Amelia betrachtet das ungewöhnliche Leben der amerikanischen Flugpionierin und Feministin Amelia Earhart. Hillary Swank spielt in dem Biopic von Regisseurin Mira Nair die Ausnahmepilotin, die 1937 versuchte, die Welt zu umrunden und dabei spurlos verschwand. Sie lebte ein Leben voller Abenteuer, führte mit dem Verleger George Putnam (Richard Gere) eine, für damalige Verhältnisse, sehr moderne Ehe und hatte eine leidenschaftliche Affäre mit Gene Vidal (Ewan McGregor).
Amelia Earhart (Hillary Swank) machte das erste Mal Schlagzeilen, als sie 1928 als Passagierin bei einem Transatlantikflug mitflog. Für sie war die Fliegerei immer erste Priorität. Als sie den eleganten New Yorker Verleger George Putnam (Richard Gere) kennen lernt, wird er ihr Mentor und später ihr Ehemann, der sie unterstützt und zugleich ihr Verlangen nach Freiheit akzeptiert. Da damals der Flugsport noch sehr teuer und es nicht für jeden möglich war, schnell von A nach B zu fliegen, musste Earhart nach neuen Wegen suchen, sich zu finanzieren. Sie entdeckte die Werbung für sich, war Vorreiter für Berühmtheiten, die Brands vermarkten und hielt Vorträge. Doch auch wenn sie dieses nicht sehr mochte, es sicherte ihr am Ende einen Platz in den Geschichtsbüchern. In einer Zeit, als die meisten Frauen noch nicht einmal hinter dem Steuer eines Autos saßen, war es Earhart, die 1932 nach Charles Lindbergh, als erste Frau den Atlantik im Alleinflug überquerte. Sie avancierte schnell zu einem Idol für Frauen und einem Idol für ihre Zeit. Zu ihrem ehrgeizigsten Projekt zählt der Flug um den Äquator 1937, der zugleich ihr letzter Flug war.
Earharts freimütiges Leben wurde in unzähligen Biographien niedergeschrieben und jedes Buch hatte Probleme mit dem Ende. Ein Grund waren die Umstände, die zu ihrem Absturz im Südpazifik führten und ein anderer, ihr bis heute spurloses Verschwinden. Für das Drehbuch haben sich die Autoren Ron Bass (Mozart and the Whale) und Anna Hamilton Phelan (Durchgeknallt) auf zwei Biografien konzentriert und die Aufmerksamkeit auf Earharts Leben zwischen 1928 und 1937 gelenkt.
Für die Rolle der Pilotin wurde die zweifache Oscarpreisträgerin Hillary Swank (Million Dollar Baby) verpflichtet, die sich auch als Produzentin beteiligte. Wenn man die Originalbilder im Abspann betrachtet, dann ist die unglaubliche physische Ähnlichkeit zwischen Swank und Earhart augenscheinlich und mehr als verblüffend. Zu dem authentischen Effekt tragen auch die exzellenten Kostüme, das Makeup und die Haarschnitte bei, die sorgfältig der damaligen Zeit nachempfunden wurden. Swank sieht fantastisch in Overalls, Hosenanzügen und Lederjacke aus und es war eine gute Entscheidung, ihre Sommersprossen nicht mit Makeup abzudecken und so ihre Natürlichkeit zu unterstreichen.
Richard Gere (Gesetz der Straße - Brooklyns Finest) zieht die Aufmerksamkeit mit seiner Präsenz auf sich, doch leider gibt es mehr Nahaufnahmen in gemeinsamen Szenen von Swank, als von ihm, was spätestens dann augenscheinlich macht, dass Swank als Produzentin die Fäden in der Hand hatte. Sie ist in fast jeder Szene und gönnt den anderen Figuren keine Aufmerksamkeit. Selbst die Affäre mit dem attraktiven Gene Vidal (McGregor), scheint nur funktional zu der Geschichte zu gehören und wird daher nur am Rande angedeutet. Man sieht Leidenschaft nur, wenn es um Flugzeuge geht, alles andere wird sehr unpersönlich gehalten. Dabei ist es auch nicht sehr hilfreich, dass die Geschichte in Flashbacks oder mit Voiceovers erzählt wird. Man hat immer das Gefühl, etwas zu vermissen und die fehlenden Teile werden einfach nicht geliefert. Zudem ist es für diejenigen, die schon etwas über Earharts Leben wissen, bis auf die letzten 20 Minuten etwas gehalt- und emotionslos. Es werden keine neuen Details enthüllt und es gibt auch keinen Einblick in ihre Jugend. Dafür versucht Regisseurin Mira Nair mit beeindruckenden Luftaufnahmen und der imposanten Musik von Gabriel Yared etwas Ausgleich zu schaffen.
Das ist alles toll, wenn man versucht, mit Amelia die Oscarjury zu beeindrucken, doch um der unkonventionellen, außergewöhnlichen Frau gerecht zu werden, die sich in einer Männern dominierten Welt durchsetzte und nichts lieber tat, als die Wolken zu berühren, wird der Film einfach nicht gerecht.