Das Spielfilmdebüt des indonesischen Filmemachers Edwin zeigt zahlreiche Menschen in verschiedenen Episoden die alle verschiedenen Beschäftigungen nachgehen und "I just called to say I love you" singen. Irgendwann gibt es eine homosexuelle Sexszene mit einem zum Sex gezwungenen blinden Zahnarzt und zwischenzeitlich sieht man mal ein Schwein auf einer Wiese stehen. Die Botschaft des Filmes ist natürlich eine tiefer gehende: Es geht um die schwierige Situation von in Indonesien lebenden Chinesen und deren Suche nach Hoffnung. Doch abgesehen von der fragwürdigen filmischen Umsetzung dieses brisanten Themas ist der Film ohne entsprechendes Hintergrundwissen vollkommen unzugänglich und noch langweiliger als er es von Natur aus schon ist.
Es gibt ja immer wieder asiatische Filme, mit denen man als Europäer recht wenig anfangen kann. Dann gibt es noch Filme, die sich mit historischen und politischen Themen beschäftigen und ein gewisses Maß an Hintergrundwissen voraussetzen, um sie auch nur ansatzweise zu verstehen. Und dann gibt es Filme, die vollgepackt sind mit Metaphern und Analogien, die um jeden Preis interpretiert werden wollen und unter Umständen auch müssen, um dem Gesamtwerk etwas abgewinnen zu können. Ab und an gibt es auch Filme, bei denen das alles zusammen kommt und genau das beschreibt Blind Pig Who Wants to Fly am besten.
In Indonesien leben sechs Millionen Chinesen, die offiziell als eingebürgert gelten, die Landessprache sprechen und chinesische Namen tragen. Trotz aller Integrationsbemühungen blieben die Chinesen in Indonesien immer eine gesellschaftlich isolierte Minderheit, außerdem konvertierten die wenigsten zum Islam, der in Indonesien am weitesten verbreiteten Religion. Ein Grund für die Antipathien vieler Indonesier gegenüber Chinesen ist deren wirtschaftliche Macht, die sie sich inzwischen erwirtschaftet haben. Es wird geschätzt, dass die verhältnismäßig kleine chinesische Minderheit mindestens die Hälfte der Indonesischen Wirtschaft kontrolliert. Somit zogen die Chinesen besonders die Wut der ärmeren Indonesier auf sich. Die bisher größte Katastrophe ereignete sich 1965, als Chinesen öffentlich der Unterstützung eines gescheiterten kommunistischen Putsches verdächtigt wurden und fast eine halbe Millionen von ihnen umgebracht wurde.
Insgesamt fällt es also schwer, ein Urteil über den Film zu fällen, da schlicht und einfach nur beurteilt werden kann, was man sieht und auch zuordnen kann. Die Hintergründe über Konflikte zwischen Indonesiern und Chinesen kennen die wenigsten Europäer und wirklich schlau wird man darüber als Zuschauer in diesem Film nicht. Blind Pig Who Wants to Fly ist also definitiv nicht für das durchschnittliche europäische Publikum gemacht, denn er setzt dieses Wissen voraus und erläutert nichts.
Fakt ist also, dass so ziemlich alle Metaphern im Sande verlaufen, der Film unendlich langweilig ist und zu allem auch noch kommt, dass die Protagonisten ständig Stevie Wonders "I just called to say I love you" singen. Alles in allem also das Rezept für einen absolut unerträglichen Film, der dazu einlädt, das Kino in einen Schlafsaal zu verwandeln. Denn der Film berührt einen zu keinem Zeitpunkt, ist kein bisschen spannend, nicht witzig, nicht schön, nicht traurig, nicht erotisch und bietet auch keine Action. Alles was einem in Erinnerung bleibt, ist eine Szene in der zwei Schwule den blinden Zahnarzt, der die ganze Zeit in schrecklichem Englisch das einzige Lied des Filmes singt, auf seinem Behandlungsstuhl vögeln. Er wird dazu gezwungen, es ist Teil einer Vereinbarung, aber angesichts seiner Gesangsküste geschieht es ihm auch recht. Da man sich zwangsläufig fragt, was diese Szene soll: Das schwule indonesische Paar hat einen Faible für Armeekleidung und der blinde Zahnarzt ist Chinese. Hier soll die Unterdrückung der in Indonesien lebenden Chinesen gezeigt werden.
Blind Pig Who Wants to Fly, der das Spielfilmdebüt des Videoclip und Kurzfilmregisseurs Edwin darstellt, war in Deutschland bisher nur auf dem Filmfest München 2009 zu sehen und wird wahrscheinlich nie den Weg in die deutschen Kinos finden, wenn, wird er wohl höchstens in kleinen Programmkinos oder auf DVD zu sehen sein. Aber auch wenn er nie erscheinen wird, ist das kein Verlust, denn auch wenn Blind Pig Who Wants to Fly sicherlich einen brisanten Hintergrund hat, verfehlt er sein Ziel völlig. Würde er über das, was in Indonesien passiert, wirklichen Aufschluss geben, könnte man wenigstens etwas lernen. So aber fragt man sich zwangsläufig, was man mit diesem Film anfangen soll.