (Quechuas oder Quechua-Indianer genannt, was soviel wie "Volk" bedeutet). Hinzu kommen noch viele andere Kriegsverbrechen, welche beide Seiten gleichermaßen an der Bevölkerung verübten. Darunter auch unzählige Vergewaltigungen. Die Täter waren alle ausnahmslos Weiße oder Mestizen ("Mischlinge": Nachfahren der Weißen und der indigenen Bevölkerung).

Kurz vor ihrem Tod stimmt die alte Indianerin einen Singsang in Quechua, ihrer alten Sprache, an. Erzählt darin von dem Grauen, das ihr während des Bürgerkrieges widerfuhr: wie ihr Liebster bestialisch vor ihren Augen hingeschlachtet und sie anschließend brutal vergewaltigt wurde. Dann ist Stille. Die alte Frau ist fort. Zurück bleibt ihre Tochter Fausta (Magaly Solier) und diese erbt die Angst der Mutter. In Peru gilt das als eine Krankheit der Seele, La Teta Asustada genannt. Sie befällt all jene, die ein traumatisches Erlebnis hatten und kann an die nächste Generation "vererbt" werden.

Fausta ist tatsächlich etwas merkwürdig: sehr still und zurückgezogen; spricht kaum mit jemandem außerhalb der Familie - mit Männern schon gar nicht. Doch jetzt muss sie sehen, wie sie an Geld für die Beerdigung ihrer Mutter gelangt. Zu allem Übel macht plötzlich auch noch ihre Gesundheit schlapp. Besorgt um seine Nichte fährt ihr Onkel mit ihr in die peruanische Hauptstadt Lima, dort soll Fausta von einem Arzt in einer Klinik richtig untersucht werden. Diese Untersuchung fördert aber etwas völlig Überraschendes zutage.

Zum guten Ton einer Kritik gehört weder das Ende zu verraten, noch Spannungsmomente zu nehmen, indem plump die Pointen vorweggenommen worden sind. In diesem Falle muss eine Ausnahme gemacht werden. Außerdem steht ohnehin fast in jeder Vorinformation zum Film etwas darüber zu Lesen: Bei der Untersuchung also entdeckt der Arzt, dass Fausta eine Kartoffel in ihrer Vagina hat (ja, richtig gelesen). Diese hat sie sich selber hinein geschoben, um zu verhindern, dass auch sie, wie ihre Mutter, vergewaltigt wird. Eigentlich besteht im Peru der Jetztzeit zwar kein Anlass mehr für diese Befürchtung, aber sie hat ihre Angst von ihrer Mutter geerbt und wird sie einfach nicht los.

Jedenfalls keimt die Kartoffel bereits und wirkt sich negativ auf ihren Gesundheitszustand aus (eigentlich hätte jede Frau innerhalb kürzester Zeit, allein durch die Verwesung der Kartoffel, eine solche Infektion, dass es ihr Leben kosten könnte - aber vertiefen wir das nicht). Kartoffel hin, Kartoffel her: Fausta braucht immer noch einen Job. Die freie Stelle als Dienstmädchen bei einer exzentrischen alten Pianistin kommt ihr da wie gelegen. Diese ist selber gewissermaßen in der Krise - hat ihre Inspiration verloren und findet keine neuen Themen mehr für ihre Konzerte. Als sie eines Tages Fausta singen hört, macht die alte Dame ihr ein Angebot: Wenn sie regelmäßig für sie singt, wird sie ihr das mit einer echten Perle entlohnen; genug für einen ordentlichen Sarg und eine anständige Beerdigung für Faustas Mutter.

Als magischen Realismus beschreibt man Inszenierungen, die mit Motiven und Elementen inmitten der "Normalität" aufwarten, die einfach zu bizarr oder surreal anmuten, um sie mit irgendeiner Form von Logik oder Nachvollziehbarkeit erfassen zu können. Mag sein, dass dies vielfach ausreicht, um noch so absonderliche Wendungen zu legitimieren. Eine Perle Ewigkeit bekam immerhin den Goldenen Bären auf der Berlinale 2009. Doch manchmal mutet das auch wie reichlich schön geredet an: Reicht es wirklich aus, einfach eine wohlklingende Subgenre-Kategorisierung aus dem Ärmel zu zaubern, um völlig Hanebüchenes (in einer realen Erzählung) abzusegnen? Natürlich ist die Rede von der ominösen Kartoffel. Wie sollte man sich auch auf den Rest des Films konzentrieren können, wenn vorher solch dramaturgische Wolkenkuckucksheime gebaut wurden?

Aber tatsächlich bietet der Film reichlich darüber hinaus: Er ist poetisch-gemächlich erzählt und entwickelt einen ganz eigenen Rhythmus und Flair. Ganz beiläufig bekommt man sogar das Gefühl, mitten dabei, in einer halbdokumentarischen, anthropologischen Studie zu sein, die mit einer völlig anderen Lebensrealität konfrontiert und einen skurrilen Witz entfaltet. Mit schönen Bildern und großartigen Landschaftsportraits beglückt Eine Perle Ewigkeit obendrein; auch wenn sich alle diese positiven Seiten in der Summe eines ethnokitschigen Anstriches nicht vollends erwehren können.

Wer also mit magischen Realitäten einiges anzufangen weiß und nicht zuviel Energie aufs Hinterfragen des Sinns solcher erzählerischer Konstruktionen verschwendet, könnte sich vielleicht mit dem Film anfreunden. Andererseits kann die Empfehlung, einen Bogen drum zu machen, auch nicht völlig verkehrt sein, da es bestimmt reichlich Kinofreunde gibt, die mit solch einer Geschichte wenig anzufangen wissen. Auf jeden Fall sollte man sich darüber klar sein, dass man sich auf einen sehr speziellen Filmgenuss einlässt.

Keine weitere Wertung


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