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Wo die wilden Kerle wohnen

(Where the Wild Things Are, 2009)

Dt.Start: 17. Dezember 2009
DVD: 23. April 2010
Premiere: 16. Oktober 2009 (USA)
FSK: ab 6 Genre: Abenteuer, Fantasy
Länge: 101 min Land: USA
Darsteller: Catherine Keener (Connie), Max Records (Max), Mark Ruffalo (Rob), Lauren Ambrose (KW), Chris Cooper (Douglas), James Gandolfini (Carol), Catherine O'Hara (Judith), Forest Whitaker (Ira), Paul Dano (Alexander), Michael Berry Jr. (Daniel the Bull), Robby D. Bruce (Bully)
Regie: Spike Jonze
Drehbuch: Dave Eggers, Michael Goldenberg, Spike Jonze


Inhalt

Max ist ein Junge wie jeder andere auch, wild und voller Tatendrang, aber auch sehr sensibel. Wie die meisten Kinder fühlt er sich Zuhause missverstanden und wünscht sich nichts mehr, als aus seinem Alltag zu entfliehen und flüchtet dahin, wo die "wilden Kerle" sind. Er landet dabei auf einer mysteriösen Insel, die fremde Kreaturen beherbergt, deren Gefühle ebenso wild und unvorhersehbar sind, wie deren Handlungen. Kurzerhand beschließen sie, Max zu ihrem König zu ernennen. Anfangs überglücklich und voller guter Ideen, stellt der kleine Max bald fest, dass er der Aufgabe doch nicht gewachsen ist.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Wo die wilden Kerle wohnen hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 62%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Wo die wilden Kerle wohnen hat eine Wertung von 62%
Die Verfilmung des weltbekannten Kinderbuches Where the Wild Things Are präsentiert sich als großambitioniertes Kino. Gespart wurde weder am Look noch an den Effekten, die den lieben Kleinen spontan einige Verzückungsausrufe entlocken werden. Einen irgendwie plausibel gearteten Plot wird man aber vergebens suchen. Es ist eine Reise der Phantasie - ein Traum - und wie bei jedem Traum kann das Erlebte verzaubernd schöne, aber auch bizarre und gruselige Augenblicke in sich bergen. Sehenswert allemal, aber nicht plump gefällig und mitunter schwierig. Die Anwesenheit der Eltern ist durchaus empfehlenswert.

Bild aus Wo die wilden Kerle wohnen Gleichermaßen wie Hollywood das Autorenkino in den letzten Jahren verstärkt für sich entdeckt, werden in jüngster Zeit viele bekannte Kinderbuch-Klassiker für die große Leinwand adaptiert. Und diese Filme sind oft keinesfalls geringbudgetiert. Die großen Filmgesellschaften haben junge Teens und Kinder als attraktive Cashcow erkannt. Natürlich steht aber die pädagogisch wertvolle Unterhaltung im Vordergrund. Genauso wie die Erwachsenen nur mit künstlerisch wertvollen und sozialkritischen Filmen beglückt werden. Ausnahmen von den üblichen Strickmustern sind zwar gern gesehen, aber Andersartigkeit allein verleiht einer Idee und einem Werk noch keine Existenzberechtigung.

Der neunjährige Max (Max Records) hat das Gefühl, nirgendwo richtig dazu zu gehören. Eigentlich ist er ein phantasievoller intelligenter Junge, ihm fehlen aber eindeutig klare Orientierungspunkte und Vorbilder. Der Vater hat die Familie verlassen, seine ältere Schwester Claire (Pepita Emmerichs) nimmt ihn eigentlich kaum war und mitunter wird ihm von deren Freundeskreis auch rüde mitgespielt. Max versucht so viel Zuneigung und Aufmerksamkeit von seiner Mutter (Catherine Keener) zu bekommen, wie nur möglich ist, aber auch die möchte gelegentlich etwas Zeit für sich haben, um sie mit ihrem neuen Freund (Mark Ruffalo) zu verbringen.

Wenn Max sich dann unbeachtet fühlt, kann der sonst eher ruhige Junge äußerst aggressiv werden und seiner Mutter das Leben zur Hölle machen. Eines Abends eskaliert solch eine Situation und Max rennt davon: Er läuft solange durch die Nacht, bis er ans Wasser gelangt, steigt dort in ein Boot und fährt auf die See hinaus. Tagelang treibt er auf den Wellen, gerät in stürmisches Wetter und kämpft sich durch eine gefährliche Brandung, um letztendlich an einer unbekannten Küste zu landen. Dort leben große monsterähnliche Wesen. Carol, der Anführer dieser Kreaturen, ist ein ganz wilder und ungezügelter Bursche. Aber Max zeigt keinerlei Furcht und wird von den Kreaturen nicht nur als Gleicher aufgenommen; sie krönen ihn sogar zum König, als Max ihnen vorflunkert, dass er über Zauberkräfte verfügt. Eine Zeitlang geht das neue Zusammenleben gut, aber auch unter diesen Wesen herrscht nicht immer Eintracht, und Max' Lüge wird nicht ohne Konsequenzen bleiben.

Die Zeit auf dem Eiland ist ein wildes ausgelassenes Abenteuer und genauso werden es die Jüngeren wahrscheinlich auch wahrnehmen. Allerdings sind die Wesen auch reichlich bizarr und nicht alles, was dort passiert, ist ein lustiges und gewaltloses Miteinander. Für die ganz Kleinen kann dieses seltsame Schauspiel durchaus einiges an Gruselpotenzial beinhalten. Den Älteren wird die Spiegelung der Realebene in dieser Phantasiewelt aber schnell offenkundig werden. Alle Monsterwesen haben ihre realen Entsprechungen und auch Max' familiäre Konflikte werden hier ausgetragen.

Es braucht auch nicht viel, um zu durchschauen, dass die auf dieser Insel gelebte Zeit nicht mehr als der Traum einer verwirrten und überlasteten Psyche ist; aber auch, dass die Kämpfe in der Kinderseele sich nun gleichsam archetypisch auf diese Wesen projizieren. Und gerade hier zeigt sich, dass diese Kinderbuch-Adaption nicht unbedingt eine mundgerecht-gefällige und mainstreamige Umsetzung ist, sondern durchaus sperrig daherkommt. Viel zu flüchtig gerät allerdings der Konflikt auf der Realebene. Dort werden die Charaktere umrissartig mit dem spitzen Bleistift kurz anskizziert und die explizite Ausarbeitung der Krise anschließend komplett auf die Traumebene verlegt. Eine spätere Einbindung des dort durchlebten Konfliktes wird man aber letztlich ebenso vermissen, wie eine Auflösung oder Bereinigung der ursprünglichen und echten familiären Problematik.

Zu schauen und staunen gibt es dafür in Punkto visueller Gestaltung reichlich. Die Kombination aus CGI-Spektakel und klassischem Kostümbildner-Handwerk erzeugt eine phantastische Traumrealität, die ein enormes Potenzial an kindlicher Imaginationskraft reflektiert. Das allein aber macht aus Wo die wilden Kerle wohnen nicht zwangsläufig eine runde Geschichte. Es ist halt nicht wirklich rein spaßige Unterhaltung. Zu sehr kippt die emotionale Dynamik der Figuren mal in die eine und anschließend wieder in eine andere Richtung; ebenso launisch wie Kinder sein können: mitunter sehr lieb und freundlich, manchmal aber auch sehr grausam. Schlussendlich fällt es schwer die Empfehlung abzugeben, Kinder allein - ohne elterliche Begleitung - diesen Inhalten auszusetzen. So sehenswert der Film einerseits sein mag, soviel komplexe Gefühlslagen transportiert er auch, und Eltern sollten nach dem Kinobesuch für die Beantwortung von Fragen besser anwesend sein.



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