1941 verbreitete ein Monster-Film Angst und Schrecken in den Kinosälen. Heute kehrt das unheimliche Wesen auf die Leinwand zurück und lässt den Zuschauer leider nur müde gähnen. Das Remake von Joe Johnston präsentiert zwar sicherlich eine optisch bessere Version aufgrund neuester Tricktechnik, kann aber zu keinem Zeitpunkt fesseln, überraschen oder gar ängstigen. Da helfen auch hochkarätige Schauspieler wie Benicio del Torro oder Anthony Hopkins nichts mehr. Ganz schreckhafte Personen oder ausgesprochene Fans von Werwölfen können dem Film vielleicht noch etwas abringen, wer sich aber zu viel erwartet, der wird bitter enttäuscht werden.
Mit Neuauflagen altbekannter Geschichten ist es so eine Sache. Interpretiert man den alten Stoff neu, transferiert ihn vielleicht in eine andere Zeit und peppt das Ganze mit neuen Ideen auf oder belässt man alles so, wie es war, und füllt es lediglich mit neuen Gesichtern und besseren technischen Möglichkeiten? Ersterer Weg wurde erst kürzlich bei Sherlock Holmes eingeschlagen. Die zweite Möglichkeit finden wir bei The Wolfman. Während der allseits bekannte Detektiv konsequent renoviert wurde, so dass nur noch das Grundgerüst übrigblieb, findet man beim Werwolf nicht viel Neues. Es mag Kritiker und alteingesessene Fans geben, die eine Abänderung solch altbewährter Geschichten verteufeln, doch Sherlock Holmes hat der Neuanstrich durchaus gut getan und bei The Wolfman hätte ein bisschen mehr Mut zu eigenen Ideen auch nicht geschadet.
Die Geschichte ist an sich schnell erzählt und irgendwie altbekannt, auch wenn man das Original von George Waggner nicht gesehen hat: Wir schreiben das Jahr 1891, Lawrence Talbot kehrt nach langer Abwesenheit zurück nach Hause, da sein Bruder vermisst wird. Die Verlobte des Bruders hatte Lawrence gerufen, um bei der Suche zu helfen. Mittlerweile wurde allerdings die verstümmelte Leiche des Bruders gefunden, wie ihm sein Vater mitteilt. Nun macht sich Lawrence auf, um den Mörder ausfindig zu machen. In einem Lager von Zigeunern, die von der Dorfbevölkerung als Auslöser des Unheils beschuldigt werden, kommt es zu einem verheerenden Angriff. Viele Menschen sterben, die Eingeweide fliegen nur so durch die Luft, doch keiner vermag so richtig zu sagen, was da eigentlich sein Unwesen treibt. Lawrence wird dabei von dem Ungeheuer angegriffen und schlimm verwundet. Doch er überlebt und erholt sich auf wundersame Weise innerhalb kürzester Zeit. Zum nächsten Vollmond wird klar, wieso. Er verwandelt sich in einen Werwolf und zieht seinerseits los, um zu morden.
Aufgrund der Tatsache, dass man das ganze "Werwolf-Thema" bereits zu genüge kennt, immerhin taucht diese Figur in vielen Filmen und Geschichten auf, wird der gesamte Plot sehr vorhersehbar. Man ahnt bereits sehr früh, wer der andere Werwolf ist und die Aufklärung, wie es zu all dem kam, reißt auch niemanden vom Hocker. Das führt dazu, dass über den gesamten Verlauf keine wirkliche Spannung aufkommen will. Man stellt sich weder die Frage nach dem anderen Wolf, noch nach dem Ausgang der Geschichte. Das Mitgefühl mit den handelnden Figuren ist zudem viel zu schwach. Viel zu teilnahmslos beobachtet man das Geschehen, als dass man mit irgendeinem Charakter wirklich mitfühlen würde.
Es kommt zwar keine richtige Langeweile auf, aber gefesselt ist man eben auch nicht. Dies hat wiederum zur Folge, dass die Schock-Momente nicht so gut funktionieren, wie sie vielleicht könnten. Ein schnelles durch das Bild huschen, ein unerwartetes Auftauchen, all das sind Momente, die den Zuschauer im Kinosessel zusammenzucken lassen und den Spaß an derartigen Filmen ausmachen. Leider bleibt genau das hierbei völlig aus, da man als Zuschauer eben nur dabei ist und sich nicht innerhalb der Geschichte befindet. Es kommt zu keinem Zeitpunkt ein wirklicher Grusel auf, da können auch abgerissene Gliedmaßen und auf dem Boden liegende Eingeweide nichts ändern - immerhin hat man auch das in anderen Filmen bereits besser und effektvoller gesehen.
1941 mag das alleinige Auftauchen eines Menschen, der sich in eine mordende Bestie in Wolfsgestalt verwandelt und den Mond anheult, noch ausgereicht haben, um den Zuschauern das blanke Entsetzen aufs Gesicht zu zaubern. Das funktioniert heutzutage aber nicht mehr so einfach, weshalb man andere Akzente hätte setzen müssen. Dass bedrohliche Wesen nach wie vor angsteinflößend sein können, vorausgesetzt die Atmosphäre stimmt, haben Filme wie The Descent - Abgrund des Grauens bewiesen. Dass es nicht ausreicht, eine alte Geschichte nochmal zu verfilmen, ein paar namhafte Stars in die Rollen zu stecken und ein paar effektreiche Verfolgungsjagden einzubauen, das hingegen beweist The Wolfman.